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Im Januar stationierte das BRK einen Rettungswagen in der von der Außenwelt abgeschnittenen Jachenau. Unterkunft und einen Unterstellplatz fürs Auto stellte Familie Schwaiger zur Verfügung. Die Sanitäter bedankten sich im Sommer mit einer Urkunde bei Maria und Hans Schwaiger.

„Förderpreises Helfende Hand“

Jachenauer Familie beherbergte BRK-Sanitäter im Schneechaos: „Kleine Geste“ ist jetzt preisverdächtig

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Familie Schwaiger aus der Jachenau gehört zu bundesweit fünf Nominierten des „Förderpreises Helfende Hand“. Preisverdächtig ist ihre spontane Unterstützung von Ehrenamtlern des BRK während des „Schneechaos“ im Januar.

Jachenau–  Die Begriffe „Schneechaos“ oder gar „Katastrophe“ hört man in der Jachenau gar nicht gern. Tatsache ist aber, dass das Sonnental Anfang des Jahres bundesweit in den Fokus des Medieninteresses rückte:Die Gemeinde war von außen für einige Tage nur schwer zu erreichen, weil unter der Schneelast umgestürzte Bäume die Staatsstraße 2072 und damit den Hauptzufahrtsweg in die Jachenau blockierten.

Jetzt hat diese Episode ein erfreuliches Nachspiel. Die Jachenauer Familie Schwaiger ist für den „Förderpreis Helfende Hand“ des Bundesinnenministeriums nominiert und fährt zur Preisverleihung am Montag, 18. November, nach Berlin.

Dabei bewertet Verena Schwaiger die Leistung, um die es geht, in aller Bescheidenheit. „Das war eigentlich nichts Gravierendes“, meint die 40-Jährige. Doch was die Familie für eine Selbstverständlichkeit hält, erschien der Jury eben doch preisverdächtig.

Schneechaos in der Jachenau: Platz für den Rettungswagen im leeren Stall

Es geht um die Tage, in denen das Bayerische Rote Kreuz (BRK) einen Rettungswagen in der quasi von der Außenwelt abgeschnittenen Jachenau stationierte, um eine medizinische Notfallversorgung zu gewährleisten. Chrissy Baader und Nico Bücherl, beide hauptamtliche Mitarbeiter im Rettungsdienst, hatten sich freiwillig für den ehrenamtlichen Sondereinsatz zur Verfügung gestellt. Nun stellte sich nur recht kurzfristig die Frage: Wo sollte das Fahrzeug untergestellt werden, und wo sollten die beiden Helfer wohnen?

Verena und Hans Schwaiger sind Nachbarn der Ärztin Claudia Gudelius, die in den „Schneekatastrophen“-Tagen ebenfalls für medizinische Notfälle parat stand. Schwaigers zögerten nicht, Platz bereitzustellen. Den hatten sie gerade zufällig zur Verfügung, denn sie hatten einen neuen Stall gebaut, der aber noch leer stand. Hier konnte der Rettungswagen geparkt werden – und verfügte auch gleich über den nötigen Stromanschluss.

Und Hans Schwaigers Mutter Maria hatte für Chrissy Baader und Nico Bücherl eine Ferienwohnung frei. „Gäste hatten abgesagt, weil sie die Jachenau nicht erreichen konnten“, berichtet Verena Schwaiger. Die Familie habe das BRK-Duo in diesen aufregenden Tagen auch verpflegt und mit Kaffee und Kuchen versorgt.

„Es war grandios, wie Familie Schwaiger uns unterstützt hat“, findet Andrej Fedorenko, stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter beim Roten Kreuz. Die Schwaigers seien „absolut entspannt und spontan“ eingesprungen.

„Aus meiner Sicht war das sehr cool, und deswegen habe ich sie für den Preis des Innenministeriums vorgeschlagen.“ Dass die Jachenauer unter hunderten Nominierten nun in die Runde der letzten fünf in ihrer Kategorie gekommen sind, freut Fedorenko sehr.

Familie freut sich auf Reise in die Bundeshauptstadt

Für Verena Schwaiger kam der Anruf aus Berlin im September völlig überraschend. Zwar hatten Vertreter des BRK den Preis einmal „beiläufig erwähnt“. Als man ihr aber mitteilte, dass die Familie zur Preisverleihung nach Berlin eingeladen sei, „da habe ich erst gar nicht gewusst, worum es geht“.

Nun freut sie sich aber doch auf die Reise in die Bundeshauptstadt, die sie zusammen mit ihren beiden älteren Kindern (10 und 8) antreten wird. Papa Hans (45) bleibt zu Hause – „wegen der Landwirtschaft“. Die beiden kleineren Kinder (5 und 3) machen derweil „Urlaub bei der Oma“.

Bei einer Zeremonie im Humboldt-Zentrum wird dann enthüllt, ob die Schwaigers wirklich einen Preis bekommen. Es werde sicher interessant, mit anderen Nominierten ins Gespräch zu kommen, sagt Verena Schwaiger. Und die Kinder fänden es spannend, einmal Bundesinnenminister Horst Seehofer persönlich die Hand geben zu dürfen.

Auszeichnung ist ein reiner Anerkennungspreis

Mit einem Geldsegen ist die mögliche Auszeichnung für Familie Schwaiger übrigens nicht verbunden. In ihrer Kategorie „Unterstützung des Ehrenamts“ wird ein reiner Anerkennungspreis vergeben.

Ums Materielle geht es den Schwaigers auch gar nicht. Mutter Verena findet die Nominierung aber schon als Signal, „dass man auch mit kleinen Gesten was erreichen kann – mit etwas, zu dem jeder die Möglichkeit hat“.

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