Fühlen sich in der Jachenau herzlich aufgenommen: Tanja und Gregor Klug aus Unterfranken übernehmen im Juli das „Schützenhaus“.
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Fühlen sich in der Jachenau herzlich aufgenommen: Tanja und Gregor Klug aus Unterfranken übernehmen im Juli das „Schützenhaus“.

Gastronomie

Neue Wirte für das „Schützenhaus“ in der Jachenau

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Im „Schützenhaus“ kehrt nach dem Leerstand neues Leben ein. Der künftige Wirt Gregor Klug wird statt sich wie bisher um Wertpapiere zu kümmern, in der Jachenau bald unter anderem bayerische Tapas anbieten.

Jachenau – Das Jachenauer „Schützenhaus“ ist ein wichtiger Mittelpunkt des Dorflebens, aber auch eine beliebte Anlaufstelle für Ausflügler. Veranstaltungen wie zuletzt etwa die Bürgerversammlung mussten dort in den vergangenen Monaten aber ohne Bewirtung stattfinden: Nach dem Abschied von Wirtin Martina Riesch nach zwei schwierigen Jahren in der Corona-Zeit wurde dringend ein neuer Betreiber gesucht. Jetzt steht fest: Ab 1. Juli geht es mit einem neuen Wirt weiter. Es handelt sich um einen gelernten Bankkaufmann vom anderen Ende Bayerns.

Aus der Bank ins „Schützenhaus“

Gregor Klug (54) ist voller Enthusiasmus, wenn er über seine Pläne fürs Jachenauer „Schützenhaus“ spricht. Auch wenn er im Moment noch rund fünf Autostunden entfernt in Obernburg im unterfränkischen Landkreis Miltenberg lebt, ist ihm die Örtlichkeit bestens vertraut. Seit er vor 15 Jahren einmal mit seiner Frau Tanja (42) spätabends am Kochelsee unterwegs war und auf der Suche nach einer Unterkunft zufällig in einer Jachenauer Pension landete, sei es um ihn geschehen, berichtet er. „Wir kommen seither jedes Jahr mindestens einmal in die Jachenau.“ Das Ehepaar habe sich sogar schon länger mit dem Gedanken getragen, ganz hierher zu ziehen.

Kein Wunder, dass Klug aufmerkte, als er im Februar auf der Internet-Plattform E-Bay-Kleinanzeigen nach geeigneten Immobilien stöberte – und entdeckte, dass ein neuer Wirt fürs „Schützenhaus“ gesucht wurde. Der Unterfranke meldete sich bei der Verpächtergemeinschaft aus Schützengesellschaft, Skiclub, Trachtenverein und Tourismusverein. Und mittlerweile – nach „vielen guten Gesprächen“, so Klug – ist ein Vertrag abgeschlossen.

Für Klug wird es ein einschneidender beruflicher Wechsel. Insgesamt 24 Jahre habe er bei verschiedenen Banken gearbeitet, hauptsächlich im Wertpapierbereich, erklärt er. So richtig glücklich sei er da aber nicht geworden. „Ich bin nicht geboren für einen Job, bei dem ich von 9 bis 5 im Büro sitze“, meint er. Zudem habe ihn bei seiner letzten Stelle das Pendeln ins 65 Kilometer entfernte Frankfurt belastet.

Gastro-Erfahrung in „Speisegaststätte mit Tanzfläche“

Schon zuvor hatte Klug Ausflüge in andere Branchen unternommen – und dabei auch Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt. Bei Aschaffenburg führte er fünf Jahre in den 1990ern nach eigenen Worten eine „Speisegaststätte mit Tanzfläche und Musikdarbietungen“. Später, 2016, habe er sich in der IT-Branche selbstständig gemacht.

Beim jetzigen Neustart in der Jachenau begleitet ihn seine Ehefrau. Tanja Klug hängt dafür ebenfalls ihren Bürojob an den Nagel. Im „Schützenhaus“ werde sie für Buchhaltung, Verwaltung und Veranstaltungsplanung zuständig sein. „Im Gastraum wird sie eher selten anzutreffen sein“, meint ihr Mann.

Als Küchenchef habe er – ebenfalls über E-Bay-Kleinanzeigen – einen 64-jährigen erfahrenen Koch gewonnen, der nach Stationen an Nord- und Ostsee sowie auf den spanischen Inseln ein eigenes Restaurant in Ludwigsburg geführt habe, berichtet Klug. Von dort bringe er auch einiges an Ausstattung mit – wie zum Beispiel einen Außengrill oder Tapas-Theken, an denen er im „Schützenhaus“ bayerische Appetithäppchen vom Obazdn bis zur Hausmacherwurst anbieten will.

Insgesamt setzt das neue Team natürlich auf bayerische Traditionsküche. Klug möchte sich dafür auch gerne in der näheren und weiteren Umgebung nach Rezepten umhören, die daheim in der Küche zubereitet werden – nach dem Motto: „was Großmutter noch kannte“. Das Konzept seiner Vorgängerin Martina Riesch will Klug insofern weiterführen, als er auf regionale Lieferanten setzen werde.

Jachenau ist „ursprünglich, aber nicht rückständig“

Was Veranstaltungen betrifft, gibt es im „Schützenhaus“ mit über 40 Terminen im Jahr – Jahrtage, Hochzeiten, Geburtstage Fronleichnam, Kirchweih – eine solide Basis. Darüber hinaus plant der neue Wirt, Künstler aus der Region für Musikkonzerte oder Kabarettabende in den Saal zu holen. Aktuell ist das Ehepaar Klug noch auf Wohnungssuche im Isarwinkel. Schon jetzt hätten die Jachenauer ihn und seine Frau aber sehr herzlich, hilfsbereit und „ohne Ressentiments“ aufgenommen, schwärmt er. „Dörflich-ursprünglich“ sei die Jachenau. „Aber das ist nicht zu verwechseln mit rückständig“, betont Klug. „Diese offenherzige Fremdenfreundlichkeit in der Jachenau ist etwas, das man nicht so häufig sieht.“

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