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Seit Samstagabend ist die Staatsstraße in die Jachenau gesperrt. Bäume blockieren die Fahrbahn. 

Hauptzufahrtsstraße weiter von Bäumen blockiert:  Katastrophenfall nicht ausgeschlossen

Jachenau im Ausnahmezustand

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Aufgrund der starken Schneefälle ist die Jachenau weiter von der Außenwelt abgeschnitten. Zahlreiche Bäume sind auf die Straßen gefallen. Der Bevölkerung geht es gut - aber die Situation ist nicht für alle einfach.

Jachenau – Wirtin Petra Schwaab vom Gasthof Jachenau hört den Winter eher, als dass sie ihn sieht. Naja, nicht ganz. „Draußen, da ist halt alles nur weiß“, sagt die 50-Jährige. „Nur eine Farbe.“ Aber aus den Wäldern rund um den Ort hört Schwaab immer wieder ein Knacken und Knarzen, Geräusche von abbrechenden Ästen und von umfallenden Bäumen, die die Last nicht mehr tragen können. „Das ist sehr gefährlich, da würde ich zurzeit nicht reingehen.“

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Das Staatliche Bauamt Weilheim sieht das ähnlich und wagte auch am Montag nicht, die Staatsstraße 2072 von den umgeknickten Bäumen zu befreien. Die Jachenau bleibt damit vorerst fast komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Der zuständige Straßenmeister entscheidet am Dienstagmorgen, wie es weitergeht. Wenn der angekündigte starke Wind nicht zu heftig wird, sollen die Aufräumarbeiten beginnen, die Straße könnte ab Mittwoch wieder frei sein.

Für Notfälle hält die Gemeinde die Süduferstraße am Walchensee von Niedernach nach Einsiedl frei. Zu diesem Zweck patrouilliert die Feuerwehr regelmäßig und räumt immer wieder Holz aus dem Weg. „Wenn man nicht unbedingt muss, würde ich aber niemandem empfehlen, dort zu fahren“, sagt Bürgermeister Georg Riesch. „Das ist brutal gefährlich.“

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In Begleitung eines Schneepflugs sind hier am Montag zwei Dialyse-Patienten zur Behandlung nach Bad Tölz gefahren worden. Auch die Milch, die die Landwirte nur zwei Tage lagern können, hat die Jachenau gestern auf diesem Weg verlassen. Gäste, die ihren Urlaub nicht weiter verlängern können oder wollen, dürfen zur Not ebenfalls die Süduferstraße benutzen.

Um den Ausnahmezustand möglichst bald zu beenden, suchte Riesch mit dem Staatlichen Bauamt am Montag nach einem Unternehmer, der bereit ist, mit schwerem Gerät die Hauptzufahrtsstraße von den umgeknickten Bäumen freizuräumen. „Leute da reinzuschicken, das wäre einfach zu gefährlich.“

Der Rathauschef kann sich nicht erinnern, dass sein Dorf schon einmal so lange von der Außenwelt abgeschnitten war. Die Dorfbewohner bleiben trotzdem gelassen, sagt Riesch. „Momentan finde ich es nicht so schlimm“, meint beispielsweise Rosmarie Fischer von der Gemeindeverwaltung. Als am Sonntag für etliche Stunden der Strom ausgefallen war, sei das anders gewesen.

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Inzwischen ist auch klar, was der Grund für den Stromausfall zwischen 6 und 12.30 Uhr war. Laut Riesch waren Bäume zwischen Langeneck und Leger in eine Hochspannungsleitung gefallen. Sie konnten entfernt werden, die Jachenau hängt wieder am Netz. „Hoffentlich bleibt das so“, sagt Riesch. Solange die Telefone funktionieren, die Häuser warm und die medizinische Notfallversorgung gesichert sei, gebe es keinen Grund zur Panik.

Sollte die Staatsstraße nicht bald wieder befahrbar sein, muss aus Sicht des Bürgermeisters aber wahrscheinlich wie im Nachbarlandkreis Miesbach der Katastrophenfall ausgerufen werden. Landrat Josef Niedermaier schließt diese Option nicht aus – auch mit Blick auf die steigende Anzahl an Straßensperren (siehe unten) und die vorhergesagten neuen Schneefälle. „Wir haben ein Auge auf die Situation“, verspricht Niedermaier.

Von einer Notlage sind die Jachenauer glücklicherweise weit entfernt. Der Dorfladen sei noch gut sortiert, die Kühlschränke noch lange nicht leer, sagt Fischer. „Wir werden nicht verhungern.“ Zudem helfe man sich im Dorf gegenseitig aus. Die Gäste von Wirtin Petra Schwaab genießen sogar die Ruhe, die nun herrscht. Keine Motoren, nichts. Nur hin und wieder ein Knacken aus dem Wald.

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