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Am Walchensee sollen Ranger zum Einsatz kommen. 

Wegen Falschparken und Grillen

Über 400 Anzeigen am Walchensee - sorgen jetzt Ranger für mehr Ordnung?

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    Andreas Steppan
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Kontrollen am Walchensee während der Nachsaison hatten ein erschreckendes Ergebnis. Nun werden einige Schritte eingeleitet, um etwas zu ändern.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Am Walchensee muss sich etwas ändern. In den Sommermonaten schafft der zunehmende Freizeitdruck samt Verkehr Zustände, die so nicht mehr hinnehmbar sind. „Es ist ein Riesenkonfliktpunkt“, fasste Landrat Josef Niedermaier am Dienstag in der Sitzung des Kreis-Umweltausschusses zusammen.

Um dem entgegenzuwirken, entwickelten die Gemeinden Jachenau und Kochel, Vertreter des Landratsamts und andere Beteiligte ein Maßnahmenpaket. Der Umweltausschuss befasste sich in der Sitzung eher mit einer Kleinigkeit, die aber große Auswirkungen haben könnte. „Es geht um die genaue Feststellung, wo die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind“, erklärte Franz Steger von der Unteren Naturschutzbehörde. Vor allem in den Bereichen Walchensee und Urfeld soll das bei Ortsbegehungen genau festgestellt werden. Entsprechend würden dann die Hinweisschilder neu aufgestellt.

Walchensee: „Manche kann man nur über den Geldbeutel erziehen“

Das ist durchaus entscheidend: „Falschparken im Landschaftsschutzgebiet kostet 50 Euro aufwärts, außerhalb sind es nur 15 Euro“, sagte der Kochler Bürgermeister Thomas Holz (CSU). Leider sei es mittlerweile so, „dass man manche nur über den Geldbeutel erziehen kann“. Der Ausschuss stimmte dem Vorgehen zu.

Auch über eine zweite Maßnahme wurde gesprochen. Die Gemeinden Kochel und Jachenau möchten, dass – wie an der Isar – Ranger eingestellt werden, die am Walchensee unterwegs sind. Über die Stellen berät am Montag, 9. Dezember, um 9 Uhr der Kreisausschuss, deren Sinnhaftigkeit stellte aber auch im Umweltausschuss keiner in Frage.

Kontrollen am Walchensee ergeben 406 Anzeigen gegen Falschparker und Wildgriller

Heuer habe man sich an einigen Tagen beziehungsweise Nächten in der Nachsaison von 25. September bis Mitte Oktober einen Isar-Ranger ausgeliehen, der gemeinsam mit Vertretern der Freiwilligen Feuerwehren Jachenau und Walchensee unterwegs war, berichtete Jachenaus Bürgermeister Georg Riesch (FW). Das Ergebnis referierte Riesch dann am Abend auch noch einmal vor dem Jachenauer Gemeinderat: 406 Ordnungswidrigkeitsanzeigen, darunter 106 Parkverstöße. 51 Personen hatten verbotenerweise gegrillt oder offenes Feuer gemacht (Bußgeld: 100 Euro), 215 im Auto und acht im Zelt übernachtet. „Zusammengerechnet betragen die Bußgelder 30.000 Euro.“

Der „Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum“, der ebenfalls am Walchensee-Südufer zur Verkehrsüberwachung im Einsatz war, habe heuer dagegen nur 250 Verstöße registriert – im Gegensatz zu 525 im Vorjahr. Diesen Rückgang führte Riesch darauf zurück, dass die Abstimmung mit den Ranger-Kontrollen anfangs nicht richtig funktionierte.

Menge der Verstöße am Walchensee ist „erschreckend“

Die Menge der Verstöße bezeichnete Riesch jedenfalls als „erschreckend“. Auch von den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten habe er die Rückmeldung bekommen: „Wir hätten nie geglaubt, dass es da so zugeht.“ Die Zahl zeige, „wie dringend wir die Ranger brauchen“, so Riesch.

Die Einstellung der neuen Mitarbeiter kostet natürlich Geld. Riesch, aber auch Achim Rücker (Grüne) regten im Umweltausschuss an, doch mal bei den Bayerischen Staatsforsten vorzufühlen, ob sie sich nicht an der Finanzierung beteiligen könnten. Schließlich gehören dem Tölzer Forstbetrieb zahlreiche Flächen am Walchenseeufer. Riesch glaubt auch, dass der Walchensee nicht der letzte See ist, an dem es Probleme geben wird. „Wenn bei uns schärfer kontrolliert wird, verlagert sich das Problem“, sagte der Jachenauer Bürgermeister. Dann sei es natürlich möglich, die Ranger auch an Kirchsee oder anderen Gewässern einzusetzen.

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Bürgermeister übt Kritik an Demonstration am Walchensee

Kritik übte Riesch an der Demonstration am Walchensee Mitte Oktober. „Das ist mir persönlich sauer aufgestoßen, das ist nicht der richtige Weg“, sagte er. „Es ist einfach, sich mit einem Schild auf die Straße zu stellen.“ Bei der Umsetzung des Maßnahmenkatalogs, den der Walchensee-Workshop ergeben habe, sei man „auf einem guten Weg“. Die Demonstration aber „wirft auf die ganze Sache ein schlechtes Licht. Ich bin kein Freund davon“.

Besonders bedauerlich sei es, „wenn das Ende vom Lied ist, dass verdiente Leute, die sich ehrenamtlich eingebracht haben, ihren Rücktritt einreichen“. Damit spielte Riesch darauf an, dass nach der Demo Martin Sperr den Vorsitz des „Verkehrsvereins für das Walchenseegebiet“ niedergelegt hatte.

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