Die idyllische Jachenau ist nicht umsonst bei Zweitwohnungsinhabern beliebt.
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Die idyllische Jachenau ist nicht umsonst bei Zweitwohnungsinhabern beliebt. (Archivfoto)

Beschluss im Gemeinderat

Überproportional viele Zweitwohnungen in der Jachenau: Inhaber müssen jetzt Steuern zahlen

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Der Gemeinderat Jachenau hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig die Einführung einer Zweitwohnungssteuer beschlossen. Das betrifft überraschend viele Objekte.

Jachenau - Gemessen an der Einwohnerzahl gibt es in der Jachenau relativ viele Zweitwohnsitze. Rund 840 Bewohner waren dort laut Landratsamt zum 31. Dezember 2020 gemeldet. Eine Bestandsaufnahme durch das Rathaus ergab nun nach Auskunft von Bürgermeister Klaus Rauchenberger, dass es sich bei rund 50 Wohnobjekten um Zweitwohnsitze handelt.

Inhaber von Zweitwohnungen zahlen in Jachenau bisher nur Kurbeitrags-Pauschale

Deren Inhaber werden bislang nur äußerst moderat zur Kasse gebeten. Sie bezahlen eine jährliche Kurbeitragspauschale – gestaffelt, je nachdem, wie viel sie sich tatsächlich in der Jachenau aufhalten. Allein das zu ermitteln, bedeutet aber laut Rauchenberger schon einen beträchtlichen Verwaltungsaufwand. Jeder Zweitwohnungsinhaber sei angeschrieben und um die Auskunft gebeten worden, wie viele Tage er in der Jachenau verbrachte. Habe einer lediglich acht Tage angegeben, sei das aber schwer nachprüfbar gewesen, so der Bürgermeister. Der Höchstsatz der Pauschale habe 75 Euro betragen. „Dafür darf man dann aber umsonst parken, die Loipe benutzen und mit dem RVO fahren.“ Es gebe Fälle, in denen jemand die Beitragspauschale auf diese Weise schon nach zwei Tagen wieder herausgeholt habe.

Hoffnung: Vielleicht lindert Zweitwohnungssteuer die Wohnungsnot

Ein Gerechtigkeitsproblem sieht er auch darin, dass die Zweitwohnungsinhaber die Infrastruktur der Gemeinde „zum Nulltarif“ nutzen würden. Der Winterdienst, der Wertstoffhof, die Pflege der Wanderwege: All das komme den Bewohnern der Zweitdomizile ebenso zugute wie allen anderen. Der Gemeinde aber entstünden Kosten. Doch anders als bei den Bürgern mit Hauptwohnsitz werde die Kommune bei ihnen nicht an der Einkommensteuer beteiligt.

Ein weiterer erwünschter Effekt der Zweitwohnungssteuer könnte aus Sicht des Bürgermeisters sein, dass eventuell die eine oder andere wenig genutzte Zweitwohnung in eine dauerhafte Wohnung umgewandelt werden könnte – was in Zeiten des Wohnraummangels sinnvoll wäre.

Bei der Höhe der Zweitwohnungssteuer geht die Jachenau nicht gleich in die Vollen

Bei der Höhe des Steuersatzes „wollen wir bei der Einführung nicht gleich in die Vollen gehen“, sagt Rauchenberger. Fällig werde jährlich eine Monats-Kaltmiete – also ein Zwölftel oder 8,33 Prozent der Jahres-Kaltmiete. „Der Gemeindetag empfiehlt sogar 20 Prozent“, so der Bürgermeister. Zur Ermittlung der Summe müssten Zweitwohnungsinhaber gegebenenfalls einen Mietvertrag vorlegen. Bei Wohneigentum orientiere man sich am Sozialwohnungspreis.

Wie viel Geld die Zweitwohnungssteuer in die Gemeindekasse spülen wird, das lässt sich laut Rauchenberger schwer im Voraus berechnen. Grob kalkuliert er mit rund 20.000 Euro pro Jahr.

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