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Großeinsatz: Nach einem Tauchunfall nahe der Mautstraße Richtung Jachenau waren im Juli 2016 etliche Kräfte von Wasserwacht, BRK und Polizei im Einsatz.

Wiener ist ertrunken

Tod im Walchensee: Ist Tauchlehrer schuld an Unglück?

Bei einem Tauchunfall im Walchensee verlor ein 34-jähriger Wiener im Juli 2016 sein Leben.  Der Tauchlehrer muss sich nun wegen fahrlässiger Tötung verantworten, weil er die Ausrüstung nicht überprüft und weitere Fehler begangen haben soll.

Jachenau/Wolfratshausen„Tauchen im Bergsee“ – verpackt als Gutschein über zwei Tauchgänge mit einem erfahrenen Tauchlehrer als Guide: Am 31. Juli vorigen Jahres löste eine Wienerin (35) das Weihnachtsgeschenk ihres Vaters bei einer Münchner Tauchschule ein. Der Ausflug zum Walchensee endete in einer Tragödie. Der Lebensgefährte (34) der Frau starb in rund 40 Metern Tiefe. Der Tauchlehrer, der das Paar begleitet hatte, muss sich seit Montag vor dem Amtsgericht Wolfratshausen wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Um kurz nach 12 Uhr war das Trio an jenem Sonntag zum „Spiegel“, einer der „Sehenswürdigkeiten“ im Walchensee unterhalb des sogenannten Steinbruchs abgetaucht. Schon nach wenigen Minuten bekamen die mit Bergseen unerfahrenen Hobbytaucher Probleme.

Vor Gericht berichtete die Wienerin von Schwindelgefühlen und Übelkeit. Die Gasflasche ihres Lebensgefährten habe 110 Bar anzeigt, das Zeichen zur Umkehr. Gemeinsam startete das Paar den Aufstieg. „Aber wir waren viel zu schnell“, sagt die junge Frau. „Ich hatte einen Tiefenrausch, mir war schwarz vor Augen, alles drehte sich. Meine Gedanken haben sich überschlagen. Ich dachte, wenn ich jetzt nichts mache, werde ich hier unten bleiben.“

Der Guide hatte das Paar inzwischen eingeholt. Die Frau löste sich von den Männern. „Die zwei haben sich festgehalten, als ich sie zuletzt gesehen habe“, sagte die Taucherin. Das beruhigte sie. „Ich bin davon ausgegangen, dass er sich auskennt, wenn was passiert.“ Doch der Guide tauchte wenig später allein an der Wasseroberfläche auf.

Nun steht der Münchner Student (27), der – sehr gut ausgebildet – nebenbei als Lehrer und Guide für die Tauchschule arbeitet, vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft legt ihm unter anderem zur Last, die Ausrüstung des Wiener Paars nicht überprüft zu haben. Zudem soll er gravierende Fehler begangen haben, als der 34-Jährige in Panik geriet. „Der Angeklagte befreite sich aus der Klammerung. Das Opfer blieb ohne Sauerstoff zurück und ertrank“, steht dazu in der Anklageschrift.

Der Mann räumte ein, dass es bei dem Versuch, den panischen Taucher zu beruhigen, Probleme gegeben habe, und dass er mit seinem Gast unerklärlicher Weise „immer weiter abgesackt“ sei. „Ich frage mich seit einem Jahr, wie das möglich war“, so der Angeklagte.

Tatsächlich ging schon vor dem tragischen Unglück einiges schief, wie die Verhandlung verdeutlichte. So war der Tauchanzug des Verstorbenen mit nur fünf Millimetern Stärke für das kalte Wasser des Walchensees viel zu dünn – sieben Millimeter sollten es mindestens sein. Darauf habe sie den Veranstalter hingewiesen, erklärte die Wienerin, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt. Deshalb habe ihr Freund eine Eisweste bekommen, die er jedoch nicht angezogen hatte. Er sei davon nicht in Kenntnis gesetzt worden, beteuerte der angeklagte Guide. „Ich bin davon ausgegangen, dass einem die Tauchschule, mit der man auf Tauchgang geht, schon sagt, wenn die Ausrüstung nicht geeignet ist“, sagte die Frau.

Dann wäre vermutlich auch aufgefallen, dass der Verstorbene mit viel zu viel Blei (zwölf Kilogramm) an der Jacke ins Wasser gestiegen war. Zudem habe sie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ihr Freund „viel Luft braucht“ und 15-Liter-Flaschen geordert. „Die gab es nicht, aber 12-Liter-Flaschen seien okay“, habe sie zur Antwort bekommen. Tatsächlich standen am See jedoch nur Gasflaschen mit zehn Litern Volumen bereit – was das Wiener Paar nicht wusste. „Es war davon auszugehen, dass der Plan mit zehn Liter nicht durchgeführt werden konnte“, sagte ein Gutachter vor Gericht.

Eine klare Meinung äußerte ein Tauchlehrer-Kollege des Angeklagten. „Ein Guide ist kein Kindermädchen. Er führt. Die machen ja bei ihm keinen Kurs“, sagte der Master-Instructor. „Taucher sind ausgebildet. Sie wissen, was sie tun, und sind für sich selbst verantwortlich.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Rudi Stallein

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