Der Radweg durchs Jachental wird rege genutzt. Doch beim Bau des nächsten Teilstücks hakt es – ausgerechnet am Naturschutz.
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Der Radweg durchs Jachental wird rege genutzt. Doch beim Bau des nächsten Teilstücks hakt es – ausgerechnet am Naturschutz.

Diskussion um FFH-Flächen

Gemeinde will für Radweg Jachen verlegen - Bürgermeister ärgert sich über Nein aus Behörde

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Für den Radweg durchs Jachental möchte die Gemeinde das Bachbett verlegen. Doch der Naturschutz schiebt den Plänen einen Riegel vor. Bürgermeister Klaus Rauchenberger ist stinksauer.

  • Das erste, fertig gestellte Teilstück des Radwegs Lenggries-Jachenau erfreut sich großer Beliebtheit.
  • Die Gemeinde Jachenau möchte als nächstes einen Abschnitt bauen, der das neue Baugebiet Friedelweide mit Schule und Kindergarten verbindet.
  • Doch bei diesen Planungen sieht sich die Gemeinde nach fünf Jahren wieder bei Null - weil die Naturschutzbehörde wegen eines FFH-Gebiets ihr Veto einlegt.

Jachenau – Dem Jachenauer Bürgermeister Klaus Rauchenberger stehen nach eigener Aussage „die Haare zu Berge“. Denn als er jüngst im Gemeinderat vom Sachstand in Sachen Radwegebau berichtete, musste er festhalten: „Nach fünf Jahren Planung stehen wir wieder bei Null.“

Seine Aussage bezieht sich auf das geplante Radweg-Teilstück zwischen dem Ortsteil Niggeln und der Schule in Wieden. Wie berichtet ist von der lange ersehnten Verbindung Lenggries-Jachenau das erste, vier Kilometer lange Teilstück zwischen Rehgraben und Jachenau-Raut fertig gestellt. Der einige Kilometer weiter westlich gelegene Abschnitt Niggeln-Schule hat aus Sicht der Gemeinde Jachenau auch deswegen Priorität, weil er Kindern, insbesondere aus dem Neubaugebiet Friedelweide, einen sicheren Weg zu Schule, Kindergarten und Sportplatz ermöglichen würde, wie Rauchenberger im Gespräch mit dem Tölzer Kurier erläutert.

Für nächstes Teilstück des Radwegs hat Gemeinde Jachenau schon etliche Varianten geprüft

Doch die Planungen – für sie ist die Gemeinde zuständig – gestalten sich alles andere als einfach. Vier Varianten habe man schon geprüft und aus verschiedenen Gründen verworfen, wie der Bürgermeister zusammenfasst. Die erste wäre über Privatgrund verlaufen und sie sei ebenso wie die zweite, für die man zwei Brücken über die Jachen hätte bauen müssen, an Grundstücksverhandlungen gescheitert. Als dritte Variante hatte die Gemeinde eine Auskragung über der Jachen ins Auge gefasst. „Aber das ist dem Ministerium zu teuer“, sagt Rauchenberger. Wie berichtet, trägt der Freistaat die Baukosten des Radwegs. „Und unser Favorit war das auch nicht, das wäre nicht schön gewesen“, ergänzt der Rathauschef.

Nach langem Hin und Her wähnte sich die Gemeinde mit einer neuen Idee am Ziel: auf einem kurzen Teilstück das Bachbett der Jachen rund zehn bis 15 Meter nach Süden zu verlegen, um zwischen Staatsstraße 2072 und dem Flüsschen den Radweg bauen zu können. „Dafür hätten wir auch die Grundstücke bekommen“, so Rauchenberger. Laut seiner Aussage habe das Wasserwirtschaftsamt diese Planungsvariante begrüßt, weil die Jachen so nicht von beiden Seiten durch Staatsstraße und Radweg eingeengt würde.

Bei Radwegplanung sieht sich Gemeinde Jachenau wieder bei Null

Es seien dann allerdings die Vertreter der Naturschutzbehörden gewesen, die den Hoffnungen bei einem kürzlichen Gesprächstermin einen großen Dämpfer verpassten: nämlich mit dem Hinweis, dass die vorgesehene Radwegtrasse auf einem acht bis zehn Meter breiten Stück durch Auwald führe – „höchste FFH-Stufe“, wie Rauchenberger feststellt.

Der Bürgermeister ist sauer: Denn der Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde habe ihm erklärt, dass die Gemeinde, wenn sie die Pläne weiterverfolge, erst eine FFH-Verträglichkeitsprüfung mitsamt Bestandsaufnahme der vorkommenden Arten sowie eine Alternativenprüfung benötige.

Just für die FFH-Untersuchung habe die Gemeinde aber bereits „viel Geld ausgegeben“, sagt der Bürgermeister. Doch die Gültigkeit des Gutachtens sei in diesem August nach fünf Jahren ausgelaufen. Darüber ärgert sich Rauchenberger. „Erst haben wir seit März wegen Corona keinen Gesprächstermin bekommen, jetzt soll eine Frist verstrichen sein.“ Er verweist außerdem auf die aktuelle Bestandsaufnahme der geschützten Arten im Rahmen des FFH-Managementplans. Die sei in der Jachenau „zum größten Teil abgeschlossen“.

Bürgermeister aus Jachenau sauer: „Regierung hat uns betrogen“

Wenig erfreut ist Rauchenberger auch über einen Vorschlag, den ihm der Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde in dem Gespräch unterbreitet habe: nämlich eine alternative Radweg-Trasse „weitab von der Straße“. „Aber das wäre zum einen ein endloser Umweg für die Radfahrer, zum anderen würde die Strecke durch eine Hofstelle führen. Den Privatgrund kriegen wir aber nicht.“ Der ins Gespräch gebrachte Weg der Enteignung widerstrebt Rauchenberger stark. „Und außerdem brauchen wir einen reinen Geh- und Radweg, der nicht gleichzeitig land- und forstwirtschaftlich genutzt wird und über den keine Rinder und Kühe laufen.“

Der 50-Jährige macht aus seinem Frust keinen Hehl. „Die Staatsregierung hat uns beim Thema FFH belogen. Es hieß damals, wir müssten nur die Flächen melden und es gäbe keine Einschränkungen.“ Genau das sei aber jetzt beim Radwegbau der Fall. Dabei sei das ein Projekt, das doch seinerseits der Umwelt zugute komme. „Je mehr Menschen mit dem Radl fahren, desto weniger CO2-Ausstoß gibt es.“ Schon jetzt zeige sich, dass das erste Teilstück „hervorragend“ angenommen werde. „Aber FFH steht scheinbar über allem.“

Parallel gab es laut Rauchenberger erste Vorgespräche zu den Grundstücken, die für das mittlere Stück zwischen Niggeln und Tannern benötigt würden. „Das verläuft bisher sehr positiv, es gibt keinen, der grundsätzlich dagegen ist.“ Freilich seien noch einige Details abzuklären. „Bloß ist es für die Gespräche nicht sehr förderlich, wenn man an anderer Stelle sieht, dass nichts vorwärts geht.“

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