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Zum Walchensee-Kraftwerk wird ein großer Teil des Wassers der Oberen Isar abgeleitet. Die Rechte des Uniper-Konzerns, diese Eingriffe in die Natur vorzunehmen, laufen 2030 aus, sofern der Freistaat die Verträge 2020 kündigt. 

Energiegewinnung

Neuordnung der Wasserrechte am Walchensee: „Historische Chance“ für mehr Ökologie

  • Alois Ostler
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    Andreas Steppan
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Wer hat das Recht, im Bereich Walchensee das Wasser der Isar zur Energiegewinnung zu nutzen und zu welchen Bedingungen? Bald  werden die Karten neu gemischt.

Kochel am See/München – Für eine Neuverhandlung der Wasserrechte an der Oberen Isar will sich der Grünen-Landtagsabgeordnete Hans Urban einsetzen. Der Freistaat Bayern muss dafür im kommenden Jahr den ersten Schritt unternehmen und das Walchenseekraftwerk zum Thema im Landtag machen, fordert der Politiker in einer Pressemitteilung.

„Der Freistaat muss diese historische Chance nutzen, um bedeutende ökologische Verbesserungen an der Oberen Isar und ihren Zuflüssen zu erzielen und gleichzeitig der Energiegewinnung durch Wasserkraft den Rücken zu stärken“, sagt Urban. Hintergrund seiner Aussage: Im Jahr 2030 laufen die Wasserrechte des Kraftwerk-Betreibers Uniper aus. Fristgerecht muss der Freistaat dem Unternehmen im Sommer 2020 ankündigen, über die Nutzungsrechte neu verhandeln zu wollen, ansonsten verlängern sich diese automatisch um 25 weitere Jahre. Der Eurasburger Urban und die grüne Landtagsfraktion sehen darin die Chance für einen Neuanfang an Walchensee und Oberer Isar.

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„Die Obere Isar ist der letzte alpine Wildfluss Deutschlands“

Diesem Neuanfang will Urban mit seinem Antrag nach eigenen Angaben die richtige Stoßrichtung geben: „Die Obere Isar ist der letzte alpine Wildfluss Deutschlands. Trotz seines besonderen Werts ist es um den ökologischen Zustand des Flusses leider schlecht bestellt“, sagt Urban. Der Freistaat müsse deshalb die ökologischen Interessen gegenüber den wirtschaftlichen Interessen des Betreibers des Kraftwerks deutlich stärken. Es gelte, „einen Kompromiss zu finden, der in dieser komplexen Gemengelage sowohl dem Naturschutz als auch der Wasserkraft in möglichst hohem Maß gerecht wird“. Aus Urbans Sicht ist „Transparenz bei den anstehenden Verhandlungen das A und O“.

Seit 1924 beziehungsweise 1928 wird ein Großteil des Wassers der Oberen Isar zur Energieerzeugung zum Walchenseekraftwerk abgeleitet. Seit 1990 gesteht Uniper der Isar wieder eine geringe Restwassermenge zu.

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Einsatz für den Lebensraum der Tamariske und der Schnarrheuschrecke

Für diese Teilrückleitung hatte lange Jahre der Verein „Rettet die Isar jetzt“ gekämpft. In der jüngsten Hauptversammlung des Vereins vor zwei Wochen hatte der Vorsitzende Karl Probst berichtet, dass sich der Verein in der Frage der Wasserrechte bereits an mehrere Parteien sowie an Ulrike Scharf (CSU), bis 2018 bayerische Umweltministerin, und deren Nachfolger Thorsten Glauber (FW) gewandt habe. Von allen Seiten habe es die Zusage gegeben, sich für die Kündigung und Neuverhandlung der Verträge einzusetzen. „Nun kommt es darauf an, dass diese Zusagen auch eingehalten werden“, so Probst. Eine Hauptforderung des Vereins bleibe es, die Restwassermengen in Rißbach, Jachen und Isar weiter zu erhöhen – auch um der Verbuschung entgegenzuwirken. Breiten sich Weiden und Erlen immer weiter aus, verdrängen sie den Lebensraum einzigartiger Naturgeschöpfe: der Deutschen Tamariske und der Gefleckten Schnarrheuschrecke.

Probst stellte in Frage, ob dem Uniper-Konzern an ökologischen und regionalen Belangen gelegen sei. Die Neuverhandlung der Wasserrechte sei eventuell auch eine Möglichkeit, dass der Freistaat die Rechte der Energienutzung der Gewässer rund um den Walchensee selbst behält und an einen Dritten vergibt – etwa einen regionalen Anbieter. „Aber das ist noch weite Zukunftsmusik.“

Auch der Grünen-Abgeordnete Urban stellt fest: Die natürliche Dynamik der Oberen Isar gehe zunehmend verloren. „Die ökologischen Folgen davon, dass am Krüner Wehr ein Großteil des Isarwassers zum Walchensee abgeleitet wird, sind mit dem heutigen Verständnis vom Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie nicht zu vereinbaren.“ Bei den Neuverhandlungen der Wasserrechte müsse daher das Ziel lauten: „Der Strom aus der Wasserkraft am Walchensee muss echter Öko-Strom sein und darf keine ökologische Katastrophe an den Zuflüssen hinterlassen.“

Die Kreistagsfraktion der Grünen sieht das ebenso. Wie Fraktionssprecher Klaus Koch mitteilt, habe seine Fraktion einen Sachstandsbericht zum Walchenseekraftwerk und dem Auslauf der Verträge zum 30. September 2020 gefordert: „Unser Ziel ist es, mehr ökologische Qualität in neuen Verträgen zu verankern.“

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