Die neuen Parkautomaten am Walchensee-Südufer sind seit Mitte Juli in Betrieb. Fällig wird ein Tarif von fünf Euro pro Tag – zusätzlich zu den fünf Euro Maut.
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Die neuen Parkautomaten am Walchensee-Südufer sind seit Mitte Juli in Betrieb. Fällig wird ein Tarif von fünf Euro pro Tag – zusätzlich zu den fünf Euro Maut.

Gemeinde will vorerst nichts ändern

Neue Parkgebühren am Walchensee: Ausflügler bleiben aus - Wirte leiden unter Gästeschwund

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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An den neuen Parkgebühren, die seit einigen Wochen am Walchensee-Südufer erhoben werden, regt sich Kritik. Das bekommen gerade einige Gastronomen in der Jachenau zu spüren.

Jachenau - Bei den Wirtsleuten kommen viele Rückmeldungen von Gästen an, die nicht gewillt sind, für den Badeausflug insgesamt zehn Euro zu berappen, sich teils verprellt fühlen – und in der Folge nicht selten ganz ausbleiben. Die Wirte würden sich zumindest wünschen, dass es gestaffelte Parkgebühren gibt.

Parkgebühren am Walchensee: „Bekommen am Tag zehn bis 20 Beschwerden von Gästen“

„Die Stimmung am Walchensee ist nicht gerade positiv – das ist Fakt“, sagt der Wirt der „Waldschänke“ in Niedernach, Georg Baumgartner. „Wir bekommen am Tag zehn bis 20 Beschwerden von Gästen, die sich massiv über die Parkgebühren auslassen“, berichtet er. Bei „Super-Wetter“ sei sein Lokal weiterhin gut frequentiert. Aber gerade „bei mittlerem Wetter“ habe er normalerweise viele Gäste, die nur zum Kaffeetrinken kommen. Für die stehe es nun in keinem Verhältnis mehr, dass sie allein für Maut und Parken zuerst einmal zehn Euro zahlen müssen.

Neue Parkgebühren am Walchensee: Gasthof beklagt „Rückgang um 30 Prozent“

Doch auch Betriebe, die nicht direkt am See liegen, merken das Minus. „Sobald das Wetter etwas schlechter ist und man nicht baden geht, sondern eher spazieren, haben wir im Vergleich zu früher einen Rückgang um 30 Prozent“, sagt Petra Schwaab vom Gasthof Jachenau. Der Wirtin zufolge brechen die Gäste weg, die nur kurz an den See und auf der Rückfahrt einkehren wollen. Dabei stellt sie klar: „Wir sind nicht gegen die Parkgebühren. Für den ganzen Tag sind fünf Euro in Ordnung.“

Walchensee: Weniger Gäste am Abend - Wirt schlägt „Kurzparkregelung“ vor

Eine „Kurzparkregelung“ fände auch Richard Jakob vom „Café 7 1/3“ sinnvoll – sei es, dass die ersten zwei Stunden Parken am See gratis wären oder ein oder zwei Euro kosten würden. Als Problem betrachtet er aber auch die in seinen Augen unglückliche Außendarstellung der Walchensee-Region. Es habe gerade aus Richtung Kochel einige „Äußerungen zum Thema Tagestourismus gegeben, die die sachliche Ebene verlassen haben und bei den Leuten nicht gut angekommen sind“.

Dies sei wahrscheinlich nur einer von mehreren Faktoren, die heuer zu einem Gästerückgang führen, meint Jakob. „Da spielen die Parkgebühren eine Rolle, die epidemische Lage und auch das wechselhafte Wetter.“ Fakt sei aber: Das „Café 7 1/3“ habe heuer deutlich weniger Gäste, die auf dem Heimweg vom See noch etwas essen oder trinken wollen. „Das Abendgeschäft auf unserer Terrasse findet praktisch nicht mehr statt.“

Klar erkennbar sei auch, dass es weniger Ausflügler gebe, die eine Runde um den ganzen Walchensee drehen. Wünschenswert wäre aus Jakobs Sicht, dass es eine einheitliche gemeindeübergreifende Parkregelung am Walchensee gäbe, dass die Autofahrer zum Beispiel mit einem Tagesticket genauso im Ort Walchensee (Gemeinde Kochel) parken könnten wie am Südufer (Jachenau), ohne zweimal zu bezahlen.

Neue Parkautomaten am Walchensee: Bürgermeister will Situation beobachten

Der Jachenauer Bürgermeister Klaus Rauchenberger zeigt zwar Verständnis für die Nöte der Gastronomie, ist aber nicht bereit, die Parkgebühren gerade einmal wenige Wochen nach Aufstellen der Automaten umzukrempeln. „Wir haben immer gesagt, wir beobachten das eine Saison lang, dann schauen wir, ob wir nachjustieren müssen.“ Dass heuer am Walchensee weniger los ist, liegt seiner Meinung nach in erster Linie am Wetter. Auch vor Installation der Parkautomaten sei deswegen schon weniger Betrieb gewesen.

Rauchenberger verweist auf die hohen Kosten der Gemeinde: allein 40 000 Euro für mobile Toiletten, dazu Uferpflege, Müllbeseitigung und die Pacht für die Parkplätze an die Staatsforsten. Die Einführung von Parkgebühren sei zudem „keine Erfindung der Jachenau“, sondern im Zusammenhang des von Landkreis und Staatsregierung mitgetragenen Walchensee-Konzepts zu sehen. Dass Autofahrer kostenlos bis direkt ans Ufer eines Sees fahren können, das gebe es sonst auch nirgends.

Bei der Gemeinde seien noch keine Beschwerden von Autofahrern angekommen – dafür umso mehr von Wohnmobilisten, die nun je zehn Euro Maut und Parkgebühr bezahlen müssen. „Die Beschränkung auf drei Parkplätze am Südufer wird nicht angenommen“, stellt Rauchenberger fest. Zu dem Thema gingen täglich „dutzende bitterböse, teils beleidigende E-Mails ein“.

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