(v. li.) Johannes Hörmann, Sylvester Noder, Leni Rieger und Regina Wurmer halten „Hasi" auf dem Arm.
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Kinder liebten „Hasi“: Der weiße Hase gehörte auf der Jocheralm zu den Lieblingen von (v. li.) Johannes Hörmann, Sylvester Noder, Leni Rieger und Regina Wurmer. Die vier sind die Kinder von Freunden der Wirtsleute. Sie basteln nun ein Kreuz für das Grab des getöteten Tieres.

Kinder sehr traurig

Hüttenwirte verzweifeln an Alm-Touristen: Hund beißt beliebten “Hasi“ grausam tot - Besitzer bleibt eiskalt

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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„Hasi“ musste sterben. Der Hund eines Alm-Touristen hat das beliebte Haustier der Jocheralm grausam getötet. Der Hunde-Besitzer blieb eiskalt. Die Wirtin schäumt vor Wut.

  • Pudelmischling läuft trotz Leinenpflicht auf der Jocheralm frei herum und tötet Hasen der Wirtsleute.
  • Wirtepaar platzt der Kragen: Die beiden fordern mehr Respekt von den Wandereren vor der Natur.
  • Schon den ganzen Sommer über kämpfen Marile Jungkunz und Josef Hörmann gegen die Rücksichtslosigkeit manchner Gäste.

Jachenau/Mittenwald – Ein Sommer als Hüttenwirte hat gereicht, um Marile Jungkunz und Josef Hörmann zu desillusionieren. „Wir sind einfach traurig, schockiert und zornig über die Menschheit“, schreibt das Paar in einem Beitrag auf Facebook. Gepostet hatten die Wirte der Jocheralm diese Worte am Dienstagabend – kurz nachdem der Hund eines Gastes ihren Hasen totgebissen hatte. Das war der Auslöser. Gründe für ihre öffentliche Empörung aber gibt es sehr viele mehr.

Jocheralm/Mittenwald: „Hasi“ von Hund totgebissen - Wirtsleute schockiert über respektlose Gäste

„Die Menschheit wird immer unverschämter, rücksichtsloser und unfreundlicher gegenüber der Natur und unseren Tieren“, sagt Marile Jungkunz. Die 21-Jährige denkt zum Beispiel an Kinder, die große Steine in den Trog werfen, während die beiden Pferde daraus trinken. Oder an Buben und Mädchen, die mit den Füßen nach den acht Hühnern treten. Und sie denkt an Heranwachsende, die den 40 Jungrindern auf der Alm mit Ästen auf die Nasen schlagen – und sich dabei „halb tot lachen“.

Die wohl jüngsten Hüttenwirte Deutschlands: Marile Jungkunz (re.) und Josef Hörmann, hier mit Bernadette Jungkunz. Ihre erste Saison auf der Jocheralm erschütterte ihren Glauben in die Menschheit.

Jocheralm/Mittenwald: Respektloser Umgang mit der Natur - „Die Kinder können nichts dafür...“

Neulich ist der Mittenwalderin der Geduldsfaden gerissen. „Ich habe sie angeschrien, dass sie sofort aufhören sollen“, sagt Marile Jungkunz. „Sie haben aber einfach weitergemacht.“ Die Wirtin wandte sich an die Eltern. Allzu eilig hatten es die aber auch nicht damit, ihrem Nachwuchs Einhalt zu gewähren. „Die Kinder können nichts dafür, wenn sie es zuhause nicht lernen“, findet Marile Jungkunz.

Für Ärger auf der Jocheralm hoch über dem Walchensee sorgt immer wieder auch die Anleinpflicht. Überall weisen Schilder die Hundehalter darauf hin, dass ihre Vierbeiner auf einer Alm an die Leine gehören. „Kühe sehen Hunde als Wolf“, erklärt Marile Jungkunz. Deshalb gehen die Rinder sofort in den Angriffsmodus über, wenn sie einen Vierbeiner sehen. Das kann gefährlich werden, auch für die Menschen. Trotzdem halten sich viele Hundehalter nicht an die Leinenpflicht.

Leinenpflicht auf Jocheralm ignoriert: Wirtsleute trauern um ihren „Hasi“

So wie die beiden Männer, die am Dienstag gegen 18 Uhr auf der Jocheralm um etwas zu trinken baten. Die Hütte hatte zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen. Trotzdem schenkte die Wirtin noch etwas aus. „Wir lassen niemanden verdursten.“ Die Entscheidung bereute sie schnell: Trotz mehrfacher Aufforderung leinten die beiden Männer ihren Pudelmischling nicht an. „Sie haben überhaupt nicht reagiert.“ Anfangs blieben die Wirte freundlich. Als das Tier in die Vorbereitungskammer der Hütte ging, warf es der Hausherr aber raus.

Marile Jungkunz putzte zu diesem Zeitpunkt die Pferde – und musste aus nächster Nähe zusehen, wie der Hund in das Hasen-Gehege eindrang und das Tier am Genick packte. „Hasi hat vor Schmerz gepfiffen“, schildert Marile Jungkunz. Sie selbst fing an zu schreien. Josef Hörmann kam aus der Küche gerannt und packte den Hund. Der ließ den Hasen zwar los. Das Genick aber war bereits gebrochen.

Nach tödlichen Bissen gegen Hasen der Jocheralm: Hundehalter entschuldigten sich nicht einmal

Was Marile Jungkunz fast noch mehr verstört als der gewaltsame Tod des geliebten Haustieres: „Die Männer haben sich nicht mal entschuldigt.“ Aufgelöst wie sie war, verwies die Wirtin die beiden der Alm, ohne sie nach den Namen zu fragen. Konsequenzen hat der Fall für die unbekannten Hundehalter also keine. „Ich hätte auch gar nicht die Kraft für eine solche Auseinandersetzung“, sagt Marile Jungkunz.

Nach einem Sommer auf der Alm ist es die Wirtin leid zu diskutieren – egal ob über die Masken- oder die Anleinpflicht. Nicht mehr so nett will sie künftig sein, wenn sich Gäste respektlos ihr, der Natur oder den Tieren gegenüber verhalten. Viele lassen ihren Müll liegen. Die meisten schütteln nur den Kopf oder lachen über die junge Frau, wenn sie sie auffordert, ihre Hunde an die Leine zu nehmen. „Künftig werde ich wohl sagen: anleinen oder gehen.“ Wenn etwas passiert, haften schließlich die Wirte und der Bauer.

Ans Aufhören denken die wohl jüngsten Hüttenwirte Deutschlands trotz allem nicht. „Die allermeisten Gäste“, sagt Marile Jungkunz, „sind sehr nett.“

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