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„Irgendetwas muss damals schief gegangen sein“: Bei einem Tauchcamp, das der aus Lenggries stammende Florian Huber leitete, gingen die Teilnehmer der Geschichte hinter diesem Wrack im Walchensee auf den Grund.

Auf der Suche nach historischen Schätzen

Die Geheimnisse des Walchensees

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Der Walchensee birgt viele kulturelle Schätze. Der aus Lenggries stammende Unterwasserarchäologe Dr. Florian Huber kennt sich gut in den Untiefen aus - und bietet regelmäßig Tauchcamps für Interessierte an.

Jachenau – Expeditionen und Ausgrabungen führten ihn schon in über 100 Länder. Sehr gern geht der aus Lenggries stammende Unterwasserarchäologe Dr. Florian Huber den Dingen aber auch im heimischen Walchensee auf den Grund. Hier veranstaltete der 43-Jährige kürzlich ein Tauchcamp, für das zehn Interessierte aus Deutschland und sogar bis aus Kairo angereist waren. Huber ist davon überzeugt, dass es im Walchensee noch unzählige historische Schätze zu entdecken gibt.

Seit zehn Jahren bietet Huber für den Verband der deutschen Sporttaucher Workshops im archäologischen Tauchen an. Bisher schulte er die Interessierten meist an der Ost- oder Nordsee – der Isarwinkler lebt schon lange in Kiel –, seit dem vergangenen Jahr aber auch am Walchensee. Der bietet sich nicht nur wegen seiner landschaftlichen Reize für die Fortbildungen an, findet Huber. „Es ist auch sehr spannend, was sich dort unter Wasser verbirgt“, sagt er.

Einzelteile liegen über 200 bis 300 Meter verteilt auf dem Grund

Seine Kursteilnehmer ließ er zu einem kleinen Schiffswrack tauchen, das in 43 Metern Tiefe in der Niedernacher Bucht liegt. Außerdem untersuchten sie zu Übungszwecken die Reste eines britischen Lancaster-Bombers, der hier 1943, während des Zweiten Weltkriegs, abgeschossen wurde, versuchte, auf dem Waser notzulanden, aber letztlich zerschellte und versank. „Die Einzelteile liegen über 200 bis 300 Meter verstreut in acht bis 30 Metern Tiefe“, sagt der Unterwasserarchäologe. „Die Teilnehmer hatten die Aufgabe, die Trümmer zu finden und zu dokumentieren. Sie haben sie gezeichnet, fotografiert und GPS-erfasst. Sie sollten auch rekonstruieren, wie der Absturz vonstatten gegangen sein muss.“

Das ist es auch, was Florian Huber an seinem Beruf so fasziniert: sich die Geschichte zu erschließen, die hinter den Fundstücken steckt. 2013 gründete er mit Freunden und Kollegen die Firma Submaris, ein Dienstleistungsunternehmen im Bereich Forschungstauchen für Wissenschaft und Medien.

Auch bei den beiden bekannten Schiffswracks im Walchensee – beide aus dem 20. Jahrhundert – ist für Huber klar, „dass sie ein Stück Lokalgeschichte erzählen. Irgendetwas muss damals ja schief gegangen sein – sonst lägen die Boote heute schließlich nicht auf dem Seegrund.“

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Wasserfahrzeuge bis hin zu 2000 Jahre alten Einbäumen seien in allen bayerischen Seen zu finden, sagt der Experte. Der Walchensee sei aber besonders geheimnisvoll. Er ist bis zu 190 Meter tief – und verberge daher sicherlich noch sehr viel. Es sei sein „Fernziel“ und „Traum“, dort noch einen größeren Fund zu machen, sagt Huber. Selbst Profis könnten aber maximal bis 100 Meter tief tauchen, „mein Limit liegt bei 80 Metern – und das ist schon extrem aufwendig“.

Ein Beispiel dafür, dass der Walchensee wohl noch so manche Überraschung birgt, sei die Tatsache, dass ein Taucher hier „den ältesten Elch Bayerns“ gefunden habe – beziehungsweise ein Fragment von dessen Schädel, der es auf stolze 12 000 Jahre brachte.

Archäologisch interessant sind für Huber aber auch die hunderten von Pfählen vor der Halbinsel Zwergern, die bei niedrigem Seepegel sogar aus dem Wasser ragen. „Hier hat das Kloster Benediktbeuern vor 500 Jahren eine Fischzucht betrieben.“

Beim Tauchcamp ging es Huber vor allem darum, Sporttaucher für den richtigen Umgang mit den kulturellen Schätzen unter Wasser zu sensibilisieren: nichts mitnehmen, nichts kaputt machen und vor allem jeden Fund beim Denkmalamt melden. Auf die Teilnehmer wartet im Nachgang noch viel Arbeit: Sie müssen jetzt einen 30- bis 50-seitigen Bericht verfassen. Damit ist zumindest ein kleiner Teil der Geheimnisse des Walchensees wissenschaftlich ausgeleuchtet – was ihm aber nichts von seinem Zauber nimmt.

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