Ihre charakteristische Schnauzenform hat der Kleinen Hufeisennase ihren Namen gegeben.
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Ihre charakteristische Schnauzenform hat der Kleinen Hufeisennase ihren Namen gegeben.

In Bayern auf der Roten Liste

In oberbayerischem Kirchturm heimisch: Für diese sehr seltenen Tiere hält die Gemeinde sogar die Zeit an

  • Felicitas Bogner
    VonFelicitas Bogner
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Die Kleine Hufeisennase ist eine sehr seltene Fledermausart, steht in Bayern auf der Roten Liste. Doch in der Jachenau fühlen sich die Tierchen sehr wohl.

Jachenau/Bad Heilbrunn/Wackersberg – Sie ist nachtaktiv, wird durchschnittlich 40 Millimeter lang, wiegt etwa acht Gramm und ist vom Aussterben bedroht: die Kleine Hufeisennase. Eine Fledermausart, die es sich an drei Orten im Landkreis gemütlich gemacht hat. Als Lebensraum und auch zur Einrichtung der Wochenstube präferiert die Mini-Fledermaus am ehesten die hohen Dachstühle von Kirchtürmen.

Bad Tölz: Kleine Hufeisennase nisten in Kirchtürmen in Jachenau

So haben zahlreiche Kleine Hufeisennasen die Kirchtürme von St. Nikolaus in der Jachenau, Mariä Heimsuchung in Oberbuchen (Bad Heilbrunn) und St. Johann Baptist in Fischbach (Wackersberg) zu ihrer Heimat auserkoren. Denn sowohl die Kleine Hufeisennase als auch das Große Mausohr – beide Fledermausarten kommen im Landkreis vor – leben gerne unter hohen Dachdecken.

Entdeckt wurde die Hufeisennase – ihr Name kommt von ihrer charakteristischen Schnauzenform – nach vielen Jahren erstmals wieder im Jahr 2000 in Kochel. „Das war ein totaler Zufallsfund. Man hat bei einem Netzfang eine Kleine Hufeisennase gefunden und ihr dann einen Sender aufgesetzt“, erklärt Walter Wintersberger, Kreisvorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). So konnte man ihre Spur nachverfolgen.

Und die führte bekanntermaßen in den Jachenauer Kirchturm. „Dort haben wir dann 28 Exemplare gefunden“, berichtet der Fledermaus-Experte. Flatterte die Kleine Hufeisennase in der 1930er-Jahren noch sehr häufig in Bayern umher, so habe es ab den 1960er-Jahren dramatische Bestandseinbrüche gegeben. „Vor allem der immer populärer werdende Einsatz von Insektiziden hatte große Auswirkungen.“

Kleine Hufeisennase in Oberbayern: „Zugfreie Wärmeglocken“ zum Schutz der Feldermäuse

Umso erfreulicher also, dass heuer das dritte Jahr in Folge über 300 Kleine Hufeisennasen beim Ausflug gezählt worden sind, wie Wintersberger berichtet. „Es waren 310 in der Jachenau, etwa 120 in Oberbuchen und noch einmal zwischen 60 und 70 in Fischbach.“ Generell leben etwa 40 Prozent der in Bayern gezählten Kleinen Hufeisennasen im Landkreis. Dennoch gehören die Jachenauer Kirchturmbewohner nach wie vor zu den seltensten Arten in ganz Bayern.

Der Schutz der Tiere ist daher besonders wichtig. So mussten wie berichtet auch erst einmal die anstehenden Arbeiten an der Kirchenuhr in der Jachenau auf die lange Bank geschoben werden. Eine Spezialfirma aus Biberach hatte vorgeschlagen, zwar das alte Ziffernblatt an der Kirche zu belassen, aber den Uhrantrieb auszutauschen und in der Sakristei eine Digitalsteuerung einzubauen.

Im Kirchturm in der Jachenau fühlt sich die seltene Fledermausart wohl.

Bevor jedoch ein Monteur ein neues Uhrwerk einbauen kann, muss der Turm von innen einer ordentlichen Reinigung unterzogen werden. Denn so klein die Flieger auch sind, hinterlassen sie auf Dauer einen großen Dreck. „Ohne Reinigung wäre das einem Monteur nicht zumutbar“, sagt der Bürgermeister der Isarwinkel-Gemeinde, Klaus Rauchenberger. Für das Wohl der kleinen Flieger musste also erst einmal in der Jachenau die Zeit stehen bleiben.

„Die Zeiger stehen schon mehrere Wochen still“, meint der Rathauschef. Doch da die Brutzeit der Kleinen Hufeisennase begonnen hatte, musste die richtige Uhrzeit in der Jachenau erst einmal warten. „In der Wochenstube findet die Vergesellschaftung der Mütter mit ihren Jungen statt“, erklärt Wintersberger. Diese sensible Zeit dauere etwa sechs bis acht Wochen und beginnt im frühen Sommer. Der genaue Zeitpunkt sei aber nicht zuletzt auch witterungsabhängig. So oder so gelte aber: „Man sollte in dieser Zeit möglichst nicht stören.“

Arbeiten im Jachenauer Kirchturm können beginnen - sensible Fledermaus-Brutzeit vorbei

Mittlerweile sei die sensible Brutzeit wieder vorbei. „Es dürfte inzwischen möglich sein, die Reinigung durchzuführen“, sagt der LBV-Vorsitzende, Denn die Jungen seien bereits flügge. Das bedeutet, dass sie groß genug sind, um mit den Elterntieren auszufliegen. Generell dürften die Arbeiten dann mit Blick auf den Verbleib der Fledermäuse kein Problem mehr sein. „In Oberbuchen mussten vor drei Jahren auch Renovierungen durchgeführt werden.

Nun wurden wieder etwa gleich viele Tiere wie vor den Arbeiten gezählt“, berichtet Wintersberger. Zu beachten sei jedoch bei vielen Arbeiten, den Tieren sogenannte „zugfreie Wärmeglocken“ vor Ort zur Verfügung zu stellen. „Das ist eine Art Holzwürfel. Hier finden die Fledermäuse dann Schutz, um die Jungen aufzuziehen.“ Auch Bürgermeister Rauchenberger ist zuversichtlich, dass nun, nach der Wochenstuben-Zeit, damit begonnen werden kann, den Turm von den Exkrementen der Kleinen Hufeisennase zu säubern, um dann endlich die neue – digitale – Uhr zu installieren. „Es kommt jetzt darauf an, wann die jeweiligen Firmen Zeit haben. Es soll aber auf jeden Fall noch in diesem Jahr über die Bühne gehen“, sagt der Bürgermeister.

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