Einsatz an der steilen „Feuerwehrleiten“: Rund 50 Freiwillige packen beim Zusammen-rechen bei Letten mit an.
+
Einsatz an der steilen „Feuerwehrleiten“: Rund 50 Freiwillige packen beim Zusammen-rechen bei Letten mit an.

„Leitenheuen“ in der Jachenau ist mittlerweile Tradition

Schweißtreibender Einsatz für den Artenschutz

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
    schließen

In der Jachenau ist es schon fast so etwas wie eine Tradition – und auch heuer wieder wurde sie gepflegt. Rund 50 Jachenauer fanden sich im Sommer wieder zum „Leitenheuen“ in Letten ein.

Jachenau - Für die Beteiligten ist die schweißtreibende Arbeit an einem steilen Hang immer wieder ein Gemeinschaftserlebnis. Vor allem aber ist die Aktion ein unbezahlbarer Beitrag zum Naturschutz. Denn nur auf diese Art können der hohe ökologische Wert der Fläche und die ökologische Vielfalt darauf erhalten bleiben.

„Anstrengend ist es auf alle Fälle, da weiß man abends, was man gemacht hat“, sagt der Jachenauer Feuerwehr-Kommandant Andreas Demmel. Trotzdem sieht er den alljährlichen Arbeitseinsatz als schönen Brauch – mittlerweile wird die Fläche schon „Feuerwehrleiten“ genannt. „Die Aktion fördert den Zusammenhalt, es ist ein schönes Miteinander, wir sind ein gemischter Haufen aus Jung und Alt“, sagt Demmel. Feuerwehr-Mitglieder seien genauso dabei wie andere Jachenauer Bürger, die um der guten Sache willen ehrenamtlich mitmachen.

Vor allem profitiert die Natur

Der Einsatz verteilt sich laut Demmel auf zwei Tage: Einmal seien drei bis vier Freiwillige zu Fuß mit Motormähern am Hang unterwegs. Die große Schar der Helfer mache dann zwei Tage später beim Zusammenrechen mit. „Es dauert zweieinhalb bis drei Stunden, bis alles erledigt ist.“ Am Ende gab’s zum Dank für alle ein Grillfest.

Die Herbst-Drehwurz ist eine der seltenen Orchideen-Arten, die von der Aktion profitieren.

Vor allem aber profitiert von dem tatkräftigen Einsatz der Freiwilligen die Natur. Die Hangleiten bei Letten am Taleingang der Jachenau zählt laut Sabine Kraus, Fachkraft für Naturschutz bei der Unteren Naturschutzbehörde im Tölzer Landratsamt, „zu den größten und naturschutzfachlich wertvollsten Halbtrockenrasen des Landkreises“. „Nachdem die landwirtschaftliche Wiesheu-Nutzung aufgegeben wurde und in der Folge kein Landwirt für die Bewirtschaftung des Steilhanges mehr gefunden werden konnte, lag der Hang einige Zeit brach“, blickt sie zurück. 2008 dann habe sich die Freiwillige Feuerwehr Jachenau – damals unter Kommandant Anton Gerg – erstmals bereit erklärt, die Pflege des „naturschutzfachlich äußerst wertvollen, sehr artenreichen Magerrasens“ zu übernehmen. „Seither erfolgt die Pflege wieder einmal jährlich im Sommer.“

Sabine Kraus erläutert auch, warum das so wichtig ist. „Die Hangleiten ist Lebensraum zahlreicher stark gefährdeter Tier- und Pflanzenarten“, so die Naturschutz-Fachkraft. Allein zehn verschiedene Orchideenarten seien hier nachgewiesen.

Im Jahr 2013 gab es den Umweltpreis für das Engagement

Als Beispiel nennt Sabine Kraus die Herbst-Drehwurz (Siranthes spiralis). „Das ist eine kleine Orchideenart, die speziell auf die Sommernutzung angewiesen ist.“ Denn sie treibt erst nach der Mahd aus, um dann Ende August/Anfang September zu blühen. „Würde der Hang zu spät gemäht und die Mahd die Orchideen regelmäßig erfassen, oder würde die Nutzung gänzlich aufgegeben und die zierliche Pflanze von der dichter werdenden Vegetation beschattet, würde ihr Bestand bald verschwinden“, so Kraus. „Bei dauerhafter Aufgabe der Pflege würde der Hang mit den Jahren zudem verbuschen und sich schließlich bewalden. Als Lebensraum für zahlreiche seltene Arten des Offenlandes wäre er dann verloren.“

Mit der Fortführung der traditionellen sommerlichen Wiesheu-Nutzung in Form der jährlichen Mahd und des Herabrechens des Mähguts von der Fläche trage die Feuerwehr Jachenau mit ihren zahlreichen, fleißigen Helfern also maßgeblich zum Erhalt des Artenreichtums dieser Fläche bei. Dieses „Engagement zum „Erhalt der Artenvielfalt unserer Kulturlandschaft“ honorierte der Landkreis im Jahr 2013 mit der Verleihung seines Umweltpreises.

Darüber hinaus fördert der Freistaat die Aktion finanziell. Laut Sabine Kraus ist sie als „Kleinstmaßnahme“ im Landschaftspflege- und Naturpark-Programms (LNPR) erfasst. Rechtlich unterliege die Fläche nämlich offiziell „aufgrund des naturschutzfachlich hochwertigen Vegetationsbestandes“ dem Bayerischen Naturschutzgesetz, darüber hinaus befinde sie sich im FFH-Gebiet „Jachenau und Extensivwiesen bei Fleck“.

„Der finanzielle Zuschuss hilft uns, kurzfristig benötigte Ausrüstungsgegenstände anzuschaffen“, sagt Feuerwehr-Kommandant Demmel. Vom „Leitenheuen“ profitieren also alle Seiten.

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare