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Der Walchensee ist ein Juwel - und soll es auch bleiben.

Verkehr ist nur ein Problem

„Over-Tourism“: Walchensee-Gebiet überlastet wie Venedig - Neues Format soll Lösungen bringen

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60 Teilnehmer berieten am Freitag drei Stunden lang über die Zukunft des oft überlasteten Walchenseegebiets. Das Juwel soll erhalten bleiben.

Jachenau – Es war ein bisschen wie bei einer Hochzeitsfeier: Da müssen die Gäste auch schauen, welchen Sitzplatz ihnen die Tischkärtchen zuweisen. Manchmal ist man überrascht, neben wem man da zu sitzen kommt – und hat im besten Fall dann doch einen unerwartet netten Abend mit seinem zugeteilten Tischnachbarn.

Hochzufrieden mit dem Verlauf des Walchensee-Workshops zeigten sich am Freitag (v. li.) die Bürgermeister Georg Riesch (Jachenau) und Thomas Holz (Kochel am See) sowie Rudolf Plochmann von den Staatsforsten und Tourismus-Berater Chri stian Oberleiter.  

Auf vergleichbare Art wurden am Freitag beim „Walchensee-Workshop“ im Jachenauer „Schützenhaus“ die 60 Teilnehmer an acht Tischen zu Arbeitsgruppen zusammengewürfelt. Die Strategie, die Organisator Christian Oberleiter erdacht hatte, ging offenbar auf. Thomas Holz (Bürgermeister Kochel am See), Georg Riesch (Bürgermeister Jachenau), Rudolf Plochmann (Leiter des Forstbetriebs Bad Tölz der Bayerischen Staatsforsten) und Marlis Peischer (Sprecherin Landratsamt) schwärmten im anschließenden Pressegespräch vom Elan, die von der Veranstaltung ausgegangen sei.

Hintergrund: Der Walchensee ächzt insbesondere an heißen Sommertagen unter dem Besucheransturm. Oberleiter nannte das Phänomen in der Fachsprache „Over-Tourism“ – also eine touristische Überlastung, mit der auch Hallstatt in Oberösterreich, Venedig und Barcelona zu kämpfen hätten.

Ob laut oder leise: „Jede Stimme zählt gleich“

Seit Jahren wird diskutiert, wie sich die Situation am Walchensee verbessern ließe. Nun haben die beiden betroffenen Gemeinden, das Landratsamt und der Freistaat als Eigentümer des Sees und des Südufers die beiden Berater Christian Oberleiter und Robert Trasser mit einem Prozess beauftragt, zu dem der Workshop am Freitag den Auftakt bildete.

Das Besondere: Anders als bei früheren Konferenzen und Expertenrunden waren dieses Mal nicht nur Behördenvertreter von Kommunen, Polizei oder Staatlichem Bauamt beteiligt, sondern auch Repräsentanten der Bürgerschaft: von Anwohnern über Tourismusanbieter bis hin zu Surfern und Wasserwachtlern.

„Zu Beginn hat jeder ein farbiges Karterl in die Hand gedrückt bekommen“, berichtete Holz. Auf diese Weise seien die acht Arbeitsgruppen „ohne System wild gemixt“ worden.

Unter dem Motto „Wo drückt der Schuh?“ sei es darum gegangen, Probleme zu benennen, zu priorisieren und Indikatoren zu erstellen, an denen sich der Status quo sowie künftige Verbesserungen objektiv messen lassen. Über Lösungsansätze sei bewusst noch nicht gesprochen worden. Durch diese Offenheit und das Prinzip „Jede Stimme zählt gleich“ seien „Befindlichkeiten einzelner Gruppen ausgeschaltet“ worden, so Christian Oberleiter.

Die Teilnehmer arbeiteten zwölf Problemfelder heraus

Ihm zufolge kristallisierten sich zwölf Problemfelder heraus. „Da befeuert natürlich eins das andere.“ Als die vier drängendsten Themen benannte die Runde nicht ganz überraschend Verkehr, das „Freizeitverhalten“ (worunter auch der Umgang untereinander falle), den Bereich „Rettungs- und Fluchtwege, Sicherheit“ sowie die Parkplatzsituation. Außerdem wurden unter anderem die Themen wildes Campieren und Sanitäranlagen genannt.

Drei Stunden wurde im „Schützenhaus“ getagt. „Es war begeisternd, wie alle mitgearbeitet haben“, sagte Thomas Holz. Sein Jachenauer Amtskollege Riesch lobte die „hohe Konzentration“. Rudolf Plochmann setzt darauf, dass das gewählte Format „ein Meinungsbild auf breitem Fundament“ hervorbringt. „Wenn man nur Einzelstimmen hört, dann hängt sonst viel von der Lautstärke des Einzelnen ab.“ Das sei hier anders: „Deswegen erhoffe ich mir vom Ergebnis eine breite Akzeptanz.“

Die nächste Runde steht schon Mitte Januar an

Den Schwung der Auftaktveranstaltung will man nun mitnehmen. Schon am 11./12. Januar 2019 soll es laut Oberleiter mit dem nächsten Treffen weitergehen, dass dann einen „Pool an Lösungen“ hervorbringen soll. „Diese Vorschläge gehen dann an die Auftraggeber. Sie werden Entscheidungen treffen, was davon umgesetzt wird.“ Am Ende würden die konkreten Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert. Das solle noch im ersten Quartal 2019 passieren.

Eine „Patentlösung“ werde es aber nicht geben, dämpft der Tourismusberater aus Innsbruck die Erwartungen. Für Riesch steht fest: „Wir sind eine Tourismusregion. Wenn die Menschen an den Walchensee fahren, wollen wir das nicht verbieten, sondern fördern. Aber wir wollen es so lenken, dass dieses Juwel so erhalten bleibt, wie es sich jetzt darstellt.“

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