Die Gemeinde Jachenau stellt den ehemaligen Gasthof Post als Asylbewerberunterkunft zur Verfügung. Die Umbaupläne sind davon nicht berührt. Foto: arp/A
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Die Gemeinde Jachenau stellt den ehemaligen Gasthof Post als Asylbewerberunterkunft zur Verfügung. Die Umbaupläne sind davon nicht berührt.

Neue Pläne

„Post“ wird Flüchtlingsunterkunft

Jachenau – Die Gemeinde Jachenau will „alle Hebel in Bewegung setzen“, um eine Belegung der Turnhalle zu vermeiden.

Die Gemeinde Jachenau will „alle Hebel in Bewegung setzen“, damit ihre Turnhalle nicht mit Asylbewerbern belegt wird. Um ihre Quote bei der Unterbringung von Flüchtlingen anderweitig zu erfüllen, meldet sie dem Landratsamt nun den leer stehenden Gasthof zur Post als Quartier. Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend einstimmig beschlossen.

Laut dem aktuellen Verteilungsschlüssel hat die Jachenau 0,68 Prozent der Flüchtlinge im Landkreis aufzunehmen – das wären nach den derzeitigen Prognosen bis Ende des Jahres 12, bis Dezember 2016 dann 16 Personen. Zu dieser Verpflichtung hat sich die Gemeinde bereits bekannt und der Quote zugestimmt. Tatsächlich aber leben dort aktuell noch keine Flüchtlinge – und das hat dazu geführt, dass die Jachenau auf der Liste der Kommunen, deren Turnhallen im Bedarfsfall als erstes belegt werden, auf Platz zwei steht (wir berichteten).

„Das wäre fatal“, sagte Bürgermeister Georg Riesch. Denn die Halle werde für die Schüler gebraucht und für die Vereine. „Sie ist jeden Tag belegt.“ Zudem gefiel Riesch die Vorstellung nicht, dass für Menschen, die in der Turnhalle leben, speziell im Winter der Pausenhof der einzige Aufenthaltsort wäre. „Im Sommer können sie ja ins Dorf gehen, aber bei Schnee geht das so nicht.“ Auf dem Schulhof aber, „da haben Erwachsene nichts verloren“, sagte Zweiter Bürgermeister Klaus Rauchenberger. „Da wird dann auch unweigerlich geraucht“, so Riesch – wo man gerade andere Nutzer der Halle „so erzogen hat, dass keine Kippen auf dem Pausenhof zu finden sind“.

Davon abgesehen bezeichnete Riesch die Turnhalle als „nicht geeignet“ – vor allem wegen des fehlenden Kanalanschlusses. „Die Kleinkläranlage für Schule und Kindergarten ist auf 18 Einwohnergleichwerte ausgerichtet“. so Riesch. „Die kann man nicht auf einmal mit 30 Leuten füttern.“ Und wenn die Turnhalle belegt werde, dann nicht bloß mit den 12 bis 16 Personen, die die Gemeindequote vorschreibt, sondern gleich mit 30 bis 40 Menschen.

Damit es nicht so weit kommt, treibt die Gemeinde jetzt eine schon länger angedachte Lösung voran: die „Post“ zur Verfügung zu stellen. Das Gebäude ist in Gemeindebesitz. „Dort wäre eine Unterbringung möglich, da stellen wir uns nicht quer“, sagte Riesch. Eine erste Besichtigung mit Vertretern des Landratsamts habe bereits stattgefunden, eine zweite folge in den nächsten Tagen. „Die erste Einschätzung ist, dass es bei dem Gebäude nicht weit fehlt, so dass man es noch vor dem Winter belegen könnte.“ Zu klären seien noch die Punkte Abwasserentsorgung, Brandschutz und Küche. Wie viele Personen ab welchem Zeitpunkt einziehen können, werde man ebenfalls erst noch gemeinsam mit dem Landratsamt eruieren, sagt Riesch auf Rückfrage des Tölzer Kurier.

Eine Nutzung für Asylbewerber beeinträchtige jedenfalls nicht die Umbaupläne der Gemeinde für die „Post“. Wie berichtet will die Gemeinde dort Gemeindeverwaltung und Verkehrsbüro, Fremdenzimmer sowie ein Café oder Bistro unterbringen. Mit einem ersten Bauabschnitt könne man durchaus beginnen, während Asylbewerber im Haus leben, erklärte Riesch.

„Das Beste“ aber, so das Gemeindeoberhaupt, sei es, wenn Jachenauer Bürger private Unterkünfte zur Verfügung stellen würden. Die ersten hätten sich auch schon im Landratsamt erkundigt. „Das finde ich gut, dass die Leute sich Gedanken machen.“

Andreas Steppan

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