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Robert Neumeier bietet mit seiner Firma „Quad-Bayern“ geführte Touren am Walchensee an. 

Nach mehreren Unfällen

Bürgermeister will Verbot von Quad-Touren am Walchensee - Anbieter sauer

Über einen „Riesenradau“ ärgert sich der Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch. Er will Quadtouren am Walchensee verbieten und reagiert damit auf die vermehrten Unfälle mit Quads in seinem Gemeindegebiet.

Jachenau – Erst kürzlich kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einem 33-jährigen Quadfahrer und zwei Fahrradfahrern, wobei sich alle Beteiligten schwer verletzten (Lesen Sie hier den ersten Bericht zu dem gefährlichen Quad-Unfall am Walchensee).

Gegen ein Verbot sprechen sich die Anbieter geführter Quadtouren aus. „Die Seestraße für Quads zu sperren und uns damit die Durchfahrt zu verweigern, finde ich nicht in Ordnung“, meint Robert Neumeier, Betreiber von „Quad-Bayern“ in Lenggries.

Quad-Touren am Walchensee: Anbieter weist Vorwürfe zurück

Den Vorwurf, Quads seien ein „Riesenradau“ weist Neumeier entschieden zurück. „Wenn wir am Walchensee entlang fahren, machen wir weniger Lärm als ein Haufen Harleys.“ Außerdem würden nur einmal in der Woche kleine Gruppen von maximal vier Personen am See vorbeifahren.

Für hundertprozentige Sicherheit könne man nicht sorgen, dessen ist sich Neumeier bewusst. Das Risiko, bei einem Unfall mit dem Quad schwer verletzt oder getötet zu werden, ist laut einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zehnmal höher als mit einem Auto. „Um das Gefahrenpotenzial so gering wie möglich zu halten, absolvieren unsere Kunden vorher einen zweistündigen Trainingsparcours und erhalten eine Sicherheitseinweisung“, erklärt Neumeier.

Quad-Touren am Walchensee: Häufige Unfälle unerfahrener Gäste

Lesen Sie auch: Nur wenige Tage nach vor oben genannten Unfall war es am Walchensee zu einem weiteren schweren Quad-Unfall gekommen. Ein 55-jähriger Quad-Tour-Teilnehmer aus Ostfriesland hatte die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Er stürzte eine Böschung hinab.

Die Quads seien auf eine Geschwindigkeit von 75 Kilometern pro Stunde gedrosselt. „Dadurch bremsen wir den Verkehr eher aus und sorgen sogar für Sicherheit“, meint Neumeier. Ein Verbot würde Anbieter wie ihn dazu zwingen, auf alternative Routen auszuweichen.

Quad-Verbot am Walchensee: Umsetzung momentan ungewiss

Wie dieses Verbot durchgesetzt werden soll, ist momentan noch nicht klar. „Die Polizei hat keinen Einsatzschwerpunkt am Walchensee“, sagt Florian Benedikt, Chef der Inspektion in Bad Tölz. Ein mögliches Verbot könne von der Polizei sowieso nur bedingt überwacht werden. „Zuständig ist die Polizei erst, wenn eine Anzeige erstattet wird“, erklärt Benedikt. Eine mögliche Durchfahrtskontrolle an der Mautstraße müsse von Seiten der Staatsforsten erfolgen. Die Kontrolle des ruhenden Verkehrs übernimmt in der Jachenau der Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland.

Bürgermeister für Quad-Verbot am Walchensee: „Man muss handeln“

Bürgermeister Riesch lässt momentan die rechtlichen Schritte vom Landratsamt prüfen. „Ich stehe in Kontakt mit den Staatsforsten und dem Landratsamt“, sagt er. Klar sei für ihn: „Man muss handeln.“ Er appelliert an die Anbieter, sich andere Routen zu suchen. „Die Quadtouren sind ein Unsinn. Das ist nicht tragbar.“ Er schlägt vor, mit den Quads auf Kiesgruben und Parks umzusteigen.

Robert Neumeier ist der Meinung, die Jachenau setze an der falschen Stelle an. Um den Tourismus in den Griff zu kriegen, müsse man dafür sorgen, dass für Gäste ausreichend Kapazitäten geschaffen werden. „Wir sind nicht das Problem, das die Jachenau hat“, sagt Neumeier. Falls es zu einer Sperrung kommen sollte, will Neumeier nicht weichen. „Ich werde auf jeden Fall ein Veto einlegen und sei es in Form eines Anwalts.“

Von Anton Böhm

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