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Ortstermin mit (v. li.) Jachenaus Bürgermeister Georg Riesch sowie Franz Speer und Karl Probst vom Verein „Rettet die Isar jetzt“. Hier nimmt der Alpenbach noch seinen natürlichen Lauf. Ein Stück weiter wird er in Richtung der Turbine des Niedernacher Kraftwerks umgeleitet.

„Rettet die Isar jetzt“

Verein fordert: Den Bächen mehr Wasser lassen

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Im kommenden Jahrzehnt bietet sich die Chance, neue Bedingungen für diese Wassernutzung der Isar und ihrer Zuflüsse zu verhandeln. Der Verein „Rettet die Isar jetzt“ arbeitet seine Forderungen aus – bis hin zum Rückkauf des Walchenseekraftwerks durch den Staat.

Jachenau– Ein großer Einschnitt steht bevor: Die Wasserrechte, die dem Energiekonzern Uniper die Nutzung der Gewässer rund um den Walchensee zur Energiegewinnung ermöglichen, laufen aus. Im Hinblick darauf bringt sich auch der Verein „Rettet die Isar jetzt“ bereits in Stellung. Der Vorstand rund um den Vorsitzenden Karl Probst erläuterte nun in einem Pressegespräch, welche Forderungen der Verein – 1974 gegründet als „Notgemeinschaft“ – für die Neuverhandlung der Wasserrechte stellen will. Im Mittelpunkt steht der Wunsch, dass für alle Flüsse und Bäche, aus denen Wasser abgeleitet wird, eine ausreichende Restwassermenge garantiert wird. Das betrifft neben der Isar selbst auch Jachen, Riß-, Fisch-, Kranz- und Fischbach.

Um die bestehenden Probleme zu veranschaulichen, hatte der Verein nun zu einer Rundfahrt geladen, an der auch der Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch teilnahm. Nicht jeder hat vor Augen, wo genau und in welchem Ausmaß der Mensch in den Lauf von Gewässern eingegriffen hat. Deutlich sichtbar ist es am Wehr in Niedernach, im Wald nahe dem Walchensee. Dort ist die Stelle zu sehen, an der der verlegte Rißbach aus einem Rohr aus dem Fels schießt und zusammen mit dem Alpenbach vom Wehr zurückgehalten und großteils zum Niedernacher Kraftwerk und dann in den Walchensee umgeleitet wird.

Der Alpenbach würde normalerweise in die Jachen und von dort in die Isar fließen. Stattdessen bietet sich ein Stück weiter ein anderes Bild: Über weite Strecken liegt das Bett der Jachen trocken. Erst durch den Zulauf einiger Rinnsale kommt im weiteren Verlauf wieder etwas Wasser hinein. „Früher war die Jachen eines der fischreichsten Gewässer Bayerns“, sagte Riesch.

Ganz anders sieht es im Hochwasserfall aus. Dann werden am Niedernacher Wehr die Schleusen geöffnet, der Alpenbach ergießt sich in Richtung Jachen und schwillt zusammen mit dem kleinen Zufluss Eibenlaine derart an, dass bis zu 38 Kubikmeter pro Sekunde hindurchfließen. Um die Jachen im Hochwasserfall zu entlasten, hat Riesch die Idee entwickelt, den Alpenbach so umzuleiten, dass er in Walchensee fließt. „Im See würde man diese Menge gar nicht merken, aber in der Jachenau würde es die Überflutungen verringern“, so Riesch. Die jetzige Vorgehensweise umschrieb Probst so: „Zur Stromgewinnung nehmen sie das Wasser weg, und bei Hochwasser lassen sie den ganzen Dreck in die Jachenau fließen.“

Die Jachen, einst fischreichster Fluss Bayerns, liegt heute streckenweise trocken.

„Sie“, damit ist Uniper gemeint. Noch bis 2030 hat der Konzern das vom Freistaat verliehene Recht, die Isar und ihre Zuflüsse zu nutzen. Damit sich die Genehmigung nicht automatisch verlängert, muss der Freistaat sie 2020 kündigen. Dass dies passiert, scheint sicher. „Wir haben bei allen Landtagsfraktionen vorgesprochen, alle haben signalisiert, dass sie die Kündigung unterstützen“, sagte Probst.

Für ein neues Nutzungsrecht des Wassers können dann veränderte Konditionen ausgehandelt werden. Neben der Vorgabe bestimmter Restwassermengen dringt „Rettet die Isar jetzt“ auf Fischauf- und Absteigshilfen an allen zur Energieerzeugung errichteten Ableitungen und Querbauwerken. Zudem solle Uniper zu einer besseren Instandhaltung seiner Anlagen verpflichtet werden.

Und dann ist da noch ein großes Ziel: „Am besten wäre, wenn das Walchensee-Kraftwerk wieder dem Freistaat gehören würde“, formulierte es 2. Vorsitzender Franz Speer. „Dass man es verkauft hat, war ein großer Fehler“, meinte Probst. „Das war damals der Zeitgeist, dass man alles privatisieren wollte.“ Seiner Einschätzung nach ließe sich heute über Naturschutzbelange besser mit dem Staat verhandeln „als mit einem Privaten, der nur an Gewinnmaximierung interessiert ist“. Diesen Eindruck bestätigte Riesch, der aber ebenso betonte: „Wir müssen auch sehen, was das Walchenseekraftwerk der Region alles gebracht hat. Nur hat man beim Bau vor 90 Jahren noch vieles anders gesehen und nicht alle Folgen gekannt.“

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