Zwischen Niedernach und der Jachenau finden zurzeit Bauarbeiten statt. Unter anderem werden die Mauthäuschen versetzt.
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Zwischen Niedernach und der Jachenau finden zurzeit Bauarbeiten statt. Unter anderem werden Parkflächen erweitert.

Erweiterung der Parkflächen

Nach Protest des Bund Naturschutz: Bürgermeister verteidigen Parkplatz-Projekte an den Seen

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Der Bund Naturschutz hatte am geplanten Parkplatzbau an Walchen-, Kochel- und Sylvensteinsee Kritik geübt. Sauer stößt das den Bürgermeistern der drei Gemeinden auf.

Lenggries/Jachenau/Kochel am See – „Veraltete Denkmuster“ hat der Bund Naturschutz den drei Gemeinden Kochel am See, Lenggries und Jachenau vorgeworfen. Die Organisation kritisiert, dass an Kochel-, Walchen- und Sylvensteinsee Parkplätze gebaut und erweitert werden (wir berichteten). Die Bürgermeister der angesprochenen Kommunen weisen die Kritik zurück und wehren sich vor allem gegen den Vorwurf, es gehe ihnen um Einnahmen für die Gemeindekasse.

Lenggrieser Bürgermeister hält Kritik für „nicht gerechtfertigt“

Im Gemeindegebiet Lenggries dreht sich die Diskussion um die geplante Erweiterung des Parkplatzes in Fall. Die Kritik des Bund Naturschutz an diesem Vorhaben bezeichnet Bürgermeister Stefan Klaffenbacher als „nicht gerechtfertigt“. Er räumt zwar ein, dass der Ausbau des Parkplatzes unvermeidlich mit einem „Eingriff in die Natur“ verbunden sei. Allerdings müsse man nach Ansicht des Bürgermeisters „in diesen sauren Apfel beißen“ – gerade mit dem Ziel, die Natur zu schützen, indem man Fahrzeuge „zentralisiert und kanalisiert“ und „aus den sensibelsten Gebieten heraushält“. Klaffenbacher: „Das Wildparken richtet in meinen Augen größeren Schaden an.“

Bürgermeister vermissen konstruktiven Gegenvorschlag

Bei der Kritik des Bund Naturschutz vermisst Klaffenbacher einen „konstruktiven Gegenvorschlag“. Maßnahmen wie eine verbesserte ÖPNV-Anbindung oder der Radwegebau, um dem Pkw-Verkehr zu reduzieren, seien ja absolut richtig. „Aber das können nur langfristige Lösungen sein. Hier war es wichtig, schnell zu reagieren.“ Der Wunsch, dass die Ausflügler daheim bleiben oder umdrehen, wenn es vor Ort nicht genügend Parkplätze gibt, sei „nicht realistisch“. Gleichzeitig ist es für Klaffenbacher „auch nicht des Rätsels Lösung, unendlich viele Parkplätze zu schaffen“.

Finanziell lohne es sich für die Gemeinde nicht, den Parkplatz bei der Wasserwacht in Fall zu erweitern und Gebühren für die Nutzung zu verlangen. Klaffenbacher verweist auf die erste Kostenschätzung von 460 000 Euro. Eine Umsetzung noch heuer schließt der Lenggrieser Bürgermeister übrigens aus. Zuerst werde man beobachten, wie sich bereits getroffene Maßnahmen auswirken, etwa die Anpachtung aller Wanderparkplätze von den Staatsforsten sowie die Begrenzung von Campern auf einen Bereich des Großparkplatzes in Fall.

Uns geht es nicht ums Geld, sondern um einen Beitrag für die Natur

Thomas Holz, Bürgermeister von Kochel

„Uns geht es nicht ums Geld, sondern um einen Beitrag für die Natur“, erklärt auch der Kochler Bürgermeister Thomas Holz. Die Kritik des BN an den Plänen zum Bau eines Wohnmobilstellplatzes am Kochelsee kann er daher nach eigenen Worten „nicht verstehen“.

Ein Blick darauf, wo Camper an schönen Tagen im Kochler Gemeindegebiet überall wild parken, macht aus Holz’ Sicht die Notwendigkeit eines ausgewiesenen Stellplatzes deutlich. „So manches Wohnmobil verliert Öl, es gibt Camper, die Plastikmüll in der Natur liegen lassen oder dort sogar ihre Chemietoilette ausleeren“, sagt er. „Da ist es besser, wir schaffen ein Angebot, wo alles geregelt ablaufen kann.“

Jachenauer Bürgermeister fühlt sich „vor den Kopf geschlagen“

Dass mehr Parkplätze auch mehr Verkehr anziehen, wie der BN argumentiert, glaubt Holz nicht. „Die Menschen werden so oder so weiter in unsere Region kommen. Wer am Wochenende einen Ausflug plant, schaut nicht vorher nach, ob es hier Parkplätze gibt.“ Die vom BN formulierte Alternative, „die Verkehrsströme durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren“, ist dem Kochler Rathauschef zu schwammig. „Ich erkenne keinen Gegenvorschlag.“

„Vor den Kopf geschlagen“ fühlt sich der Jachenauer Bürgermeister Klaus Rauchenberger durch die Kritik des Bund Naturschutz. „Anscheinend kapieren die nicht, warum das alles gemacht wird“, sagt er. „Wir betreiben den ganzen Aufwand, um den See zu entlasten.“

Bauarbeiten am Walchensee laufen bereits

Im Gegensatz zu den Vorhaben in Lenggries und Kochel ist die Baumaßnahme am Walchensee-Südufer bereits in vollem Gange. Dort werden zu beiden Seiten der Mautstraße Ausweichparkplätze bei Einsiedl und Niedernach angelegt. Die Mautstraße soll wie berichtet ab einer Zahl von 1000 Fahrzeugen gesperrt werden. Weitere Anreisende könnten dann auf den neuen, vorerst insgesamt 300 Stellflächen vor den Mautstationen parken.

Rauchenberger verweist darauf, dass die Maßnahme Teil des Walchenseekonzepts und mit der Regierung abgestimmt sei. An den vorbereitenden Walchensee-Workshops habe auch der Bund Naturschutz teilgenommen. Ziel sei, zu verhindern, dass – wie in den vergangenen Jahren – Autos am Südufer Rettungswege zuparken und im Landschaftsschutzgebiet abgestellt werden.

Bewirtschaftung der Parkplätze kostet die Gemeinden erst einmal Geld

Um Geld einzunehmen, gehe die Gemeinde diesen Weg „mit Sicherheit nicht“, versichert Rauchenberger. Die Gemeinde habe durch die Bewirtschaftung der Parkplätze hohe Kosten. So werde eigens ein Gemeindefahrzeug angeschafft, Verehrsschilder und Parkautomaten müssen gekauft, Dixi-Klos angemietet, Verkehrsüberwacher beauftragt werden. Instandhaltung und Müllbeseitigung seien mit Personalaufwand verbunden. „Das dauert, bis es sich trägt – wenn überhaupt“, so Rauchenberger. Der Bau selbst koste die Staatsforsten viel Geld.

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