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Feiert Jubiläum: Der Schlepplift von Josef Tiefenbrunner in der Jachenau. 

Anlage in der Jachenau

Skilift feiert Jubiläum: Brettlspaß wie vor 50 Jahren

Der Lift in der Jachenau ist ein echter Geheimtipp: Skifahren fernab der großen Skigebiete zu Preisen wie vor 50 Jahren. Genau so alt ist die Anlage. Sie feiert am Wochenende Jubiläum.

Jachenau – Die jüngste Skifahrerin in der Jachenau ist zweieinhalb Jahre alt. Wenn sie aus dem Küchenfenster sieht, dass der Lift angeht, springt sie schon, um zwischen Mamas Beinen raufzufahren und die Piste runterzudüsen – an einem Seil vor ihren Eltern, damit sie nicht zu schnell wird. „Es ist schön, wenn man so was sieht“, sagt Josef Tiefenbrunner, Chef des Schlepplifts in Mühle.

Genau aus diesem Grund betreibt der 54-Jährige die Anlage in der Jachenau. „Mir gefällt der Umgang mit den Leuten, jedes Wochenende ist ein anderes Publikum da.“

Mit seinem Schlepplift fahren Besucher aus München, Feriengäste, aber auch die Kinder aus dem Dorf, die hier das erste Mal auf ihren Ski stehen. In dieser Saison hat Tiefenbrunner besonderen Grund zur Freude: Der Skilift fährt nun in seiner 50. Saison. Ein Jubiläum, das am Wochenende gefeiert wird.

Einst hat Tiefenbrunners Vater, Benedikt Tiefenbrunner, den Lift mit seinem Nachbarn Josef Utzschneider gebaut und im Dezember 1966 eröffnet. „Damals gab es einen Skiliftboom“, weiß Tiefenbrunner aus Erzählungen. Es gab bereits ein Jahr zuvor eine Anlage in Niggeln, die allerdings vor zehn Jahren geschlossen hat. In Mühle war alles Handarbeit, und die beiden Landwirte erledigten alles nebenbei. „Der Bau war schwierig“, so der 54-Jährige.

Auch der Betrieb des Skilifts war anfangs beschwerlich. „Sie haben mit einer Handpistenwalze angefangen.“ Das waren zwei Fahrradreifen mit Latten darauf und einem Eisenbügel als Handgriff. Ein Skifahrer zog das Gerät mit hinauf und ließ es bei der Abfahrt hinter sich herfahren. „Wenn der Schnee pappig war, ist sie immer höher geworden wie bei einem Schneemann“, berichtet Tiefenbrunner. Das Ergebnis war dementsprechend. „Die Pistenqualität war unter aller Sau, Buckelpiste war gang und gäbe.“ Trotzdem zogen Tiefenbrunner und Utzschneider viele Skifahrer über die Jachenauer Piste. Der Wintersport war beliebt. „Nur Ende der 70er-Jahre gab es mal einen Einbruch durch den Langlauf und die aufkommenden großen Skigebiete“, sagt Tiefenbrunner.

Heute präpariert der Jachenauer die Pisten natürlich mit einer maschinellen Pistenraupe, trotzdem ist das Meiste an dem Schlepplift immer noch Handarbeit. Die Pistenraupe kaufte er beispielsweise aus Kostengründen kaputt in Österreich, in der Jachenau wurde sie neu zusammengebaut. Das Liftstüberl wird mit Gas betrieben – ganz ohne Strom. Genau so wie der Schlepplift. Er läuft mit einem Dieselmotor, ist 450 Meter lang und hat 36 Bügel. Den Skifahrern stehen zweieinhalb Abfahrten zur Verfügung. „Bei der einen muss man ein bisschen in eine andere reinfahren“, erklärt der Lift-Chef.

Der 54-Jährige hat den Lift 1980 von seinem Bruder übernommen, der kurz darauf starb. Er hatte den Lift mit dem Vater zusammen gebaut. Deswegen ist es Tiefenbrunner besonders wichtig, den Lift zu erhalten. „Die haben sich geplagt, aber aufgehört ist schnell mal etwas.“ Tiefenbrunner betreibt die Anlage immer noch mit dem Nachbarn, Thomas Rauchenberger heißt der jüngste Erbe. Er ist erst 20 Jahre, „trotzdem lebt er das Ganze genauso wie ich“, sagt der Jachenauer.

Überhaupt packen viele aus dem Dorf mit an, dass der Lift läuft. „Erwin Stöger ist unser ehrenamtlicher Mechaniker, und viele andere Nachbarn helfen immer am Lift.“

Für so viel Engagement ist auch Bürgermeister Georg Riesch dankbar. „Das wissen wir sehr zu schätzen“, sagt er. Der Skilift sei eine wichtige Einrichtung für die Gemeinde. Dort könnten die Kinder ihren Skikurs machen, aber auch Gäste kommen gerne dorthin, „die griabig Ski fahren wollen“.

Tiefenbrunner selbst steht inzwischen mehr am Lift als auf der Piste, obwohl er genau dort das Skifahren gelernt hat. „Damals noch mit Skiern ohne Stahlkanten, mit Lederschnürschuhen und einer Seilzugbindung“, erinnert sich der 54-Jährige. Für den Wintersport hat er aber gar keine Zeit mehr.

Die Stunden, die er mit dem Schlepplift verbringt, zählt er gar nicht. Gewinn wirft der ohnehin nicht ab. „Das ist eher mein Hobby“, sagt Tiefenbrunner. Er betreibt den Skilift, damit Familien, wie die mit der jüngsten Skifahrerin der Jachenau, Freude an dem Wintersport haben. Deswegen hat er den Fahrpreis auch noch nie erhöht. 20 Fahrten kosten für einen Erwachsenen 4,50 Euro – wie vor 50 Jahren, da waren es aber noch 8 Mark.

Jubiläumswochenende:

Der Schlepplift Jachenau feiert am Wochenende seine 50. Saison. Es gibt ein buntes Programm, unter anderem mit Live-Musik und Barbetrieb im Zelt. Alle Infos im Internet auf www.skilift-jachenau.de bekannt. Geöffnet ist der Lift von 10 bis 16 Uhr.

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