+
Die Sylvensteinbrücke war zu dem Zeitpunkt, als dieses Bild entstanden ist, fast fertig, die Flutung von Alt-Fall stand kurz bevor. Maria Schwaiger (li.) aus der Jachenau hat sich im Rahmen der jüngsten Zeitungsberichte über den Speichersee an den Schnappschuss erinnert, auf dem auch ihre Freundin Wiltrud Jedlitschka (re.) zu sehen ist. Nach 50 Jahren haben sich die beiden Frauen im vergangenen Jahr wiedergesehen. 

Wiedersehen nach 50 Jahren

Historisches Bild einer großen Freundschaft

Jachenau – Als der Sylvensteinspeicher abgelassen wurde, sind viele Geschichten zutage gekommen. Eine erzählt dieses Foto. Maria Schwaiger erinnert sich an eine Freundschaft in Alt-Fall.

Das Foto zeugt nicht nur vom Bau der Sylvensteinbrücke, sondern auch von einer großen Freundschaft: 50 Jahre lang haben sich Maria Schwaiger und Wiltrud Jedlitschka nicht gesehen. Bei einem Treffen in der Jachenau verstanden sich die beiden Damen aber sofort wieder so gut wie damals in den 1970er Jahren, als die Jedlitschkas ihren letzten Sommerurlaub in der Jachenau verbracht haben.

Beide Familien verbindet aber weit mehr als schöne Ferienerlebnisse: Die Eltern von Jedlitschka hatten nach dem Zweiten Weltkrieg etwa drei Jahre lang auf dem Hof der Schwaigers gewohnt, nachdem sie aus ihrer alten Heimat im Egerland (Böhmen) vertrieben worden waren. „Damals hat so gut wie jeder Hof Flüchtlinge aufgenommen“, weiß Schwaiger aus den Erzählungen ihres Vaters. Oft entstanden auf diesem Weg lebenslange Freundschaften, so wie zwischen Schwaiger und Jedlitschka, die Ende der 1950er Jahre mit ihrer Familie nach Franken zog. Dank Briefen und später auch E-Mails ist der Kontakt zwischen den beiden Frauen nie abgerissen, obwohl sie es neben ihren beruflichen und familiären Pflichten sehr lange nicht geschafft hatten, sich zu treffen.

Im Sommer 2015 fasste sich Jedlitschka jedoch ein Herz und reiste in die Jachenau, wo sich die Freundinnen nach einem halben Jahrhundert wieder in die Arme schließen konnten. „Wir sind natürlich beide älter geworden, haben uns aber sofort erkannt“, erzählt Schwaiger. In der darauf folgenden Urlaubswoche tauschten die beiden 65-Jährigen viele Erinnerungen aus. So erfuhr Schwaiger unter anderem, dass ihre Großmutter den Heimatvertriebenen damals ein Sofa schenkte. Die Familie stellte die Couch kurzerhand auf die Ladefläche eines Lastwagens, setzte sich darauf und reiste so nach Franken. „Und das im tiefsten Winter“, weiß Schwaiger und lacht.

Fotos von dem Treffen gibt es leider nicht. Vielleicht klappt es aber das nächste Mal mit einem gemeinsamen Bild. Denn Jedlitschka betont: „Ich hoffe, es dauert nicht wieder 50 Jahre, bis wir uns wiedersehen.“

Silke Scheder

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das brauchen Senioren
Der Anteil an Hochbetagten in der Bevölkerung wird drastisch steigen. Das stellt die Gemeinden vor Herausforderungen. Die Lenggrieser Räte befassten sich nun mit dem …
Das brauchen Senioren
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Freitagabend

Kommentare