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Nicht mehr aus der Jachenau wegzudenken ist Wirtin Elisabeth Schwaab, die heute ihren 80. Geburtstag feiert. 

Im Porträt 

Die Wirtin blieb doch länger

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Jachenau – Vom Veteranenverein bis zum Scheich mit Gefolge, von trinkfesten Dänen bis hin zu Münchner Radfahrern: In 47 Jahren als Wirtin des Gasthauses Jachenau hat Elisabeth Schwaab zahllose Gäste bewirtet. Heute feiert sie ihren 80. Geburtstag.

Als Elisabeth Schwaab 1969 zum ersten Mal in die Jachenau kam, dachte sie nicht, dass sie lange bleiben würde. Denn zunächst einmal machte die Gemeinde keinen allzu verlockenden Eindruck auf sie. Das änderte sich bald gründlich. Mittlerweile ist Schwaab seit 47 Jahren Wirtin im Gasthaus Jachenau. Heute, an ihrem 80. Geburtstag, kann sie auf eine bewegte Zeit im Sonnental zurückblicken: mit glücklichen Stunden, schweren Zeiten und vor allem vielen netten Gästen.

Heute ist das Frühstück Elisabeth Schwaabs Domäne. Noch immer betreut sie jeden Morgen die Gäste. Den Betrieb haben schon vor einigen Jahren Sohn Markus (48) und dessen Frau Petra übernommen. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert, seit Elisabeth Schwaab mit ihrem verstorbenen Mann Franz hier anfing: Die Buchungen gehen per Internet ein. Dass Urlauber sich für drei bis vier Wochen einquartieren, das gibt es nicht mehr. Stattdessen schauen sie morgens auf ihre Wetter-App, um nachmittags zum Spontan-Kurzurlaub einzutreffen – die Welt ist schneller geworden.

Vor ganz anderen, aber nicht minder großen Herausforderungen standen die Schwaabs 1969. Das Ehepaar – sie aus der Nähe von Augsburg, er ein Düsseldorfer – hatte sich beim Arbeiten in der Schweiz kennengelernt und führte eine Gaststätte in Baldham (Kreis Ebersberg). Doch nach der Geburt von Sohn Markus suchten die Schwaabs nach einer neuen Wirkungsstätte, die sich besser mit dem Familienleben vereinbaren ließ.

„Unser Bierfahrer hat uns eines Tages gesagt: ,Ich wüsste was für Euch‘“, berichtet Schwaab. „Also sind wir an einem freien Tag in die Jachenau gefahren.“ Das Sonnental machte aber an jenem grauen Novembertag seinem Namen keine Ehre. „Als wir das erste Mal reinfuhren, dachten wir, da kommt nichts mehr“, erinnert sich Schwaab. Und auch der Blick durch die Fenster des leerstehenden Gasthauses verhieß nichts Gutes: zerbrochene Bierkrüge, heruntergekommene Einrichtung. Die Schwaabs machten auf dem Absatz kehrt. Doch in Telefonaten mit der Eigentümerin „haben wir uns doch noch breitschlagen lassen“, sagt Schwaab.

Das Wirtspaar brauchte Geduld und viel Fleiß, um den Betrieb in Schwung zu bringen. „Am Anfang gab es Tage, da haben wir bloß eine Halbe Bier verkauft“, sagt die 80-Jährige. „Mit der Zeit ging es besser. Als erste sind die Einheimischen zu uns gekommen.“

Im Lauf der Jahre wurde das Gasthaus zum Schauplatz der Jahrtage vieler örtlicher Vereine, seien es Gebirgsschützen, Veteranen, Holzhacker oder der Trachtenverein. Am meisten Betrieb herrscht bis heute an Fronleichnam. „Da sind Garten, Saal, Stüberl und Veranda voll“, freut sich Schwaab. Gerne erinnert sie sich daran, wie früher die Jachenauer jungen Leute samstags spät in der Nacht zu ihr kamen, nachdem sie in Wallgau ausgegangen waren. „Sie haben dann immer noch ihre Curry-Wurst bekommen.“ Ein Ritual.

Und natürlich sind es Ausflügler und Urlauber, die gerne bei ihr einkehren. „Es kommen viele Radfahrer und Motorradfahrer – verstärkt, seit sie samstags und sonntags nicht mehr über den Kesselberg dürfen.“ Auch die Zahl der Wanderer, die im Gasthaus Station machen, werde immer größer, speziell derjenigen, die sich die Route München-Venedig vorgenommen haben.

Aber auch viele internationale Gäste hat Elisabeth Schwaab schon bewirtet. „Vor x Jahren ist zum Beispiel mal ein Scheich mit seinem ganzen Gefolge hier gewesen“, erzählt sie. Die Regierung habe ihm einen Abschuss in einem nahen Jagdrevier spendiert. Für die Jagd sollte Schwaab einen Frühstückskorb herrichten. Doch das dargebotene Geschirr ließ der Chauffeur des Scheichs nicht durchgehen. „Er ist extra nach Garmisch gefahren und hat goldene Thermoskannen besorgt.“ Der Scheich selbst sei ein „netter, fescher Mann“ gewesen und habe ihre Bedienung Anni mit 400 Mark Trinkgeld fast schon überfordert. „Sie hat nur gesagt: ,Das kann ich doch nicht annehmen.‘“

Wenn Schweizer kommen, freut sich Elisabeth Schwaab besonders, denn in der Schweiz hat sie zehn Jahre lang gearbeitet, unter anderem im berühmten Café Schuh in Interlaken. Sie erzählt auch von dem englischen Paar, das ihr immer Orangen-Marmelade mitbringt („Die esse ich am liebsten“) oder den fünf Dänen, die sich schon zum Frühstück täglich eine Flasche Jägermeister servieren ließen.

Ihre schwersten Zeiten erlebte die Familie, als Franz Schwaab 1984 tödlich verunglückte – wenige Jahre, nachdem das Ehepaar das 1883 erstmals urkundlich erwähnten Gasthaus gekauft hatte. Doch mit viel Zusammenhalt überwand die Familie immer wieder die Hindernisse.

Den 80. Geburtstag feiert Elisabeth Schwaab – wie sollte es anders sein – mit zahlreichen Gästen. Ihr 14 Jahre jüngerer Bruder Willi ist dabei, der ebenfalls heute Geburtstag hat. Und sogar eine Gruppe ganz besonders treuer Stammgäste – noch aus Baldhamer Zeiten.

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