Eingeschworenes Team: Ben Pichlmayr im Kreise seiner Kolleginnen. Dieses Jahr fällt die „Wiesn“ auch für sie aus.
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Eingeschworenes Team: Ben Pichlmayr im Kreise seiner Kolleginnen. Dieses Jahr fällt die „Wiesn“ auch für sie aus.

Koa Wiesn

Jachenauer Oktoberfest-Kellner: „Komisch, im Urlaub tatsächlich frei zu haben“

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Das Oktoberfest steht jedes Jahr fest im Terminkalender von Ben Pichlmayr aus der Jachenau. Im Interview berichtet er, wie er jetzt die wiesnlose Zeit erlebt.

Jachenau – Für Ben Pichlmayr dreht sich um diese Jahreszeit eigentlich alles ums Oktoberfest. Der 28-Jährige aus Jachenau ist seit 2016 als Bedienung im Festzelt Tradition auf der „Oidn Wiesn“ tätig und „opfert“ dafür auch gerne seinen Urlaub. Im Gespräch verrät er, was der Ausfall des Volksfests für ihn bedeutet.

Sie arbeiten seit ein paar Jahren auf dem Oktoberfest als Bedienung. Wie würden normalerweise momentan Ihre Tage aussehen?

Früh aufstehen, spät ins Bett gehen und dazwischen eine gute Zeit haben (lacht). Natürlich ist es auf der Wiesn auch mal stressig, aber wir machen das, weil wir es gerne tun. Somit empfinden wir es nicht wirklich als Stress. Wer daran keinen Spaß hat, tut sich das nicht als Bedienung an – dann lieber als Besucher auf der Theresienwiese.

Woran denken Sie, wenn Sie an die „Wiesn“ denken?

Einer der besonderen Momente ist für mich immer zwei Tage vor dem eigentlichen Start des Oktoberfestes, wenn wir zur Einschreibung das erste Mal wieder im Zelt sind. Ab diesem Moment hat uns der „Wiesnvirus“ wieder voll erwischt. Grundsätzlich sind aber die Stimmung und das Miteinander jedes Jahr aufs Neue etwas ganz Besonderes. Eines der schönsten Erlebnisse ist auch immer der Abschluss der „Wiesn“. Ein ganzes Zelt voll mit Sternwerfern und 200 verrückte Bedienungen auf der Bühne, die sich schon auf das nächste Jahr freuen. Ein unglaubliches Gefühl.

Wie fühlt es sich für Sie an, in diesem Jahr auf die „Wiesn“ verzichten zu müssen?

Ich arbeite sonst den ganzen Sommer über in einem Team in verschiedenen Bierzelten und dann eben auch auf dem Oktoberfest. Dadurch, dass nach und nach auch alle Bierzelt-Termine abgesagt wurden, und Großveranstaltungen ja schon seit dem Frühjahr verboten sind, konnten wir uns eine Weile darauf einstellen. Aber dennoch war es komisch, im Urlaub heuer tatsächlich frei zu haben.

Was bedeutet das Arbeiten auf der „Wiesn“ für Sie?

Ich arbeite gern auf der Wiesn, weil sich in den zwei Wochen alles um das Oktoberfest dreht. Es gibt keine Nachrichten, keinen Alltag, einfach nur die Wiesn. Eine besondere Art von Urlaub, die ich nicht als Arbeit empfinde, sondern als eine etwas andere Art der Freizeitgestaltung. Durch den Ausfall entgeht uns eine Zeit, auf die wir uns das ganze Jahr freuen.

Treffen Sie auch die finanziellen Einbußen?

Finanziell ist es zwar ärgerlich, aber es gibt mit Sicherheit Menschen, die durch die momentane Situation größere Probleme haben, als ich ohne „Wiesn“-Geld. Das Ganze ist immer eine Frage der Sichtweise. Also, halb so wild.

Was machen Sie mit der gewonnenen Zeit?

Hauptberuflich arbeite ich in einem Reisebüro, nebenbei kellnere ich. Statt auf der Wiesn zu bedienen, arbeite ich im Gasthof Jachenau. Da arbeite ich seit mehr als zehn Jahren, sag alle fünf Minuten „Maske bitte“ und hab’ eine genauso schöne Zeit – nur halt anders. (lacht)

Pflegen Sie Kontakt zu Ihrem „Wiesn-Team“?

Zu vielen Bedienungen hat man häufig Kontakt, zu meinen Teamkollegen natürlich ständig. Am Wochenende wollen wir uns zum Essen treffen und auf die Nicht-Wiesn anstoßen.

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