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Die Pläne für ein Pumpspeicherkraftwerk am Jochberg wurden vor fünf Jahren ad acta gelegt. 

Interview mit Friedl Krönauer vom Bund Naturschutz

Einsatz gegen Jochberg-Kraftwerk: „Nichts zu bereuen“

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Sind es manchmal ausgerechnet Naturschützer, die dem Klimaschutz im Weg stehen?

Bad Tölz-Wolfratshausen– In diese Richtung äußerte sich jüngst bei einer Podiumsdiskussion mit Tölzer „Fridays for Future“-Aktivisten der Tölzer Bürgermeister Josef Janker. Er erinnerte unter anderem an die Widerstände gegen das einst geplante Pumpspeicherkraftwerk am Jochberg. In diesen und anderen Fällen würden Bürger nach den St.-Florians-Prinzip verfahren: Klimaschutz ja, aber bitte nicht vor der eigenen Haustür. Direkt angesprochen war damit Friedl Krönauer aus Schlehdorf. Der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz stand damals dem Aktionsbündnis „Noch-Berg – Der Jochberg bleibt!“ vor – und das bedauert er auch im nachhinein nicht, wie er auf Rückfrage des Tölzer Kurier erklärt.

Herr Krönauer, wenn Sie zurückschauen: Ist am Jochberg vor einigen Jahren mit dem geplanten Pumpspeicherkraftwerk ein wichtiges Klimaschutzprojekt verhindert worden?

Nein. Wir haben uns damals in einem langen Prozess damit auseinandergesetzt, das Projekt von allen Seiten betrachtet und nicht nur mit Leuten gesprochen, die dagegen waren. Prof. Markus Aufleger von der Universität Innsbruck, der schon an etlichen Pumpspeicherwerken mitgeplant hatte, war ein Wasserbau-Experte, der sagte: Am Jochberg ergibt das keinen Sinn. Das war zum einen ein dilettantisch vorbereitetes und nicht zu Ende gedachtes Projekt, zum anderen besteht bereits eine ausreichende Kapazität am Pumpspeichern in Tirol. Was meinen Einsatz angeht, habe ich nichts zu bereuen.

Friedl Krönauer.

Aber ist es nicht wirklich so, dass es meist Widerstände gibt, sobald ein Projekt konkret wird und oft sogar der Naturschutz dem Klimaschutz im Weg steht?

Am Jochberg hatten wir handfeste Argumente. Oft ist es aber auch so, dass Menschen nur aus einer Gefühligkeit heraus gegen ein bestimmtes Projekt sind. So etwas lehne ich ab. Ein Windrad kann zum Beispiel einen sinnvollen Beitrag leisten – dafür sollte man einen Eingriff in die Natur bis zu einem gewissen Maß hinnehmen, solange dadurch nicht wieder Arten in ihrem Bestand gefährdet werden. Ich kann aber auch nicht sagen: Ich nehme gar keine Rücksicht mehr auf den Artenschutz, denn dann zerstöre ich ja, was ich eigentlich schützen will. Das wäre widersinnig. Und jeder Bau einer Anlage zur Energiegewinnung ist nun einmal eine Umgestaltung der Landschaft. Wenn man sagt: „Wir können so weiterleben wie bisher, nur dass wir die Energie jetzt aus regenerativen Energien gewinnen, die 10 H-Regelung aufheben und alles mit Windrädern zupflastern“, dann macht man den Menschen etwas vor. Wir müssen generell vom Ressourcenverbrauch runter.

Dennoch: Müssen sich nicht auch Naturschützer mehr hinterfragen?

Natürlich muss man auch als Naturschützer seine Positionen in Frage stellen. In unmittelbarer Nachbarschaft geht es mir mit dem Schachtkraftwerk in Großweil so. Da fiel die Stellungnahme des Bund Naturschutz negativ aus, aber ich weiß auch von vielen Naturschützern, die es befürworten. Es trägt ja dazu bei, dass sich der Ort selbst mit Strom versorgt, das kann man nicht einfach vom Tisch fegen. Der Eingriff ist aus meiner Sicht hinnehmbar. Da muss man schon mal Kompromisse eingehen und darf nicht dogmatisch sein. Wobei allgemein bei uns das Potenzial der Wasserkraft ziemlich ausgeschöpft ist. Die letzten kleinen Gewässer mit Kraftwerken zuzupflastern, ist auch keine Lösung.

Fühlt man sich als Naturschützer manchmal zerrissen, wenn man zwischen zwei Übeln abwägen muss?

Ja, zum Beispiel geht es mir so bei bei den HGÜ-Leistungen (Hochgeschwindigkeits-Gleitstrom-Übertragung, Anm. de. Red.). Auf der einen Seite verstehe ich die Leute, die sich vor Ort dagegen wehren, auf der anderen Seite sage ich: Das muss jetzt sein, da muss man gewisse Dinge auch tolerieren. Ich bin da noch zu keinem abschließenden Urteil gekommen. Und ich weiß natürlich auch, dass ich mit meinem Konsum selbst dazu beitrage, dass einiges in die falsche Richtung läuft. Ich nehme mich da nicht aus.

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