Susanne Wiliams aus der Jachenau segelt mit einem Wikingerschiff von Durban nach Kapstadt.
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Susanne Wiliams aus der Jachenau segelt mit einem Wikingerschiff von Durban nach Kapstadt.

Mit Axt im Gepäck

Jachenauerin segelt mit Wikingerboot über Ozeane - und will damit die Welt retten

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Die selbst geschmiedete Axt ist beim Check-in als „Gartengerät“ deklariert. Mit ihr und einem Wikingerboot besegelt Jachenauerin Susanne Williams die Weltmeere - mit großen Zielen.

  • Susanne Williams ist eine moderne Wikingerin. 
  • Die Jachenauerin ist Teil der „Midgard Expedition“ und auf der Suche nach nachhaltigen Lösungen für Zivilisationsprobleme.
  • Dafür sticht sie mit einem Team in einem Wikingerschiff in See.

Jachenau – Susanne Williams hat eine Wikinger-Axt geschmiedet. Stunde um Stunde bearbeitete sie das Metall. Am Donnerstag verstaute die Jachenauerin die Axt in einem schwarzen Hartschalenkoffer. Als „Gartengerät“ deklariert – das geschah in Absprache mit der Fluglinie – machte sich das gute Stück mit der 50-Jährigen auf die Reise nach Südafrika. 

Dort wird Williams in Durban ein Wikingerboot besteigen und die Küste entlang bis Kapstadt segeln – der Auftakt für eine weltumspannende Mission. Die Jachenauerin ist Teil der „Midgard Expedition“ rund um Björn Heyerdahl, Enkel des norwegischen Forschungsreisenden Thor Heyerdahl. „Es wird das größte Abenteuer meines Lebens“, sagt Williams, die seit neun Jahren in der Jachenau lebt.

Midgard Expedition: Auf der Suche nach Lösungen

Die Crew der „Midgard Heeron“ wird sich auf die Suche machen. Finden will sie nachhaltige Lösungen für Probleme der modernen Welt. 

  • Wie lässt sich Wasser mithilfe von Pflanzen entsalzen? 
  • Wie kann man aus Müll Energie gewinnen? 
  • Wie kann es gelingen, eine Wüstenlandschaft in fruchtbares Land zu verwandeln?

Überall auf der Welt gebe es Menschen, die Lösungen für Probleme wie diese gefunden haben. „Auch die Isar-Renaturierung ist ein Beispiel, wie man mit einfachen Mitteln eine große Veränderung erzielen kann – in Sachen Hochwassermanagement und auch für die Fischpopulation“, sagt die Jachenauerin. Es gehe darum, diese guten Beispiele zu sammeln und vor allem darum, die Erfahrungen und Erkenntnisse mit möglichst vielen Menschen zu teilen.

Video: Wikinger Runenstein weist auf Angst vor Klimakatastrophe hin

Fünf Jahre wird das Wikingerschiff unterwegs sein

Insgesamt fünf Jahre läuft das Projekt, das mit Hilfe von Sponsoren finanziert wird. In dieser Zeit sollen alle Kontinente bereist werden. Teile der Mannschaft werden dabei wechseln. 

Susanne Wiliams aus der Jachenau segelt mit einem Wikingerschiff von Durban nach Kapstadt.

Auch Williams wird nicht immer an Bord sein, die Jachenauerin hat schließlich noch einen ganz normalen Job. Die Noch-Britin, die gerade die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hat, hat eigentlich „Management Science“ studiert. Sie arbeitete in Führungspositionen in großen Unternehmen. Derzeit ist sie für die Gartner Group tätig, ein Anbieter, der Marktforschungsergebnisse und Analysen über Entwicklungen in der IT anbietet. „Auch hier geht es darum, Lösungen zu finden – nur eben im IT-Bereich“, sagt Williams.

Susanne Williams koordinierte die Suche nach dem Wanderer Jeff Freiheit

Daneben führt die 50-Jährige eine Art zweites Leben. Als Teil der „Bushcraft Akademie“ lehrt sie Kunden, wie man in der Wildnis (über-) lebt. Sie erklärt beispielsweise, wie man eine Nacht im Freien ohne Ausrüstung übersteht, wie man ein Iglu baut oder sich im Gelände orientiert. Als der kanadische Wanderer Jeff Freiheit im Sommer 2018 im Isarwinkel vermisst wurde, koordinierte Williams die Suche der freiwilligen Helfer. Eine Gruppe um die Jachenauerin fand den Toten gut drei Wochen nach seinem Verschwinden am Fuß der Achselköpfe.

