Alle Hände voll zu tun hatten fünf Helfer der Wasserwacht sowie Walchensee-Ranger Johann Adlwarth mit dem Abbau einer Steinmauer, hinter der sich ein großer Feuerplatz verbarg.
+
Alle Hände voll zu tun hatten fünf Helfer der Wasserwacht sowie Walchensee-Ranger Johann Adlwarth mit dem Abbau einer Steinmauer, hinter der sich ein großer Feuerplatz verbarg.

Zeugen hatten Hilferufe gehört

Am Walchensee: Wasserwacht holt Männer und Kind von verbotener Insel - und entdeckt auch noch Bauwerk

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
    schließen

Einsatz am Walchensee für Wasserwacht und Ranger: Sie holten Menschen von der Insel Sassau und fanden ein illegales Bauwerk.

Kochel am See/Jachenau – Der Walchensee ist ein beliebtes Ausflugsziel – vor allem aber auch ein wichtiges Rückzugsgebiet für seltene Tiere und Pflanzen. Mit dem Schutz der intakten Natur hatten jetzt zwei ungewöhnliche Einsätze zu tun, die die Wasserwacht und den Walchensee-Ranger Johann Adlwarth beschäftigten.

Walchensee: Vermeintliche Hilferufe von der Insel Sassau

Wie die Wasserwacht Walchensee berichtet, hatten Passanten am Mittwoch gegen 20.30 Uhr einen Alarm abgesetzt, weil sie glaubten, Hilferufe von der Insel Sassau zu hören. Die ehrenamtlichen Helfer trafen dort drei Männer und ein Kind aus dem Raum Stuttgart an. Deren Schreie hatten aber nichts mit einer Notlage zu tun, sondern mit der Gaudi, die sie veranstalteten. Sie hatten die Insel mit einem Gummiboot angesteuert und nach eigenen Angaben keines der Hinweisschilder zum Betretungsverbot gesehen. Weil zwei von ihnen unterkühlt waren, brachte die Wasserwacht sie ans Ufer.

Wenn jemand nichts von Betretungsverbot weiß, „gehen wir mit denjenigen in Dialog“, sagt dazu Ranger Adlwarth. Auch die Stuttgarter zeigten sich laut Wasserwacht einsichtig. „Aber einige wissen es, und trotzdem fahren immer wieder Stand-up-Paddler oder Bootsfahrer die Insel an“, bedauert Adlwarth. Dabei darf man sich Sassau auf 50 Meter nicht einmal annähern.

Walchensee: Neue Schilder sollen auf Betretungsverbot für Insel Sassau hinweisen

Der Ranger erinnert daran, dass die Insel ein wichtiger Lebensraum unter anderem für die Mittelmeermöwe, verschiedene Entenarten, für Fledermäuse oder Eiben sei. „Hier will man die Natur ungestört sich selbst überlassen“, erklärt Adlwarth und fragt: „Muss man denn überall hin? Kann man diesen kleinen Platz nicht der Natur lassen? Ich kann doch auch nicht zu anderen ins Schlafzimmer gehen und dort Krawall machen.“

Damit das Betretungsverbot weniger übersehen wird, sollen demnächst neue Schilder aufgestellt werden – auf der Insel selbst sowie im nahe gelegenen Uferbereich bei Niedernach. Um für diese Arbeiten die Insel betreten zu dürfe, brauchen die Ranger übrigens selbst eine Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern.

Hinter einer Mauer am Walchensee-Ufer verbirgt sich Feuerstelle

Bei der „Rettungsaktion“ an Mittwochabend fiel den Helfern der Wasserwacht auf dem Weg von Sassau Richtung Niedernach am Ufer eine dünne Rauchsäule auf. Eine spätere Nachschau ergab: Im Bereich „Buchenort“ zwischen Sassau und Sachenbach verbarg sich hinter einer aus Steinen aufgetürmten Mauer eine Feuerstelle. An dieser Art privatem Bade- und Grillplatz befanden sich laut Wasserwacht auch ein Grillrost sowie als Vorrat aufgeschichtetes Feuerholz. Die dort angetroffene Person, die aus der „näheren Umgebung“ stamme, habe Unverständnis geäußert, wo das Problem liege.

Die Antwort gibt Adlwarth: Das Feuermachen ist in dem Gebiet nämlich streng untersagt und mit Bußgeld belegt. „In der Nähe ist Rotwild zu Hause“, sagt er. „Wenn die Tiere das Feuer riechen, ist das für sie ein Waldbrand, und ihr Fluchtinstinkt schaltet sich ein.“ Das bedeute für die Tiere eine enorme Stresssituation – noch dazu in einer Zeit, in der sie gerade eineinhalb bis zwei Wochen alte Kälber hätten.

Darum ist das Feuermachen am Walchensee verboten

Adlwarth verweist zudem auf die krebserregenden Kohlenstoffe, die zurückbleiben und ins Wasser gelangen. Auf der Hand liegt die Waldbrandgefahr. „Viele haben nicht den Funkenflug im Auge.“ Dadurch sei ein Lagerfeuer auch dann ein Risiko, wenn es sich weit weg vom Waldrand befinde.

Der Mauerbau ist zwar nicht direkt verboten. Adlwarth hat trotzdem eine klare Meinung dazu. „Die Natur hält für den Menschen doch alles bereit. Muss man da bauliche Maßnahmen ergreifen?“ Der Ranger fordert dazu auf, nachzudenken, ob man durch das Versetzen der Steine Tiere stört, seien es Fisch-Laichplätzen im Wasser oder Schlangen an Land.

Beim Abtragen der Mauer am Walchensee kommen Schlangen zum Vorschein

Als fünf Helfer der Wasserwacht und Adlwarth am Freitag die Steine abtrugen, kamen prompt zwei Ringelnattern und eine Kreuzotter zum Vorschein. Die sechs Beteiligten waren eineinhalb Stunden mit dem Abbau der Mauer beschäftigt, die laut Wasserwacht drei Meter lang und einen Meter hoch war. Lisa Grünwald von der Wasserwacht: „Das war ein richtiges Bollwerk. So was haben wir noch nicht gesehen.“

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare