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Mit einiger Skepsis verfolgten viele Zuhörer am Mittwoch die Erklärung, wie der Managementplan für das FFH-Gebiet „Jachenau und Extensivwiesen bei Fleck“ erstellt werden soll.

FFH-Gebiete sorgen für Unmut bei Landwirten

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Wenn das Wort „FFH“ fällt, stellt es vielen Landwirten im Isarwinkel und Loisachtal die Haare auf. Zu tief sitzt die Verärgerung über das Vorgehen seinerzeit, als im Prinzip ohne Bürgerbeteiligung ein Schutzstatus über zahlreiche Flächen gestülpt wurde. Entsprechend misstrauisch werden alle weiteren Bemühungen um diese Areale beäugt. Das wurde am Mittwoch bei einer Veranstaltung im Landratsamt deutlich, in der es um das FFH-Gebiet „Jachenau und Extensivwiesen bei Fleck“ ging.

Lenggries/Jachenau/Kochel am See– Der Bereich ist etwa 1438 Hektar groß und Teil des europaweiten Natura-2000-Netzes, das aus Fauna-Flora-Habitat-(FFH)- und Vogelschutzgebieten besteht. Es umfasst Flächen auf Jachenauer, Lenggrieser und Kochler Flur. Über die Hälfte ist bewaldet. Ziel von Natura 2000 ist es, „die natürlich und naturnahen Lebensräume und die dort vorkommenden Arten zu erhalten“, erklärte Katharina Löw vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen. Um das zu erreichen oder den Zustand der Flächen sogar noch zu verbessern, werden derzeit Managementpläne aufgestellt. „Das heute ist der Beginn eines Dialogprozesses, und es geht darum, Sie alle an diesem Prozess zu beteiligen“, sagte Christian Webert, Bereichsleiter Forsten am AELF.

Genau das aber bezweifeln viele. 190 Grundeigentümer gibt es, rund 80 waren ins Landratsamt gekommen. „Das Thema FFH ist bei uns nicht unbedingt positiv belegt“, betonte Vize-Landrat und Kochler Bürgermeister Thomas Holz. „Beim ersten Mal hat man die Betroffenen nicht ernst genommen. Dieses Vertrauen wieder aufzubauen, wird eine Mammutaufgabe.“ Er bitte darum, dieses Mal die Belange der Landwirte wirklich zu berücksichtigen, so Holz.

In dem Managementplan sollen konkrete Maßnahmen aufgelistet werden, wie sich der Zustand der Flächen erhalten oder verbessern lässt. Als Grundlage hierfür müssen die Areale aber erst einmal unter die Lupe genommen werden. Das passiert unter anderem bei Begehungen. Im Wald übernimmt das Försterin Anna Deischl vom AELF Ebersberg. Sie untersucht, welche Lebensraumtypen vorhanden sind, welche Tier- und Pflanzenarten vorkommen. Für die Kartierung im Offenland muss die Regierung von Oberbayern noch jemanden bestimmen. Deischl ging auf den „wahnsinnigen Reichtum an besonderen Schutzgütern“ ein. Sie sprach über Waldmeister-Buchenwälder, Auwälder, Frauenschuh-Orchideen oder auch die Mopsfledermaus.

Die Kartierung beginnt im Herbst und wird rund ein Jahr dauern. Danach erfolgt die Bewertung. Aus dieser leiten sich konkrete Handlungsmaßnahmen ab. Das könnte beispielsweise sein, dass mehr Totholz im Wald liegen bleiben muss, erläuterte Deischl. Wichtig: „Der Plan ist nur für Behörden verbindlich. Für private Grundstücksbesitzer sind alle Maßnahmen freiwillig.“ Im Herbst 2019 könnte der Entwurf ausliegen. Dann sind Einwendungen möglich. An einem Runden Tisch sollen alle Beteiligten darüber diskutieren, bevor Ende 2019 der fertige Managementplan vorgelegt wird.

„Wird der Grundeigentümer bei der Kartierung mit einbezogen?“, fragte ein Zuhörer. Nein, antwortete Deischl. Das sei nicht möglich. „Aber ich freue mich wahnsinnig, das Gebiet näher kennenzulernen.“ Eine Freude, die Klaus Rauchenberger, Vize-Bürgermeister in der Jachenau, nicht teilt. „Wenn der Kartierer nicht in der Lage ist, mit dem Grundstücksbesitzer einen Termin zu vereinbaren, kann er zu Hause bleiben“, wetterte er. „Das ist eine Sauerei“, rief ein Zuhörer dazwischen.

Eine ganze Reihe von Anmerkungen hatte der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl. Man sei ein gebranntes Kind nach der jüngst erfolgten Aufstellung des Managementplans für die obere Isar. Die sei alles andere als optimal gelaufen. „Die Beteiligten aus der Landwirtschaft wurden nicht als gleichwertige Partner gesehen und anders als die Naturschutzverbände behandelt.“ Deren Einwände seien in den Planentwurf eingearbeitet gewesen, als am Runden Tisch darüber diskutiert wurde – die der anderen Beteiligten nicht. „Ich bitte darum, dass in diesem Verfahren alle gleich behandelt werden.“ Außerdem wäre eine Infoveranstaltung für die Bauern wünschenswert, sobald der Entwurf vorliegt – also noch vor dem Runden Tisch. Er bat zudem darum, explizit im Managementplan festzuschreiben, dass die Maßnahmen für private Grundbesitzer freiwillig sind. „Das brauchen die Eigentümer schriftlich“, so Weindl. Sein Jachenauer Kollege Georg Riesch schloss sich dem an: „Die Kommunikation beim Plan für die obere Isar war sehr schlecht. Ich hoffe, dass das jetzt besser wird.“

Das griff Webert in seinem Schlusswort auf: „Die offene Kommunikation ist uns ein ehrliches Anliegen. Wir werden unser Bestmögliches versuchen.“

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