1621 wurde das Wiedenpeter-Anwesen in Jachenau gebaut. Seit vier Generationen gehört es der Familie Pfund. Im Bild Karl Pfund aus Krün, der es derzeit wieder herrichtet.
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1621 wurde das Wiedenpeter-Anwesen in Jachenau gebaut. Seit vier Generationen gehört es der Familie Pfund. Im Bild Karl Pfund aus Krün, der es derzeit wieder herrichtet.

Historisches Gebäude

Der Charme von 400 Jahren: Das Wiedenpeter-Häusl in Jachenau

Ein Schwelbrand im Frühjahr 2019 war das jüngste ungewöhnliche Ereignis in seiner 400 Jahre alten Geschichte. Nun berichten die Eigentümer über das leben in und mit einem historischen Bauernhaus in der Jachenau.

Jachenau – Alte Häuser haben ihre ganz eigene Atmosphäre, die man mögen muss, um sich darin wohlzufühlen. Ein solches Gebäude, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet, ist das sogenannte „Jägerhäusl“ im Jachenauer Ortsteil Wieden. Vor genau 400 Jahren wurde es erbaut, hat über die Generationen hinweg mit vielen wechselnden Insassen Kriegs- und Notzeiten durchgestanden und ist aktuell – nach einem Schwelbrand im März 2019 – unbewohnt.

Doch das soll nicht so bleiben: Der jetzige Eigentümer Karl Pfund hofft, im Herbst mit der Sanierung des Häusls beginnen zu können. Pfund, der selbst aus der Jachenau stammt, aber in Krün lebt und sich dort gerade eben ein Holzhaus gebaut hat, möchte im geschichtsträchtigen Wieden-Häusl wieder Leben einkehren lassen.

Aus der Ursprungszeit des Gebäudes ist der zweigeschossige Blockbau-Korpus erhalten geblieben. Das hangseitige erdgeschossige vordere Hauseck besteht aus einer dicken Bachsteinmauer. „Im Innenbereich wurde im Laufe der Zeit von den jeweiligen Besitzern immer wieder was ausgebessert und erneuert“, erzählt Karl Pfund. „Wichtig ist dem Amt für Denkmalschutz jetzt, dass neben dem Korpus das Legschindeldach, die alten Türstöcke und der alte Treppenbaum erhalten bleiben.“ Außerdem gibt es da in dem Raum, der zuletzt als Küche genutzt wurde, noch ein Wandkastl von anno dazumal.

An den Türstöcken ablesbar: Früher waren die Menschen deutlich kleiner

Die historischen Türstöcke sind nur etwa 1,65 Meter hoch. „Man gewöhnt sich dran, dass man hier den Kopf einziehen muss“, sagt Pfund. Seinerzeit bei der Erbauung, vor 400 Jahren, da waren die Menschen noch kleiner als heutzutage, da waren 1,65 Meter Türstock-Höhe wahrscheinlich noch ausreichend. Es war der Jäger Georg Wörner, der 1621 mit Erlaubnis des Klosters Benediktbeuern am südlichen Fuß des Brunnenbergs „ein hölzernes Häusl aufsetzen“ durfte, heißt es in den Aufzeichnungen, die der Ortshistoriker Jost Gudelius in der Jachenauer Chronik schreibt. Anscheinend kinderlos geblieben, verkaufte Wörner seine Bleibe 1659 „für 15 Gulden und volle Verköstigung, Bekleidung und Beschuhung für ihn und sein Weib Anna an Karl Laichmann von Schlehdorf/Unterau“.

Der Schwelbrand am Faschingssonntag 2019 wurde glücklicherwäre rechtzeitig entdeckt.

In der Folgezeit wurde der Besitz zunächst stets innerhalb der Familie weitergegeben, wobei sich der Familienname durch Einheirat einige Male änderte: Sebastian Bichler, Martin Schröferl und Peter März sen. sowie Peter März jun. sind als Hausherren eingetragen. Letzterer blieb ledig und verkaufte das Jägerhäusl, das vom Volksmund inzwischen den Hausnamen „beim Wiedenpeter“ bekommen hatte, an Johann Bichlmair. Als weitere Besitzer durch Kauf sind Andrä Maier und schließlich 1877 Joseph Pfund, der „Wirt“ in der Jachenau, verzeichnet. Mit dem heutigen Besitzer Karl Pfund, geboren 1966, ist das seit langem größtenteils von Mietern bewohnte Häusl somit nun in vierter Generation im Besitz der „Pfund-Familie“.

Die alten Holzregeln werden beachtet

Als Karl Pfund mit 21 Jahren das Anwesen übernahm, brauchte es sowohl drinnen als auch draußen auf Vordermann bringen. Dazu gehörte unter anderem die Erneuerung des Balkons und generell eine Aufhellung der zuvor nahezu schwarzfarbigen hölzernen Außenfassade. „Die machte irgendwie eine düstere Atmosphäre“, sagt der Hausherr. 2008 etwa wurden neue Böden verlegt und das Bad renoviert. Eine Daueraufgabe ist zudem die Pflege des Waldareals, das zum Refugium gehört und auch benötigtes Baumaterial liefert. Was den Einschlag von Bauholz betrifft, da hält der gelernte Bankkaufmann sehr viel von den alten überlieferten Holzregeln.

Schwelbrand wurde 2019 gerade noch rechtzeitg entdeckt

Wer derzeit das Häusl betritt, kann vom Charme alter Häuser nur wenig verspüren: Nach dem Brand am Faschingssonntag 2019 ist alles leergeräumt. Um die schwelende Glut bekämpfen zu können, hatte man Wände und Böden aufreißen müssen. Der Hausbesitzer ist heilfroh, dass die Verpuffung im Kamin des Kachelofens tagsüber passierte und von den seinerzeit hier vorübergehend einquartierten Leuten bemerkt worden war. „Ich mag gar nicht daran denken, wenn das nachts geschehen wäre.“

Das Bauwerk braucht jetzt jedenfalls wieder eine General-Sanierung. Ein Problem dabei ist die Statik: „Bevor der angekokelte Dachstuhl abgetragen wird, muss das Gebäude verschraubt und versteift werden, damit es zusammenhält.“ Pfund hofft auf die Genehmigungen, um das „Wiedenpeter“-Häusl für die nächsten 100 Jahre fit machen zu können.

Von Rosi Bauer

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