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Vom Flachmann bis zum Schlüsselanhänger bestickt Heidemarie Wagner vielerlei Objekte mit individuellen Motiven.

Heidemarie Wagner im Porträt 

Wie sich eine Jachenauerin mit einer Stickwerkstatt eine Existenz aufbaute

Heidemarie Wagner hat gleich zwei Ziele verwirklicht, von denen viele Menschen träumen. 2015 verbrachte sie einen Sommer auf der Alm. Danach machte sie sich selbstständig – und zwar mit einer eigenen Stickerei in der Jachenau.

Jachenau – Es ist ein Lebensmotto für Powerfrauen: „Wenn ich mal keine Energie mehr habe, denke ich daran: Ein Marathon hat 42 Kilometer, und da würdest du auch nie nach 39 Kilometern aufhören.“ Heidemarie Wagner hat mit dieser Einstellung umgesetzt, was sich viele nicht trauen. Sie baute sich eine eigene Existenz auf. „Alpenstick“ heißt ihre Firma, und der Name ist Programm. In der Jachenau besticken, nähen und bedrucken Wagner, ihre Tochter und eine weitere Mitarbeiterin, was das Zeug hält.

In der Stickwerkstatt stehen Stick-, Näh- und Transferdruckmaschinen. Sie sind Wagners Rüstzeug zum Erfolg. Auf dem Computer ist das Programm geöffnet, mit dem sie aus PDF-Dateien, die ihr die Kunden zusenden, sogenannte Stick-Dateien macht. Mit diesen Dateien kann die Stick-Maschine die Vorlage der Kunden dann in Stoff oder Filz stechen.

Vier Minuten für einen Schriftzug

Weiß glänzen die Profi-Geräte im Raum, ein Touchscreen ist an ihnen angebracht. Damit erteilt Wagner dem Gerät per Fingerdruck Befehle. Auf dem Bildschirm sind Informationen über den Stickauftrag zu sehen: „Einen Schriftzug auf einen Schlüsselanhänger zu sticken, dauert beispielsweise vier Minuten,“ sagt Wagner und zeigt auf die entsprechende Information auf dem Bildschirm. Hinter den Maschinen sind Garnrollen in allen Farben des Regenbogens aufgereiht.

Wagner gelangte über Umwege ins Stick-Geschäft. Die 47-Jährige ist gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau. „Dann kamen drei Kinder, und danach arbeitete ich eine Zeit lang im Marketing.“ Später wechselte sie zur Firma Extra-Textildruck. „Dort habe ich wahnsinnig viel gelernt“, sagt Wagner. „Eigentlich wurde ich fürs Büro eingestellt, aber irgendwie machte jeder alles.“ Einmal in der Woche arbeitet sie immer noch bei dem Unternehmen und kooperiert auch als Selbstständige immer wieder mit ihm. Wagner stickt für die Rosenheimer, die wiederum bedrucken Wagners Textilien im Siebdruckverfahren. „Ich habe in meinem Leben die Marketingseite und die Veredelungsseite kennengelernt, das kommt mir jetzt sehr zugute“, sagt Wagner. Veredelung bedeutet: Textile Rohware mit Druck oder Stick aufzuwerten.

Wagner stickt nicht nur für Großkunden

2015 entschloss sich Wagner zur Selbstständigkeit. Und sie traf noch eine andere mutige Entscheidung. „Von Juni bis Oktober 2015 bin ich auf die Bichler Alm gegangen, um mir eine Auszeit zu nehmen.“ Auf der bewirtschafteten Alm backte sie Brot und Kuchen im Holzofen und kümmerte sich um die Kälber. „Auf der Alm lernt man, eins nach dem anderen zu machen.“

Das Besondere bei „Alpenstick“: Wagner stickt nicht nur für Großkunden, sondern auch für Privatleute. „Es gibt ganz wenige Stickereien, die auch Kleinkunden bedienen, die Einzelstücke wollen.“ Der Renner unter ihren Produkten: Wollfilzmäntel für Klopapierrollen. Wagner bestickt sie mit lustigen Sprüchen, wie „Klugscheißer“, „Wisch und Weg“ oder „Happy End“.

Nora Linnerud

Lesen Sie auch: Existenzgründerin Sigrid Baumann - Dauerlauf in die Selbstständigkeit

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