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Die errechneten Überschwemmungsgebiete und die Folgen stellten (mittlerer Tisch, v. re.) Anton Höck vom Wasserwirtschaftsamt, Cornelia Breiter vom Landratsamt sowie Dora Schulze (WWA) im „Schützenhaus“ vor.

Überschwemmungsgebiete

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

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Die Berechnung soll Klarheit und Sicherheit bringen, ist aber auch mit Fragen und Befürchtungen verbunden. Deshalb blieben Diskussionen nicht aus, als das Wasserwirtschaftsamt jetzt vorstellte, welche Gebiete an Jachen und Großer Laine als Überschwemmungsgebiete festgesetzt werden sollen.

Jachenau– Welche Gebiete sind überschwemmt, falls es ein 100-jährliches Hochwasser gibt? Mit dieser Frage haben sich Experten des Wasserwirtschaftsamts (WWA) Weilheim auseinandergesetzt und eine entsprechende Landkarte für die Bereiche an Jachen, Großer Laine sowie am Walchensee erstellt. Die betroffenen Flächen – so schreibt es das Gesetz vor – sollen nun offiziell als Überschwemmungsgebiete ausgewiesen werden. Den Stand der Dinge stellten am Mittwochabend Dora Schulze und Anton Höck vom WWA sowie Cornelia Breiter, Sachgebietsleiterin Wasserrecht am Landratsamt, im Jachenauer „Schützenhaus“ vor.

„Wir stellen den Ist-Zustand dar, wie ihn die Natur vorgibt“, erklärte Höck den etwa 40 Zuhörern. Die Ermittlung der Überschwemmungsgebiete beruhe auf aufwändigen Methoden wie Befliegungen mit Laserscan und hydrologischen Berechnungen. „Nur wenn ich eine Gefahr kenne, dann kann ich etwas dagegen unternehmen. Das sollte im Interesse jedes vernünftigen Bürgers liegen.“

So uneingeschränkt positiv wollten es aber nicht alle Anwesenden betrachten. Was wohl viele beschäftigt: Wie beschränkt das Überschwemmungsgebiet das Recht der Bürger, dort zu bauen? „Wo Baurecht besteht, wird es nicht genommen“, erklärte Schulze. „Die Verordnung schafft Klarheit, was erlaubt ist“, sagte Breiter. „Wenn jemand ein Gebäude errichten will, prüft das Wasserwirtschaftsamt, unter welchen Bedingungen es geht. Wenn zum Beispiel der Keller abgedichtet wird oder Schächte eingebaut werden, kann es möglich sein.“

Wird das Bauen dadurch komplizierter? Die Experten verneinten das und erinnerten an das Prozedere bei der Ausweisung des Jachenauer Baugebiets Friedelweide. Das liegt im faktischen, aber noch nicht offiziell festgesetzten Überschwemmungsgebiet. Mit viel gutem Willen sei dort das Bauen ermöglicht worden. „Aber es wäre einfacher und wahrscheinlich schneller gegangen, wenn das Überschwemmungsgebiet schon festgelegt gewesen wäre“, meinte Höck.

„Wenn ein Landwirt vorhat, im Überschwemmungsgebiet einen Stall zu bauen – was er genehmigungsfrei kann – geht das noch?“ fragte Gemeinderat Peter Krauß. „Er kann bauen, braucht aber zusätzlich eine wasserrechtliche Genehmigung“, so Breiter. „Das wird für den einzelnen ein Antrag mehr“, stellte der Lenggrieser Bauamtsleiter Anton Bammer fest.

Der Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch kritisierte, dass das WWA noch nicht berechnet habe, wie es sich auswirken würde, wenn ein Vorschlag der Gemeinde umgesetzt wird: nämlich das Wasser des Alpenbachs, das bei Hochwasser in die Jachen fließt, in einem Rückhaltebecken zu sammeln. „Wir können keine Planung berücksichtigen, die es noch gar nicht gibt“, sagte Schulze. Doch sobald sich die realen Gegebenheiten ändern, würde das eingearbeitet. „Das Überschwemmungsgebiet ist nicht in Stein gemeißelt.“ Da reagierte Zweiter Bürgermeister Klaus Rauchenberger skeptisch: „Die gleichen Märchen haben sie uns bei den FFH-Gebieten auch erzählt.“ Vom Vorgehen bei den FFH-Flächen wolle man sich bewusst absetzen, entgegnete Höck.

Rauchenberger missfiel zudem, dass weder Sturzbäche bei Starkregen noch Geschiebeveränderungen nach Gewittern im Modell berücksichtigt seien.

Dass konkrete Schutzmaßnahmen nötig sind, ergibt sich aus der Festlegung von Überschwemmungsgebieten aktuell übrigens nicht. An der Jachen gebe es keine Gefährdung, so WWA-Experte Höck. Und um den Ortsteil Setzplatz vor der Ausuferung der Großen Laine zu schützen, ist ohnehin bereits der Bau von Mauern und Deichen vorgesehen (wir berichteten). Gerade das sei aber ein gutes Beispiel dafür, dass eine Hochwasserschutzmaßnahme in Angriff genommen wird, „nicht weil der Ortsteil schon einmal massiv abgesoffen ist, sondern weil man vorher ermittelt hat, welche Gefährdung da ist“, so Höck.

Handlungsbedarf sahen die Anwesenden aber an einer Stelle: Bei Hochwasser kann nahe Leger die Staatsstraße 2072 in einer Mulde überflutet und die Zufahrt in die Jachenau somit abgeschnitten werden. Schulze empfahl, dieses Problem dem Straßenbauamt vorzutragen.

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