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In St. Heinrich hat ein Wolf vor Kurzem Schafe gerissen. 

Unruhe in den Bergen

Wegen Wolf: Almbauer lässt Vieh im Tal

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Die Anwesenheit eines Wolfs im Landkreis beunruhigt die Almbauern. Einer zieht jetzt Konsequenzen – sehr zum Bedauern des Almwirtschaftlichen Vereins.

Jachenau/Gaißach – In St. Heinrich hat der Wolf vor Kurzem Schafe gerissen. Seitdem sind die Landwirte in Aufregung, fürchten, dass sich das Raubtier wieder ansiedeln könnte. Ein Bauer aus der Jachenau hat nun für sich Konsequenzen gezogen: Er wird seine Tiere zumindest in diesem Jahr nicht auf seine Alm treiben. „Ich habe noch versucht, es ihm auszureden“, berichtet Georg Mair, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins (AVO). „Es ist die schlechteste Reaktion, die man jetzt zeigen kann.“ Allerdings hat er auch Verständnis für den Kollegen. „Er hat einfach Sorge, weil er die Sache nicht im Griff hat“, sagt Mair. „Seine Alm ist unmöglich einzuzäunen.“ Aufgrund der Lage drohen die Tiere abzustürzen, sollten sie unruhig werden, weil sie etwa vor dem Räuber fliehen wollen.

Dazu kommt, dass kürzlich im Dietramszeller Ortsteil Lochen eine Herde aus unbekannten Gründen ausbrach. Sie wieder einzufangen, war ein schwieriges Unterfangen. Zwei Tiere mussten dafür betäubt werden. Diese Herde gehört einer Verwandten des Jachenauer Almbauern. Ob allerdings der Wolf die Tiere erschreckte oder einfach nur ein Hund, ist nicht klar. Normalerweise hatte der Almbauer bei sich auch Pensionsvieh auf der Weide stehen. Dessen Besitzer hat er inzwischen informiert, dass es in diesem Jahr nicht kommen kann.

„Ich habe befürchtet, dass manche Almbauern Konsequenzen ziehen“, so Mair. Bislang sei dies aber glücklicherweise ein Einzelfall. Werden die Tiere allerdings mehrere Jahre in Folge nicht auf die Almen getrieben, drohen diese zu verbuschen. „Das passiert schneller, als man denkt“, sagt Mair. Almen seien kleine Oasen inmitten des riesigen Waldgebiets. Gerade dort, in der Jachenau, wo der betroffene Bauer seine Alm hat, seien fast 100 Prozent Wald vorhanden. „Das wäre ein herber Verlust, wenn diese wegfallen würde.“

Mair betont, dass die Almbauern für die Artenvielfalt sorgen würden. „Wir haben mehrmals darauf hingewiesen, dass auch andere Arten ihren Lebensraum brauchen. Aber anscheinend wird dem Wolf alles untergeordnet.“

Wie sich seine Kollegen verhalten sollten? „Einen Ratschlag gibt es da nicht“, sagt der Gaißacher. „Man kann nur hoffen, dass nichts passiert.“ Denn sich gegen den Wolf zu schützen, sei fast unmöglich. „Man bräuchte einen mindestens 1,60 Meter hohen Zaun, der nicht untergraben werden kann“, sagt Mair. Das Problem: „Der Wolf lernt dazu, er ist sehr intelligent.“ So habe er stets Mittel gefunden, an Herden heranzukommen. „Im Endeffekt müssen wir Almbauern es drauf ankommen lassen. Die Chance ist sehr groß, dass nichts passiert.“

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