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Die einzige Zufahrt in die Jachenau war fast eine Woche lang die Mautstraße zwischen Einsiedl und Niedernach, die aber ebenfalls nur für Notfälle wie den Lebensmitteltransport durch die Feuerwehr geöffnet war.

Nach dem Schneechaos

Jachenauer Gemeinderat blickt aufs Eingeschneitsein zurück: Große Solidarität,  viel Medienrummel und ein Stromausfall

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Die Situation war laut Georg Riesch „richtig ernst“: Nun blickte der Bürgermeister gemeinsam mit dem Gemeinderat auf die Tage zurück, in denen die Jachenau weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten war: das Positive, das Negative und das, was für die Zukunft verbessert werden kann.

Jachenau– Fast eine Woche war die Jachenau weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten – und gleichzeitig stand sie selten so sehr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.Zwischen all der Berichterstattung über die gesperrte Staatsstraße und die Lebensmittellieferung durch die Feuerwehr war ein Aspekt des Schneechaos’ ein wenig untergegangen – obwohl er für die Bevölkerung durchaus brisant war: Am 6. Januar fiel in der Jachenau von 6 bis 12.30 Uhr der Strom aus. „Das ist eine Sache, die ich mir dick angestrichen habe, weil sie verbessert werden sollte“, sagte Bürgermeister Georg Riesch jetzt im Gemeinderat.

Laut Riesch war ein Baum in die Freileitung zwischen Leger und Langeneck gefallen. Dabei sei die Stromversorgung der Jachenau eigentlich doppelt abgesichert, weil zusätzlich von der anderen Seite her Erdkabel von den Kraftwerken Obernach und Niedernach ins Tal führen. Nach dem Ausfall der Freileitung hätten eigentlich nur zwei Schalter in Niedernach und in Leger umgelegt werden müssen. „Aber zur Trafostation in Leger ist man nicht hingekommen“, berichtete der Bürgermeister. Stattdessen wurde entschieden, den Baum herauszuschneiden. Das habe aber gedauert.

Für die Zukunft sollte aus Rieschs Sicht ermöglicht werden, die betreffenden Schalter funkgesteuert umzustellen statt von Hand. Eine Alternative sei, auch die Stromleitung zwischen Langeneck und Leger in die Erde zu verlegen. „Dann wären wir auf der sicheren Seite.“

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Und das sei dringend nötig. Immerhin funktioniert bei Stromausfall auch kein Telefon mehr – auch mit dem Handy nicht, da die Mobilfunkmasten dann ebenfalls nicht mehr funktionieren. „Die BOS-Masten sind mit Batterien stromnotversorgt“, so Riesch. „Da sollten wir bei den Mobilfunkmasten auch hinkommen.“

Ein anderes Problem, das in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend übersehen wurde, war laut Riesch, dass die Milch-Abholung erheblich erschwert war. „Kein Bauer hat Lagerkapazitäten für mehr als zwei Tage.“ Daher sei er sehr froh, dass die Bauern vor Ort Not-Milchtransporte organisiert hätten und sich der Milchlasterfahrer bereit erklärt habe, den Weg über Kesselberg und Walchensee-Südufer in die Jachenau auf sich zu nehmen.

Zur Sperrung der Staatsstraße stellte Riesch klar, dass es „nicht nur ein paar Bäume“ gewesen seien, die zwischen Leger und Langeneck auf der Fahrbahn lagen. Ein Prozessorfahrer habe ihm berichtet, dass auf dem zwei bis drei Kilometer langen Abschnitt mittlerweile grob geschätzt 300 bis 350 Festmeter Holz herausgeschnitten worden seien.

Allgemein zeigte sich das Gemeindeoberhaupt vor allem erleichtert, „dass niemand zu Schaden gekommen ist und nichts passiert ist“. Der Gedanke an den verunglückten Schneepflugfahrer rufe einem in Erinnerung, „was wirklich wichtig ist auf der Welt und dass es Dinge gibt, auf die man auch kurzzeitig verzichten kann“.

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Eine Herausforderung der besonderen Art stellte für die Jachenauer der ungekannte Medienrummel dar. Einige Vertreter von Privatsendern seien dabei „nur auf der Suche nach Schlagzeilen gewesen“ und hätten sich wenig respektvoll verhalten. Der Anblick, der sich ihnen in der Jachenau bot „war ihnen zu unspektakulär“, stellte Gemeinderat Georg Kohlhauf  fest. Dem ein oder anderen musste Riesch sagen: „Ich mache jetzt keinen Actionfilm mit Euch.“ Gemeinderätin Eugenie Grünwald berichtete vom Ansinnen der Kamerateams, „in die Kühlschränke zu filmen“.

Sehr wichtig war Riesch, seinen Dank an alle auszusprechen, die in der ernsten Lage mitgeholfen hätten. Unter anderem sei die Stationierung eines Rettungsfahrzeugs durch das BRK eine „super Leistung“ gewesen. Sehr gefreut habe er sich auch über die Solidarität und die vielen Hilfsangebote aus den Nachbargemeinden. Der große Zusammenhalt sei eine gute Erfahrung gewesen.

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