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Seit 2007 war Willi Milz als Seelsorger in der Jachenau im Einsatz. Am Wochenende starb er völlig unerwartet. 

Nachruf

Jachenauer Seelsorger Willi Milz gestorben: Trauer um einen überragenden Pfarrer

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Nicht nur aufgrund seiner Körpergröße von zwei Metern war Willi Milz eine herausragende Persönlichkeit. Der aus dem Rheinland stammende Pfarrer war in der Jachenau äußerst beliebt. Am Wochenende ist er völlig unerwartet im Alter von 66 Jahren gestorben.

Jachenau– Die Betroffenheit in der Jachenau ist groß. Die Gemeinde trauert um ihren Pfarrer Willi Milz. In der Nacht zum Sonntag ist er völlig unerwartet im Alter von nur 66 Jahren im Tölzer Krankenhaus verstorben.

Viele Menschen empfinden die Nachricht noch immer als unwirklich, können es nur schwer fassen. Willi Milz hatte zwar mit einigen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, doch auf seinen nahen Tod deutete nichts hin. Wie Dekan Robert Walter vom Dekanat Benediktbeuern erklärt, habe Pfarrer Milz am Dienstag noch Schnee geräumt, sei dann erkrankt und am Donnerstag mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden. „Am Freitag hat er mir noch geschrieben, es gehe ihm verhältnismäßig gut“, sagt Walter. Auch auf Gläubige, die ihn an diesem Tag besuchten, machte er offenbar einen zuversichtlichen Eindruck. Umso größer ist die Bestürzung über seinen plötzlichen Tod.

Den Jachenauern bleibt Willi Milz als besonders liebenswerter und herzlicher Mensch in Erinnerung, der intensiv Anteil am Schicksal seiner Gemeindemitglieder nahm. Er gehörte praktisch allen Vereinen im Ort an, nahm rege am dörflichen Leben teil, liebte die Blasmusik und sang auch selbst leidenschaftlich gern. „Er war eine Seele von Mensch und mit fast allen per Du“, schildert die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Maria Pichlmayr.

Die Jachenauer nahmen den Rheinländer Willi Milz sofort herzlich auf

Geboren wurde Wilhelm Christian Milz 1952 in Koblenz in Rheinland-Pfalz, wo er auch aufwuchs. Die Priesterweihe empfing er am 11. April 1981. Danach war er bis 1985 als Seelsorger und Krankenhauspfarrer in Brohltal (Rheinland-Pfalz) tätig. Bis 2003 arbeitete er in einem Krankenhaus in Werne (Nordrhein-Westfalen), und auch bei seiner nächsten Station in Pfronten im Allgäu bildete die Krankenhausseelsorge den Schwerpunkt seiner Tätigkeit.

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In der Jachenau trat Milz zum 1. September 2007 die Nachfolge von Pfarrer Peter Rechenmacher an, der in den Ruhestand ging. Die traditionsbewussten Jachenauer hießen die rheinische Frohnatur sofort herzlich willkommen – und der Koblenzer fühlte sich im Sonnental offensichtlich angekommen. Etwaige Mentalitätsunterschiede waren nie ein Thema. Mit Trachtenhut und Strickjanker zeigte er auch nach außen gern seine Zugehörigkeit.

Nicht nur menschlich, sondern auch rein physisch hatte die Jachenau einen überragenden Pfarrer bekommen. Denn mit seinen zwei Metern Körpergröße stach Willi Milz aus der Masse hervor. Zu Milz’ Amtseinführung 2007 scherzte der damalige Kirchenpfleger Korbinian Oswald: „Es passt doch, dass wir als kleinste Kirchengemeinde der Diözese den größten Pfarrer bekommen haben.“ Woraufhin Milz bescheiden und mit dem ihm eigenen Humor entgegnete: „Ich bin nicht der Größte, sondern der Längste.“

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So wohl fühlte sich Milz in der Jachenau, dass er das Tal am liebsten gar nicht mehr verlassen hätte. „Vor ein paar Jahren mussten wir ihn sogar einmal extra in Urlaub schicken“, sagt Dekan Walter. „Er meinte nur: ,Es ist doch so schön hier‘ und hat überall erzählt, wie dankbar er war, in die Jachenau gekommen zu sein.“

Wann Pfarrer Milz beigesetzt wird, stand am Montag bis Redaktionsschluss noch nicht fest – wohl am Freitag oder Samstag um 10 Uhr. Am Vorabend sollen laut Dekan Walter um 18.30 Uhr ein Sterberosenkranz und anschließend eine Stille Messe begangen werden. Unter der Woche sei an eine Andacht oder ein Rosenkranzgebet gedacht, so Walter. Die Messe am kommenden Sonntag um 9 Uhr übernehme der Benediktbeurer Pfarrer, Pater Heiner Heim.

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Auch wie es mit der Seelsorge in der Jachenau weitergeht, ist noch nicht abschließend geklärt. Laut Walter wird darüber nachgedacht, dass ein Vertretungspfarrer aus Indien für den Übergang einspringt, bis eine feste Besetzung für die Pfarrstelle gefunden sei. „Wir gehen davon aus, dass es die geben wird.“

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