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Test auf Herz und Nieren: Gemeinderäte, Bürgermeister und Fahrer nehmen das neue Loipenspurgerät unter die Lupe, das der Jachenau für eine Woche als Vorführfahrzeug überlassen wurde.

Teure Anschaffung

Fürs Langlauf-Dorado: Jachenau will  neues Loipenspurgerät

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Das Loipenparadies stellt sich für die Zukunft auf. Die Gemeinde Jachenau denkt über die Anschaffung eines neuen Spurgeräts nach. Vor der 150 000-Euro teuren Anschaffung sind aber erst einmal Testfahrten nötig.

Lenggries– Die 200-PS-Maschine hat gute Referenzen: Zuletzt war sie beim Biathlon in Ruhpolding im Einsatz, dann sorgte sie für einwandfreie Verhältnisse beim König-Ludwig-Lauf in Oberammergau. Und jetzt dreht das Loipenspurgerät der Firma Kässbohrer seine Runden durch die Jachenau. Das Vorführgerät ist dieser Tage im Sonnental im Einsatz. Denn die Gemeinde denkt über einen Kauf nach. Für die Jachenau wäre das eine echte Großinvestition.

Aus gutem Grund gilt die Jachenau als Dorado für Langläufer. Knapp 40 Kilometer Loipen, jeweils klassisch und Skating, verlaufen in malerischer Landschaft durch das Gemeindegebiet. „Die Instandhaltung kostet uns eine ganze Stange Geld“, sagt Bürgermeister Georg Riesch. „Bis alles durchgespurt ist, dauert es acht Stunden“, so der Rathauschef. Die Kosten für so eine Runde liegen ihm zufolge bei rund 300 Euro, allein für Sprit und Personal. Gespurt werde in den Ferien und am Wochenende täglich. Jetzt sind beim bisherigen Loipenspurgerät – Baujahr 1996 – nach 6000 Betriebsstunden die Verschleißerscheinungen nicht mehr zu übersehen. Das größte Problem: Die Gummikette ist kaputt. „Jetzt haben wir die ursprüngliche Metallkette drauf“, so Riesch. „Aber wenn wenig Schnee liegt, kommt man damit auf den Untergrund, und das kann Bodenschäden verursachen.“ Das Einvernehmen mit den Grundeigentümern, über deren Eigentum die Loipen verlaufen, will Riesch nicht aufs Spiel setzen.

Mit der neuen Raupe würde es schneller und gründlicher gehen, ist auch Loipenfahrer Hans Riesch nach der Probefahrt überzeugt.

Der Bürgermeister schätzt, dass es 25 000 bis 30 000 Euro kosten würden, das vor neun Jahren gebraucht angeschaffte Gerät instandzusetzen. „Da müssen wir uns Gedanken machen, ob das im Verhältnis steht.“ Als Alternative testet die Gemeinde das Vorführfahrzeug. 150 000 Euro kostet dieses Modell.

Auf der anderen Seite erhofft sich Riesch dadurch Einsparungen. Das alte Gerät fahre mit seinen 140 PS „oft an der Leistungsgrenze“. Beim neuen sei der Spritverbrauch sicher niedriger, und vermutlich würden auch die Fahrzeiten – und somit die Personalkosten – geringer.

Bei einer Testfahrt, zu der sich an einem Nachmittag auch die Gemeinderäte Jost Gudelius, Peter Krauß und Rudi Tiefenbrunner eingefunden haben, stellt Fahrer Hans Riesch fest: „Mit der neuen Raupe fahre ich einmal drüber, dann ist die Spur drin. Mit der alten wird es bei Weitem nicht so sauber.“ Entscheidender Vorteil der neuen Maschine ist die Spurfräse. Im Boden hinterlässt sie eine perfekte, acht Zentimeter tiefe klassische Spur.

„Technik hat in den vergangenen 20 Jahren nicht geschlafen.“

Gudelius, der sich passenderweise auf Skiern zu dem Termin begeben hat, berichtet: „Wenn der Boden gefroren war, hat man in den vergangenen Wochen teilweise gar keine klassische Spur mehr reingebracht.“ Das neue Modell sei „halt eine Generation weiter. Die Technik hat in den vergangenen 20 Jahren nicht geschlafen.“

Ob die Gemeinde die Ausgabe wirklich stemmen sollte, wollen sich Riesch und die Gemeinderäte gründlich überlegen. Abzuklären ist etwa, wie hoch die staatlichen Zuschüsse wären. Gemeinderat Peter Krauß fände es außerdem nur recht und billig, wenn sich auch Nachbargemeinden finanziell beteiligen würden.

Riesch verweist darauf, dass die Loipen „ein sehr wichtiger Faktor“ für Tourismus und Gastronomie vor Ort seien. Deswegen seien weitere Verbesserungen abgedacht. „Wir sind im Gespräch mit Skischulen, ob wir wieder einen Skiverleih zusammenbringen.“ Gleichzeitig erwäge man eine Erhöhung des „Loipenpflegebeitrags“, damit die Langlaufstrecken für die Gemeinde weiterhin kostendeckend bleiben. Die Gebühr beträgt aktuell drei Euro. „Beschwerden gibt es da gar keine“, sagt Riesch. Und wie zur Bestätigung ruft ein Sportler im Vorbeifahren: „Danke für die schöne Loipe!“

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