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Rund 40 Asylbewerber leben derzeit in der Jachenau. Zu ihnen gehören auch (v. li.) Mohammadullah, Javid, Nasrat und Amin (hier beim Deutschunterricht). Gemeinsam haben nun alle Flüchtlinge einen Brief an die Jachenauer verfasst. 

Offener Brief

Jachenauer Asylbewerber: „Wir sind keine Terroristen“

Jachenau - Die Jachenauer Asylbewerber haben sich in einem offenen Brief an ihre Mitbürger gewandt. Sie wollen nach den Gewalttaten in Deutschland ihr Mitgefühl bekunden, aber auch Vorurteilen entgegentreten.

Die Messerattacke in einem Zug bei Würzburg und der Sprengstoffanschlag bei einem Festival in Ansbach haben viele Menschen schockiert. Bei den Tätern handelt es sich in beiden Fällen um junge Männer mit Fluchthintergrund. Viele befürchten nun, dass durch die Taten die Ablehnung gegenüber Asylbewerbern wächst. Das ist ein Thema, das auch die Flüchtlinge in der Jachenau beschäftigt. Über 40 Menschen – unter anderem aus Syrien und Afghanistan – leben derzeit auf einem Hof und im ehemaligen Gasthaus Post.

Gemeinsam haben sie nun einen offenen Brief verfasst, der am Samstag an alle Haushalte in der Jachenau verteilt wurde. „Die Ereignisse der letzten Tage und die Unruhe im Land haben uns alle geschockt. Der größte Schock für uns war, dass diese schrecklichen Taten auch von Asylbewerbern verübt wurden“, steht in dem Brief. „Es tut uns so leid, was dem Land und den Menschen in diesem Land in den letzten Tagen passiert ist. Es ist uns sehr wichtig, Ihnen und Euch mitzuteilen, dass all das, was passiert ist, nichts mit uns zu tun hat, wir das genauso verurteilen.“ Es sei nachvollziehbar, dass es jetzt viele Reaktionen auch aus der Bevölkerung geben werde, „und dass auch die Vorurteile gegenüber uns wachsen. Doch es ist uns wichtig, an Euch zu appellieren, dass wir die Menschen sind, die genau vor diesen Ereignissen fliehen, vor Terror, Krieg, Mord und Gewalt. Wir sind nach Deutschland gekommen, weil Deutschland ein sicheres Land ist, in dem Gerechtigkeit, Menschenrechte und Gleichberechtigung herrschen.“ Sie seien nicht hierher geflohen, „um Gewalt in das Land zu bringen. Wir sind hier, weil wir Frieden suchen und ein sicheres Leben. Ein Leben ohne Tod, Gewalt, Hunger und Elend“. Was den Jachenauer Flüchtlingen besonders wichtig ist: „Wir sind keine Terroristen, wir sind nicht ISIS. Wir wollen mit Euch hier friedlich leben und hoffen, dass diese schrecklichen Taten aufhören und die Gewalt und der Terror bald ein Ende haben. Auch wir haben Angst.“

Der Brief schließt mit einem Lob für die Jachenauer: „Wir sind so dankbar für diesen herzlichen und warmen Empfang bei Euch und danken Euch für Eure Bereitschaft, uns aufzunehmen und uns zu helfen. Wir sind Menschen, die Zuflucht suchen, die friedlich leben wollen.“

In einer Versammlung am Freitagabend wurde das Schreiben noch von allen Flüchtlingen unterzeichnet. „Ich halte das für eine gute Sache“, sagt Jost Gudelius aus dem Helferkreis. Der Brief sei die Idee der Asylbewerber gewesen. „Es war ihnen ein Bedürfnis, Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen.“ Lediglich bei der Übersetzung habe es Unterstützung aus dem Helferkreis gegeben.  

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