So sieht die Midgard Heeron aus.

Auf dem Boot ist Williams „die Assistentin des Bootsbauers und irgendwie Mädchen für alles“, sagt sie. Außerdem kümmert sie sich um das Segel. „Wenn etwas kaputt ist, muss ich es reparieren.“ Dafür hat sie im Vorfeld gelernt, wie man ein Segel näht. Ein kleines hat sie für ihr Kanu gefertigt, ein weiteres für das Wikingerboot eines Freundes, das am Walchensee liegt.

Sie kann ein Segel nähen, navigieren und Flöte spielen

Dass sie ein Segel nähen kann, ist aber nicht die einzige Fertigkeit, durch die Williams die Crew bereichert. Sie kann segeln, navigieren, klettern, tauchen, kann Seile herstellen und hat Grundkenntnisse im Schreinern und Schmieden. 

Nicht zu vergessen: Sie spielt Flöte. Und das ist nur eine kleine Auswahl der Talente, die in ihrem Profil aufgelistet sind. Außerdem strahlt Williams immer viel Optimismus aus, ihr Tatendrang ist praktisch nicht zu bremsen, und sie will unbedingt Neues lernen. Damit sie körperlich fit genug für die Tour ist, hat sie ein Jahr lang hart trainiert – immer unterstützt von ihren „Bushcraft“-Kollegen. Jetzt schafft sie locker 25 Klimmzüge und kann beispielsweise zwei Kilometer im offenen Wasser schwimmen. „Trotzdem bin ich die Schwächste in der Crew“, sagt Williams und lacht. Glücklicherweise sei es nicht ihre Aufgabe zu rudern.

Wissenschaftler und Visionäre treffen

Am Freitag hat Williams die „Midgard Heeron“ zum ersten Mal gesehen. Bevor die Reise losgeht, werden nun eine Woche lang Starts und Anlandungen geübt. Das ist wichtig, damit die Crew ein Gefühl für das Boot bekommt und später mit den Herausforderungen des Indischen und Atlantischen Ozeans zurechtkommt. Es ist aber auch wichtig, damit die Einzelkämpfer zu einem Team zusammenwachsen. Dann beginnt die zweiwöchige Reise. Viele Zwischenstopps sind geplant, um Wissenschaftler zu treffen, Visionäre oder einfach Menschen, die eine gute Idee hatten, um die Zivilisationsprobleme zu lösen. Übernachtet wird in Zelten.

Diese Axt hat die Jachenauerin geschmiedet. 

Williams freut sich auf die kommenden Wochen, und natürlich ist sie ein wenig aufgeregt – auch, weil sie nicht ganz immun gegen Seekrankheit ist. Im Gepäck hat sie übrigens nicht nur die Axt, sondern auch ein Trachtenkleid. „Ich habe im Internet gesucht, wie Kleider von Wikingern ausgesehen haben. Meine Tracht schaut aus wie ein Wikinger-Sommerkleid“, sagt sie und lacht.

Die geschmiedete Axt bleibt immer an Bord

Warum orientiert sich die Expedition eigentlich an Wikingern? Es gehe um deren Entdeckergeist, deren Leben im Einklang mit der Natur, deren Unerschrockenheit und deren handwerkliche Fähigkeiten. „Und sie waren mit ähnlichen Problemen wie wir konfrontiert“, sagt Williams. „Für die zweitgeborenen Söhne gab es keinen Platz, nicht genug Fische, kein Land. Also mussten sie aufbrechen, um etwas Neues zu finden.“

Vier Wochen pro Jahr möchte die Jachenauerin mit der „Midgard Heeron“ unterwegs sein. Nach Afrika wird Europa im Mittelpunkt der Expedition stehen. Dort führt der Kurs von Oslo zum Schwarzen Meer. Aber auch in der Zeit, in der Williams nicht mit von der Partie ist, wird ein kleines Stück Jachenau die modernen Wikinger begleiten: Die geschmiedete Axt der 50-Jährigen bleibt stets an Bord.

Weitere Infos midgardexpedition.com

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