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Volle Bühne im Schützenhaus: Beim Jachenauer Herbstsingen kamen die Volksmusikfreunde auf ihre Kosten.

Jachenauer Herbstsingen

„Da Summa is wia a Diab davo“

Es ist ein traditionelles Ereignis: das Jachenauer Herbstsingen. Auch in diesem Jahr begeisterten die Volksmusiker wieder die zahlreichen Besucher.

Jachenau „Scheena Summa, bist scho umma, bist uns wia a Diab ganz staad davo...“ Die Anfangszeilen dieses bairischen Volksliedes standen als Überschrift über dem 19. Jachenauer Herbstsingen, das am Samstag eine große Besucherschar in das Schützenhaus gelockt hatte.

Bei aller Wehmut, die angesichts der bevorstehenden kürzer werdenden Tage und kühleren Temperaturen bei manchem Zeitgenossen vielleicht aufkommen mag, machten die feine Auswahl an Liedern und Weisen der sechs mitwirkenden Gruppen und die launigen Beiträge von Sprecher Andreas Estner aus dem klingenden Jahreszeiten-Wechsel ein humorvolles, fröhliches Beisammensein.

Die Liedtexte seien Ausdruck einer tiefen Kraft heimischer Kultur, die Melodien klar wie der blaue Herbsthimmel, umschrieb Estner die Wertigkeit der volksmusikalischen Darbietungen – wovon er die Zuhörer, viele davon Stammgäste bei dieser jährlichen Veranstaltung, aber nicht erst überzeugen musste. Und dass dabei die Abwechslung nicht auf der Strecke blieb, dafür hatte die gastgebende, selbst bescheiden im Hintergrund platzierte Schodseitn-Musi gesorgt, denn von den eingeladenen musikalischen Formationen war jede sozusagen eine „Marke“ für sich.

Das waren etwa die Sagschneider Malan aus Lenggries-Leger, die einen eigenen Applaus für die Beibehaltung ihres räumlich doch sehr begrenzt auftretenden Dialekts erhielten. Diesem frischen jungen Frauendreigesang stand der Mittenwalder Oima-Gsang gegenüber – drei junge Burschen, die ihre Stimmen ebenso wie ihre Instrumente einzusetzen wissen und die Liedbegleitung souverän beherrschten.

Jachenauer Herbstsingen: Viel Applaus für Huafnogl-Gitarrenmusi

Die angekündigte Friahnebel-Musi hatte kurzfristig absagen müssen, als Ersatz war die Huafnogl-Gitarrenmusi aus Eschenlohe eingesprungen und in die Jachenau gekommen. Für die drei Madln dieser Nachwuchsgruppe war der Auftritt vor so großem Publikum mit einer Portion Lampenfieber verbunden, doch meisterten sie ihre Stückl bestens, und es mangelte nicht an Beifall. Den weitesten Anfahrtsweg in den Isarwinkel hatte jedenfalls die bekannte Rotofen-Musi aus dem Berchtesgadener Land, die instrumental flexibel auch als Rotofen-Klarinettenmusi rassig aufspielte. Volksmusik sei nichts Starres, auch in der Volksmusik gebe es Veränderungen, zum Beispiel bei der Kombination der Instrumente, stellte Moderator Estner fest. Diesbezüglich amüsant war die Schilderung vom Rotofen-Ziach-Spieler Engelbert Aigner, wie die Gruppe in ihrer Gründungszeit die damals für diese Besetzung ungewöhnliche Posaune über die Grenze auf bayerisches Terrain geholt hatte.

Kennenlernen konnten die Zuhörer im Schützenhaus zudem Anton Gmachl, ebenfalls Rotofen-Musikant und „nebenbei“ Leiter der Volksmusikabteilung am Mozarteum Salzburg. Dort würden aber keine Volksmusikanten unterrichtet, sondern Musiklehrer, die das Erlernte dann in den Musikschulen weitervermitteln würden, erklärte Gmachl. „Denn die Volksmusik selbst gehört nicht auf die Uni, die gehört ins Wirtshaus.“

Nicht auf der Uni, sondern in den Aufzeichnungen des Völkerkundlers Joseph Friedrich Lentner von 1850 hatte sich Moderator Estner schlau gemacht über das Jachental und darüber gelesen, dass dort in so ziemlich jedem Haus eine Büchse (zwecks Wildbretbeschaffung) vorhanden gewesen sei und die Mädchen „in ihrer jungfräulichen Blüte“ meist sehr hübsch gewesen seien – genau der Stoff also, aus dem viele der ebenso poesie- wie kraftvollen Volkslieder gemacht sind und dem Jachenauer Herbstsingen eine unverfälschte Bodenhaftung gibt.
Rosi Bauer

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