Vor einigen Jahren entstand in der Gemeinde Jachenau das neue Baugebiet Friedelweide (Archivfoto).
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Vor einigen Jahren entstand in der Gemeinde Jachenau das neue Baugebiet Friedelweide (Archivfoto).

Wohnraumverdichtung

Gemeinderat Jachenau diskutiert über neue Bauordnung: „Bei uns ist es halt ein bissl anders“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Innenraumverdichtung und die Jachenau: Das sind auf den ersten Blick zwei Begriffe, die nicht zusammenpassen. Das zeigte sich bei einer Debatte im Gemeinderat.

Jachenau – Innenraumverdichtung und die Jachenau: Das sind auf den ersten Blick zwei Begriffe, die nicht zusammenpassen. Entsprechend schwer tat sich der Jachenauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit der anstehenden Novelle der bayerischen Bauordnung.

Die, so referierte Rathaus-Geschäftsleiter Felix Kellner, soll am 1. Februar 2021 in Kraft treten. Die wichtigste Veränderung: Es sollen geringere Abstandsflächen zwischen Gebäuden erlaubt werden. Musste bislang eine Distanz gewahrt bleiben, die der Höhe einer vorhandenen Außenwand entspricht, so reicht künftig der Faktor 0,4 dieses Wertes. Drei Meter müssen es aber immer sein, wie Kellner auf Nachfrage von Gemeinderat Josef Danner ergänzte. Bei Gewerbe- und Industriebauten muss nur ein Abstand vom 0,2- statt bisher 0,25-Fachen der benachbarten Außenwand eingehalten werden. Nun hat aber jede Gemeinde die Möglichkeit, in einer Satzung festzulegen, dass vor Ort die alte Regel beibehalten wird – oder ein Wert zwischen dem alten und dem neuen maßgeblich ist. „Wenn, dann empfiehlt der Gemeindetag, diese Satzung zum 1. Februar 2021 in Kraft treten zu lassen“, sagte Kellner.

In der Jachenau gibt es fast nur Außenbereich

Entsprechend wird das Thema derzeit in vielen Gemeinderäten diskutiert. Für die Jachenau stufte Bürgermeister Klaus Rauchenberger das Thema zunächst als weniger relevant ein. „Bei uns wird das Ganze fast nirgendwo greifen“, sagte er. Bei der Novelle der bayerischen Bauordnung gehe es um Innenraumverdichtung. Beim Gemeindegebiet der Jachenau aber, so erklärte auch Kellner, handle es sich entweder um Außenbereich – oder die Regeln für das jeweilige Baugebiet seien von der Gemeinde in einem Bebauungsplan festgelegt.

Baulücken, in denen sich laut Bauordnung ein Baurecht gemäß der umgebenden Bebauung ableiten lasse, „haben wir nicht viel“, so Kellner. Allenfalls in Dorf oder Höfen könne dies vereinzelt zutreffen, sagte Rauchenberger. Insofern „können wir da bedenkenlos zustimmen“, meinte er.

Innenraumverdichtung passt nicht zur Struktur der Jachenau

Unter den Gemeinderäten kamen aber sehr wohl Bedenken auf. „Wollen wir eine Innenraumverdichtung?“, fragte Josef Orterer. „Die Struktur der Jachenau ist anders gewachsen.“ Auch Jost Gudelius fand den 0,4-Abstand „brutal knapp“. „Wenn man das voll ausreizt, dann passt das nicht zu uns“, argumentierte er. Freilich lebe man in puncto Abstände in der Jachenau im Luxus, und allgemein werde sich das Baubild zwangsläufig verändern. „Aber wollen wir es so stark verändern?“

Andererseits sah Gudelius auch, dass geringere Mindestabstände auch in der Jachenau an einigen Stellen Chancen eröffnen könnten: etwa zu Anbauten – „das ist oft sinnvoller, als etwas Neues zu bauen“ – oder zur Bebauung kleinerer Grundstücke.

„Wir können nicht mehr endlos große Grundstücke verkaufen“

Rauchenberger zeigte sich prinzipiell offen für geringere Abstände. Wenn die Gemeinde das nächste Mal ein Baugebiet erschließe und dafür einen Bebauungsplan aufstelle, „dann werden wir diesen Weg gehen müssen. Wir können nicht mehr endlos große Grundstücke verkaufen.“ Denn: „Der Grund wird knapper und rarer.“ Auch in einigen Nachbargemeinden sehe man schon, „wie die nachverdichten“. Dies diene dem Zweck, dass möglichst viele Bauwerber zum Zug kommen – und es sei auch eine Preisfrage für den einzelnen Bauplatz.

Georg Riesch jun. hatte Bedenken, ob es haltbar sei, wenn im ganzen Isarwinkel die Abstandsregeln der Bauordnung gelten, nur in der Jachenau nicht. Darauf Gudelius: „Bei uns ist es halt ein bissl anders.“

Eugenie Grünwald erklärte schließlich, dass sie die Frage „nicht innerhalb von zehn Minuten entscheiden“ wolle. „Es hat ja Auswirkungen auf die Zukunft.“ Daher verschob der Gemeinderat die weiteren Beratungen – voraussichtlich auf die nächste Bauausschuss-Sitzung.

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