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Im neuen Baugebiet Friedelweide steht der erste Rohbau. Später soll es einmal fünf Wohnhäuser und drei Gewerbebetriebe umfassen.

Einheimischenmodell

Friedelweide: Der lange Weg zum neuen Baugebiet

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Jachenau - Die Jachenau wächst um ein neues Baugebiet: die Friedelweide. Für die Gemeinde ist ein solcher Entwicklungsschritt jedes Mal ein Kraftakt.

Wer in der Jachenau ein Haus bauen möchte, der hat es nicht leicht: Denn die Gemeinde tut sich schwer, neue Bauplätze auszuweisen. Ein zusammenhängendes Ortsgebiet ist im Jachental so gut wie gar nicht vorhanden – fast das gesamte Gemeindegebiet könnte man baurechtlich als Außenbereich betrachten, wo das Errichten neuer Gebäude kaum genehmigungsfähig ist. Es ist deshalb schon etwas ganz Besonderes, wenn wie jetzt ein neues Baugebeit Formen annimmt.

Auf dem Weg in Richtung Dorf ist die große Baustelle an der Staatsstraße 2072 im Anschluss an den Ortsteil Bäcker nicht zu übersehen. Der erste Rohbau steht, eine Familie kann voraussichtlich bald einziehen. Und es wird nicht lange dauern, bis sie Nachbarn bekommt. Fünf Wohnhäuser und drei Gewerbebetriebe sollen hier nach und nach entstehen: Friedelweide heißt der neue Ortsteil.

Bis die Bagger anrücken konnten, war es ein weiter Weg. „Mit den ersten Gedanken ist es etwa 2011 losgegangen“, erklärt Bürgermeister Georg Riesch. „Es gab Anfragen von jungen Familien, die bauen wollten, und auch von Handwerkern, die nach Gewerbeflächen gesucht haben.“

Als sich eine Möglichkeit auftat, griff die Gemeinde zu: „Eine Grundeigentümerin ist auf uns zugegangen und hat gesagt, dass sie sich vorstellen kann, eine bis dahin landwirtschaftliche Fläche zu verkaufen“, berichtet Riesch. Die Fläche bot ideale Voraussetzungen. Sie schloss direkt an bestehende Bebauung an, lag an der Staatsstraße und war somit perfekt angebunden, und auch die Erschließung mit Wasser und Strom bis hin zum Glasfaserkabel war ohne übermäßigen Aufwand möglich. „Alles war schon in der Nähe. Das hat gepasst“, so der Bürgermeister.

Riesch spricht aber auch einen „wunden Punkt“ der Friedelwiede an: Ein Teil der Fläche lag im Überschwemmungsgebiet der Jachen. Um hier Bauland auszuweisen, musste die Gemeinde in großen Umfang Ausgleichsmaßnahmen vornehmen. „Das war mit sehr hohen Kosten und Zeitaufwand verbunden.“ Große Geländemodellierungen und -abtragungen waren nötig, um die vorgesehenen Häuser hochwassersicher zu machen und an anderer Stelle Rückhalteflächen zu schaffen.

Zusammen mit der Erschließung investierte die Gemeinde laut Riesch 600 000 Euro. Als letzte Erschließungsmaßnahme werde in den kommenden Wochen noch das Glasfaserkabel verlegt, das dann direkt bis zu jedem Haus reicht. Das ermöglicht eine Internetgeschwindigkeit bis zu 50 MB pro Sekunde.

Unterm Strich dient nun der größte Teil der Fläche, die die Gemeinde gekauft hat, rein für hochwasser- und naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen. Insgesamt rund 34 000 Quadratmeter umfasst der ganze Grund. Davon wurden lediglich 7833 Quadratmeter als Bauland ausgewiesen: 3940 Quadratmeter für Gewerbe und 3893 für Wohnen.

Die fünf Wohn- und drei Gewerbeparzellen verkauft die Gemeinde an Jachenauer Familien weiter, den Gewerbegrund für 150, den Wohngrund für 190 Euro pro Quadratmeter. Die Bewerber kommen nach dem Einheimischenmodell zum Zug.

Von den Wohngrundstücken ist laut Riesch nur noch eines zu haben. „Es sind schon Bewerber da.“ In der Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag wird der zweite Bauantrag behandelt. Vom Gewerbegrundstück ist bislang eines verkauft. Hier soll eine Kfz-Werkstatt entstehen. Für die anderen gebe es Interessenten.

Schon einmal hat die Gemeinde erlebt, dass ein neues Baugebiet beinahe juristisch zu Fall gebracht wurde: Als der Bebauungsplan Kircheggarten beklagt wurde, stand es vor dem Verwaltungsgericht Spitz auf Knopf. Bei der Friedelweide ist ein böses Erwachen mittlerweile ausgeschlossen: „Der Bebauungsplan ist seit über einem Jahr in Kraft“, stellt Riesch fest. „Die Klagefrist ist verstrichen.“

Noch immer sind nicht alle jungen Familien versorgt, die sich ihr Leben in der Jachenau aufbauen wollen. Erst kürzlich haben sich im Rathaus mehrere junge Leute gemeldet, die einmal im Ortsteil Obernach bauen möchten. Die Rahmenbedingungen sind – wie sollte es anders sein – kompliziert. „Wir arbeiten gerade intensiv daran zu schauen, wie wir diesen Ortsteil entwickeln können“, sagt Riesch. Denn dass Familien lieber in der Jachenau bleiben statt abzuwandern: Das ist ganz im Sinne des Bürgermeisters.

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