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Der Gasthof Jachenau – im Bild Senior-Chefin Elisabeth Schwaab – darf seit Oktober den Saal im ersten Stock nicht mehr betreiben.

Im Saal gehen die Lichter aus

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Die Jachenau ist seit Kurzem um einen der wenigen größeren Veranstaltungsräume ärmer: Der Saal im Gasthof Jachenau ist seit Oktober geschlossen – aus Brandschutzgründen, wie Wirt Markus Schwaab erklärt. Nach seinen aktuellen Planungen ist eine Wiedereröffnung bis auf Weiteres nicht in Sicht. Was Schwaab vor allem bedauert: „Es ist ein Traditionsverlust, ein Stück Kultur bricht weg.“

Jachenau – Die Mitglieder des Veteranenvereins waren Ende Oktober 2016 die letzten Nutzer des Saals – seitdem ist Schluss. Ins Visier der Aufsichtsbehörde war der Gasthof schon ein gutes Jahr zuvor geraten. Seit dem Brand eines als Beherbergungsbetrieb genutzten Bauernhofs in Schneizlreuth (Landkreis Berchtesgadener Land) im Mai 2015 wird bekanntlich ein strengeres Augenmerk auf die Einhaltung von Brandschutzvorschriften gelegt. Laut Schwaab galt für die Nutzung des Saals im Gasthof Jachenau die Konzession aus dem Jahr 1999, als alles noch den damaligen Vorschriften genügte.

Der Saal fasse laut Belegungsplan 150 Personen und gelte damit nicht offiziell als Versammlungsstätte. Das änderte nichts daran, dass das Landratsamt nach einer Ortsbesichtigung im November 2015 mitteilte, dass der Saal nicht genutzt werden dürfe, solange er nicht an die aktuell geltenden Brandschutzregeln angepasst werde.

„Allerdings standen wir zu dem Zeitpunkt gegenüber Vereinen und Hochzeitsgesellschaften, die den Saal schon fest gebucht hatten, in der Pflicht“, sagt Schwaab. Die Gemeinde und besonders Bürgermeister Georg Riesch sowie engagierte Handwerker hätten tatkräftig mitgeholfen, eine Übergangslösung zu ermöglichen, der auch das Landratsamt zustimmen konnte. So sei ein Fenster zu einem Fluchtweg mit zusätzlicher Fluchttreppe umgebaut worden. Dauerhaft reichen die provisorischen Maßnahmen aber nicht aus, um den Brandschutz einzuhalten.

Rein von der Zahl der Veranstaltungen her hatte der Saal zuletzt keine ganz große Rolle gespielt. Im Jahreslauf füllte er sich vor allem zu Fronleichnam, wenn die Vereine nach der Prozession dort zur Antlaßfeier einkehrten. Unter anderem Trachtenverein, Schützenkompanie und Veteranen nutzten traditionell den Saal, der zudem Schauplatz des Gebirgsschützenjahrtags war. Dankbar ist Schwaab, dass die Mehrzahl der Vereine ankündigte, ihm trotzdem die Treue zu halten. Sie wollen laut dem Wirt einmal ausprobieren, ihre Veranstaltungen in den Gasträumen im Erdgeschoß abzuhalten.

Auch für Hochzeiten wurde der Saal genutzt – allerdings nur begrenzt, wie Schwaab einräumt. Denn für die traditionell großen Jachenauer Feiern sei er eigentlich zu klein, von den einheimischen Gesellschaften sei in der Regel nur ein Teil zum Weintrinken im Rahmen des „Brautverziehens“ im Saal eingekehrt. Und wenn Auswärtige in der Jachenau groß Hochzeit feiern wollten, hätten sie das Problem, dass sie vor Ort nicht genug Zimmer zum Übernachten fänden. „Zum Glück tut sich in dieser Beziehung etwas, in der ,Post‘“, stellt Schwaab erfreut fest. Gesellschaften mit 40 bis 50 Gästen fänden im Gasthof Jachenau auch im Georgistüberl Platz.

Allzu praktisch zu bewirten war der Saal im ersten Stock laut Schwaab auch nicht. „Wir brauchten dafür zusätzliches Personal – und zwar mit guter Kondition und kräftigen Beinen, denn es gibt keinen Lift.“ Trotzdem: Er und seine Familie hätten den Saal gerne weiterbetrieben – eben weil er ein Stück Tradition, Charakter und Ursprünglichkeit bedeute und damit auch wirtschaftlich seine Bedeutung für den Gasthof habe. Messbar sind solche ideellen Faktoren freilich nur schwer.

Fürs Erste will Schwaab beobachten, wie der Betrieb ohne Saal funktioniert, bevor er abwägt, ob eine aufwendige Brandschutzsanierung wirtschaftlich wäre. Vorerst stehen Planungen für den Rest des Gasthofs im Vordergrund.

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