An einer Hilfsaktion für die Flutopfer in Rheinland-Pfalz beteiligte sich der Jachenauer Stefan Stedele (3. v. li.). Der Geschäftsmann lieferte Gummistiefel ins Krisengebiet.
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An einer Hilfsaktion für die Flutopfer in Rheinland-Pfalz beteiligte sich der Jachenauer Stefan Stedele (3. v. li.). Der Geschäftsmann lieferte Gummistiefel ins Krisengebiet.

Hilfsaktionen im Isarwinkel für Hochwasseropfer

Mit 500 Paar Gummistiefeln ins Flutgebiet

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Vielfältige Hilfe aus dem Isarwinkel hat die von der Hochwasserkatastrophe betroffene Region in Rheinland-Pfalz erhalten. Wie berichtet, packten Gruppen freiwilliger Helfer aus Lenggries und der Jachenau im Ahrtal mit an. Nun wurden auch 500 Gummistiefel ins Katastrophengebiet gebracht.

Jachenau/Lenggries - Der Jachenauer Stefan Stedele, der in Lenggries den „Bekleidungshandel Oberland“ betreibt, brachte vor Kurzem 500 Gummistiefel ins Katastrophengebiet. Im Kurier-Interview berichtet er von der Aktion.

Herr Stedele, wie kam eszu Ihrer Gummistiefel-Lieferung?

Die Idee kam von Privatpersonen aus dem Schwarzwald, die eine Hilfsaktion starteten. Sie haben mich als Händler im Internet gefunden und bei mir angefragt, ob sie bei mir 100 Paar Gummistiefel bekommen. Weil es pressierte, müsste ich sie aber selbst hinbringen. Ich habe mir dann gedacht: Wegen 100 Paar rentiert sich das kaum. Daher packte ich den Transporter voll. Was nicht gebraucht wird, wollte ich dann notfalls wieder mitnehmen. Mein Nachbar ,Kfz Danner‘ hat mir dann einen VW-Bus geliehen. Den habe ich bis unters Dach mit Gummistiefeln, die ich in unserem Großhandel auf Lager hatte, vollgestopft. Am Donnerstag hatte ich den Anruf bekommen und mich spontan dazu entschlossen, am Samstag um 6 Uhr loszufahren.

Wie viele Gummistiefel hatten Sie letztlich dabei?

Ich habe alles genommen, was ich greifen konnte, etwa 500 Paar Gummistiefel mit einem Einkaufspreis von rund 4500 Euro. Querbeet alle Größen.

Wohin genau haben Sie Ihre Lieferung gebracht?

Nach Heimersheim bei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dorthin hatten die Helfer aus dem Schwarzwald einen privaten Kontakt. Das war mir sehr wichtig, dass die Spenden privat entgegengenommen werden und nicht einfach eine Halle einer großen Hilfsorganisation damit vollgestopft wird. Und es kam mir darauf an, dass die Sachen tatsächlich gebraucht werden. Die Kontaktperson vor Ort hatte eine Liste aufgestellt mit dem, was am dringendsten benötigt wurde: Eimer, Stromaggregate, Taschenlampen, Schaufeln. . . Wir kamen insgesamt mit zwei Lkw und dem VW-Bus, haben alles in einer leer geräumten Autowerkstatt ausgeladen und von dort direkt den Anwohnern übergeben.

Und für all Ihre Gummistiefel haben sich Abnehmer gefunden?

Ja, die wurden uns alle abgenommen, sie wurden dringend gebraucht. Gerade viele Frauen waren teils in Flip-Flops im Schlamm unterwegs gewesen. Doch weil all der Morast mit Heizöl, Diesel und mehr vermischt war, war er sehr aggressiv zur Haut.

Was für Eindrücke hatten Sie vor Ort?

Ich hatte nicht gedacht, dass der Anblick so erschreckend ist – dass ein ganzer Landstrich so ausschaut, das kann man sich gar nicht vorstellen. Die Bilder in den Medien können das nicht annähernd wiedergeben. Ich war letztlich nur zwei bis drei Stunden da. Wir haben gefragt, ob wir was helfen können, zum Beispiel ein Haus ausräumen. Ich hatte mich vorbereitet, eine Nacht zu bleiben. Aber in dieser Anfangsphase waren gerade schon viele Privathelfer da, und es war nicht so einfach zu organisieren.

Wie wurde die Gummistiefel-Lieferung letztlich finanziert?

Zum einen habe ich hier vor Ort einige Spenden gesammelt. Den Rest der Rechnung hat die Gemeinde Jachenau von ihrem Spendenkonto beglichen. Im Gegenzug habe ich einen vierstelligen Betrag auf das Spendenkonto eingezahlt.

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