Das Wasser blieb kalt, die Besuchermassen blieben fern: Die Natur konnte in diesem Sommer am Walchensee durchschnaufen und eroberte sich teilweise ihr Terrain zurück.
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Das Wasser blieb kalt, die Besuchermassen blieben fern: Die Natur konnte in diesem Sommer am Walchensee durchschnaufen und eroberte sich teilweise ihr Terrain zurück.

Regen-Sommer 2021

Kaum Instagram-Touristen am Walchensee: Ranger begeistert - „Sehr angenehm“

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Nach zwei heißen Sommern mit großem Ausflügleransturm hat der Walchensee heuer eine relativ ruhige Saison hinter sich. Die Besuchermassen blieben aus. Das freut die Natur.

Jachenau – Am Walchensee lassen sich mitunter erstaunliche Spezies beobachten. Da wären etwa die Instagram-Touristen. „Die kommen nur, um ein Foto zu machen – so super gestylt, dass sie gar nicht baden gehen können“, schildert Gaby Kammerloher, die als Walchensee-Rangerin arbeitet.

Walchensee: Großer Ausflügleransturm bleibt aus - Viele Tierarten erobern Terrain zurück

Heuer aber machten sich solche Jäger effektvoller Bildmotive eher rar. Stattdessen ließen sich – gerade nachts – andere Arten blicken: „Rehe, Hirsche, Füchse, Käuze, Uhus und Waldschnepfen“, zählt Kammerlohers Kollege Hans Adlwarth auf. All diese Tiere würden sich in Abwesenheit übermäßiger Menschenmassen aus ihren Rückzugsorten hervorwagen und ihr Terrain zurückerobern, besonders nachts.

Keine Frage: Der Walchensee-Sommer 2021 steht in starkem Kontrast zu den vorangegangenen Jahren. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier ziehen die Ranger Gaby Kammerloher und Hans Adlwarth sowie Franz Steger, Leiter der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, eine aus Naturschutzsicht positive Saisonbilanz. Der Müll in der Landschaft sei um 80 Prozent zurückgegangen, sagt Adlwarth, „und es gab viel weniger Feuerstellen“.

Der früher oft zugeparkte Rettungsweg am Südufer war heuer durchgehend frei. Auch das verbotene Campen außerhalb der dafür vorgesehenen Nachtparkplätze sei deutlich zurückgegangen. Steger verzeichnete eine klare Abnahme der Ordnungswidrigkeiten-Verfahren wegen Verstößen gegen das Naturschutzgesetz – wobei er hier noch keine konkreten Zahlen herausfiltern kann. Im Landratsamt seien aktuell rund 3000 einschlägige Vorgänge in Bearbeitung, wobei auch noch Fälle aus dem Vorjahr dabei seien.

Walchensee: 80 Prozent weniger Müll - Rettungswege immer frei

Dass Flora und Fauna durchschnaufen, führen Steger und die Ranger auf verschiedene Faktoren zurück. Der Besucher-Rückgang, da sind sie sich einig, sei klar auf das Wetter zurückzuführen. „Der Winter hat sich sehr lange rausgezogen, dadurch hat sich der See nicht erwärmt“, stellt Adlwarth fest. In einem heißen, trockenen Sommer wie 2020, in dem schon im April die Sonne kräftig scheint, kann sich der immer frische Bergsee auf immerhin gut 20 Grad aufheizen.

Heuer aber, „hat es spätestens alle drei Tage reingeregnet“, so Adlwarth. Die jetzige Wassertemperatur schätzt er auf rund 15 Grad. Dadurch ändere sich nicht nur die Menge, sondern auch die Art der Walchensee-Gäste, wie Gaby Kammerloher beobachtet hat. „Es waren weniger Tagestouristen da, dafür mehr Feriengäste, die länger bleiben.“ Und bei denen hat die Rangerin mehr Interesse an Flora und Fauna sowie eine größere Aufgeschlossenheit für Naturschutzthemen festgestellt. „Mit ihnen war unsere Aufklärungsarbeit sehr angenehm“, sagt sie.

Überhaupt: Dass sich die Lage am Walchensee in vielerlei Hinsicht entspannt hat, schreibt Franz Steger auch der Arbeit der Ranger zu. Insgesamt elf von ihnen waren in diesem Sommer im Landkreis unterwegs. Sie sehen ihre Aufgabe nicht nur darin, Wildcamper, Falschparker oder illegale Griller zu überführen, sondern wollen vor allem aufklären und sensibilisieren. Gerade nachts zum Beispiel am Südufer Präsenz zu zeigen, sei dennoch wichtig.

„Es muss schon kontrolliert werden“, sagt Gaby Kammerloher. Dass die Ranger hier unterwegs sind, sei in Wohnmobilisten-Kreisen mittlerweile bekannt. Doch auch die Informationsarbeit der Ranger trägt offenbar Früchte – nicht zuletzt auch bei der einheimischen Bevölkerung. Bei ihr rückt die Schutzwürdigkeit des heimischen Naturjuwels verstärkt ins Bewusstsein. So freut sich Adlwarth, dass engagierte Bürger heuer erstmals einen Amphibienzaun an der Süduferstraße aufgestellt haben. Steger ist zu Ohren gekommen, dass manche Einheimische am Walchenseestrand ein Schraubglas dabei haben, in dem sie zuerst Zigarettenkippen einsammeln, bevor sie ihre Decke auf einer Wiese ausbreiten.

Walchensee: Orchideenwiese im Gebiet Zwergern blüht auf

Sehr wichtig ist den Rangern die Zusammenarbeit mit Polizei, Forstbetrieb, Wasserwacht und Anwohnern. „Man merkt, dass alle an einem Strang ziehen“, sagt Adlwarth. Dank der Aufgeschlossenheit der Grundeigentümer sei es zum Beispiel gelungen, im Bereich der Halbinsel Zwergern eine wertvolle Orchideenwiese zu schützen. „Da verlief vorher eine sechs Meter breite Schneise“, sagt Adlwarth – weil die Badegäste hindurchliefen oder sich ausbreiteten.

Mittlerweile seien Schilder und Zäune aufgestellt worden, um die ökologisch wertvolle Fläche zu schützen. Die Fußgänger würden von der Kapelle St. Margareth über einen kiesigen Bereich zum Ufer gelenkt. Der „Trampelpfad“ sei dadurch wieder auf einen Meter zugewachsen. Auch auf anderen Liegewiesen hat Gaby Kammerloher im Frühjahr entdeckt, welche ökologische Vielfalt hier anzutreffen ist, wenn man sie denn gedeihen lässt: von Margeriten bis hin zum seltenen gekielten Lauch. Faszinierend und ermutigend findet es Adlwarth, „wie schnell die Natur sich regeneriert“.

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