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Ein Unfall auf dem Steg über die Große Laine hat nun ein Nachspiel für die Gemeinde Jachenau. 

Bürgermeister ist sauer

Streit um Reitunfall auf Fußgängerbrücke: Jachenauer Bürgermeister will nicht vor Gericht

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Der Fall erregte großes Aufsehen. Nachdem sie mit ihren Pferden auf einer Fußgängerbrücke über die Große Laine eingebrochen waren, verlangten Reiterinnen eine Entschädigung von der Gemeinde Jachenau. Mittlerweile hat der Bürgermeister mit der Sache abgeschlossen. 

+++ Update 17. April +++

Seinem Ärger über die Schadenersatzforderung zweier Reiterinnen machte Bürgermeister Georg Riesch jüngst noch einmal in der Bürgerversammlung Luft. Wie berichtet hatten die beiden Frauen vergangenen September auf einer längeren Wanderreittour eine Brücke über die Große Laine überquert. Nacheinander brachen die Tiere durch eine Holzbohle. Später forderten sie die Gemeinde auf, die Tierarztkosten zu übernehmen. „Sogar Halfter und Sattel – alles wurde in Rechnung gestellt“, so Riesch.

Bürgermeister über die Reiterinnen: „Sie haben das Leben der Pferde in Gefahr gebracht“ 

Der Bürgermeister hat nach wie vor keinerlei Verständnis für das Verhalten der Reiterinnen. „Sie haben das Leben der Pferde in Gefahr gebracht – aber selbst ist man sich dann keiner Schuld bewusst“, schimpfte er. Auf einen Rechtsstreit habe sich die Gemeinde schlussendlich aber nicht einlassen wollen – zu teuer und aufwendig. Die Versicherung der Gemeinde habe die Summe mittlerweile beglichen.

Der ursprüngliche Bericht vom Oktober 2018:

Jachenau – Der Unfall endete glimpflich – zwei Wochen später jedoch folgte ein böses Erwachen für die Gemeinde. Nachdem Anfang September auf einer Brücke über die Große Laine zwei Pferde durch eine Holzbohle gebrochen waren, trudelte im Rathaus die Rechnung über die Tierarztkosten ein. Es geht zwar nur um einen Betrag im dreistelligen Bereich. Der Bürgermeister aber ist aufgebracht: „Gibt es gar keine Eigenverantwortung mehr?“, schimpfte er im Gemeinderat.

Bürgermeister: „Wenn für alles ein Schuldiger gesucht wird“

Zuvor hatte Riesch das Geschehen noch einmal geschildert: Zwei junge Frauen aus dem Münchner Umland waren demzufolge mit ihren Haflingern auf einer längeren Wanderreittour. Als sie eine Brücke über die Große Laine überquerten, brach eines der Pferde durch eine Holzbohle. Die junge Frau, die mit ihrem Tier schon das andere Ufer erreicht hatte, entfernte sich einige Meter, um Handyempfang zu bekommen und einen Notruf abzusetzen. Währenddessen rutschte das festhängende Pferd von der Brücke und rettete sich weitgehend unverletzt zurück an Land. Nun lief aber das andere Pferd, das allein am anderen Ufer stand, zurück über die Brücke – und brach ebenfalls ein. „Die Bergwacht hat sich bereit gemacht, das Roß herauszuziehen“, sagte Riesch. Während man auf einen Tierarzt wartete, der dem Haflinger vorher eine Beruhigungsspritze geben sollte, fiel das Pferd ebenfalls in die Große Laine und erreichte aus eigener Kraft das Ufer. Es war laut Riesch mit Abschürfungen und einem Cut davongekommen und hatte sich die Lippe durchgebissen.

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Dass nun die Gemeinde zur Kasse gebeten wird, ärgert Riesch. „Was kommt als nächstes, wenn für alles ein Schuldiger gesucht wird?“, fragte er. Es handele sich bei der betroffenen Brücke eindeutig um einen Fußgängersteg, der für das Gewicht von 400 Kilo, das ein Haflinger erreichen könne, nicht ausgelegt sei. Riesch, der auf Spazier- und Wanderrunden selbst oft über die Brücke geht, versichert, dass der Zustand für Fußgänger unbedenklich gewesen sei. 

Fußgängerbrücke mit Pferden zu überqueren, sei „grob fahrlässig“

Sie aber mit Pferden zu überqueren, bezeichnete er als „grob fahrlässig“. Reiten sei nur auf „geeigneten Wegen“ erlaubt. Riesch gab zu bedenken, dass die Tierrettung für die Kräfte von Bergwacht und Feuerwehr durchaus riskant hätte werden können. An jeder Brücke ein Schild aufzustellen, das das Überqueren mit Pferden verbietet, sei auch keine Lösung. „Dann kommt der nächste mit einem Alpaka daher.“

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Auch wenn es sich um einen Versicherungsfall handle, sagte Riesch: „Wo sind die Grenzen? Was kann noch auf uns zukommen?“ Auch im Hinblick auf Wandersteige und Mountainbiker schwant ihm da Übles. Immerhin: Private Grundbesitzer müssten keine Befürchtungen haben, weil auch sie über die Gemeindeversicherung geschützt seien.

Eine 18-jährige Frau wurde hingegen beim Reiten ihres Pferdes in Rotenburg bei Bremen von einem Klein-Lkw berührt und verletzt, wie nordbuzz.de berichtet*. Ein Pferd ist bei Haimhausen von einer Brücke gestürzt und verletzte sich - es konnte sich nicht mehr befreien. Es musste mit einem Kran gerettet werden. Eine halbe Million Euro hat der Wallach „Donero 2“ einst seinen neuen Besitzer gekostet. Doch anstatt Turniere zu gewinnen, ist das Pferd ein Fall für das Gericht.

*nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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