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Magische Unterwasserwelt: So sieht es an der im Walchensee an der „Galerie“ aus, die hier rund 100 Meter steil abfällt. Unter Wasser ist es allerdings dunkel – es sei denn, man hat eine starke Lampe dabei.

Verhängnisvolle Gefahren

Todesfalle Walchensee? Ein Tauch-Experte klärt auf

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    Christiane Mühlbauer
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Jachenau – Wieder ist ein Taucher im Walchensee ums Leben gekommen. Es ist bereits der zweite tödliche Unfall in diesem Jahr. Ein Tauch-Experte erklärt die Gefahren des Gewässers. 

Immer wieder kommt es in dem bis zu 190 Meter tiefen Bergsee zu dramatischen Zwischenfällen. „Im Durchschnitt haben wir jedes Jahr einen toten Taucher und drei bis vier schwere Unfälle zu beklagen“, sagt Alois Grünwald, Leiter der Wasserwacht Walchensee. 

Warum der Walchensee eine Herausforderung ist, erklärt Forschungstaucher und Unterwasserarchäologe Florian Huber. Der 40-Jährige kommt aus Lenggries und ist seit Jahren auch immer wieder im Walchensee unterwegs. „Prinzipiell ist Tauchen ein sicherer Sport – wenn man sich an einige Regeln hält“, sagt Huber. Die Besonderheit am Walchensee sei, „dass man sehr schnell sehr tief ist“. 10 bis 20 Meter seien für Anfänger relativ unproblematisch. „Aber im Walchensee gibt es Steilwände, und man ist schnell auf 30 bis weit über 50 Metern.“ 

In dieser Tiefe sei es dunkel und kalt, die Sicht ist schlecht. „Da kommt dann das psychologische Moment dazu“, erklärt Huber. Es sei durchaus denkbar, dass weniger geübte Taucher in Panik verfallen, wenn man beispielsweise den Tauchpartner aus den Augen verliere. „Was dann einsetzt, ist ein Fluchtreflex – und man versucht, schnell an die Oberfläche zu kommen.“ Zu schnelles Auftauchen ist aber gefährlich. „Eigentlich gilt die Regel: Nicht schneller auftauchen als zehn Meter pro Minute“, sagt Huber. Bei größeren Tiefen müsse man zudem noch regelmäßige Dekompressionsstopps einplanen, damit der Körper mit dem sinkenden Druck zurecht kommt. „Für 50 Meter braucht man dann schon mal 15 Minuten.“ Tauche man zu schnell auf, führt das zur Dekompressionskrankheit, die beispielsweise Lähmungen oder Embolien zu Folge haben kann und im schlimmsten Fall zum Tod führt. 

Druckminderer vereist - es folgt die Panik

Für Panik könne aber auch sorgen, wenn der Druckminderer plötzlich vereist – in kalten, tiefen Bergseen, wie dem Wachensee ein durchaus denkbares Szenario. „Das heißt, aus dem Atemregler kommt nichts mehr oder es strömt extrem viel heraus. Ein Schockmoment.“ Er und seine Kollegen von „Submaris“ tauchen daher grundsätzlich mit zwei Flaschen und zwei Atemreglern. „Dann kann man innerhalb von Sekunden wechseln. Taucht man zu zweit, hat man schon vier Regler zur Verfügung und minimiert so das Risiko.“ 

Neue Tauchrekorde am Walchensee

Profi-Taucher Florian Huber hat auch die Erfahrung gemacht, dass manche Taucher an der falschen Stelle sparen. „Ab 30 Metern sollte man eigentlich mit Trimix tauchen. Das ist ein Sauerstoff-, Stickstoff-, Heliumgemisch. Viele benutzen aber einfach Pressluft, weil die günstiger und überall zu haben ist.“ 

Wer das Tauchen im Urlaub – beispielsweise in Ägypten – gelernt hat, sollte bei seinem ersten Ausflug in einen kalten Bergsee auf jeden Fall einen erfahrenen Taucher mitnehmen, sagt der Lenggrieser. „Wenn man im Warmen gelernt hat, ist es schon was anderes, wenn man beispielsweise plötzlich Handschuhe trägt und damit die Geräte bedienen soll.“ Generell bekomme man heute einen internationalen Tauchschein sehr schnell. „Dafür reichen schon acht Tauchgänge. Danach kann man aber nicht tauchen“, sagt Huber. Alle Tauchverbände würden Anfängern daher empfehlen, nicht tiefer als 20 Meter zu gehen.

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