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Mit einer Decke versuchte Sonja Waldherr, dass trächtige Tier zu wärmen.

Tragischer Vorfall

Verletzte Rehgeiß flüchtet vor Hund in den Walchensee - Jäger trifft tödliche Entscheidung

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Ein trauriges Ende fand Mitte der Woche das Leben einer Rehgeiß am Walchensee-Südufer. Ein Jäger tötete das trächtige Tier mit einem Messer, um es von seinem Leiden zu erlösen. Ein wildernder Hund hatte es offenbar verletzt.

Jachenau – Sonja Waldherr traut ihren Augen nicht: Eine Rehgeiß schwimmt direkt auf ihren Angelplatz am Südufer des Walchensees zu. „Ein gesundes Reh würde das nie tun“, schießt es der Tölzerin durch den Kopf. In der Ferne hören sie und ihr Mann aufgeregtes Gebell. Erst später an diesem Mittwoch wird ihnen klar: Die Rehgeiß rannte anscheinend auf der Flucht vor einem wildernden Hund ins Wasser.

Der zuständige Jäger bestätigt diesen Verdacht: Er findet Bissverletzungen am Hinterlauf des Tieres. Er trifft eine schwere Entscheidung: Mit einem gezielten Messerstich durchtrennt er das Rückgrat und beendet das Leben der Rehgeiß – und damit auch das des ungeborenen Kitzes in ihrem Bauch. Sonja Waldherr ändert ihren Gefühlsstatus auf Facebook auf „stocksauer“. Sie postet zwei Bilder von der verängstigten Rehgeiß mit den großen dunklen Augen und schreibt dazu: „Leint’s Eure Hunde an, verflixt.“

Flucht ins Wasser: Trotz schwerer Verletzungen am Hinterlauf schwamm die Rehgeiß durch den kalten Walchensee. Am Südufer schleppte sie sich an Land. 

Jäger in der Kritik

Diesem Appell kann sich der Tölzer Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann nur anschließen. Er spricht für den besagten Berufsjäger. Der arbeitet für den Forstbetrieb und soll aufgrund der zahlreichen negativen Kommentare in den sozialen Medien anonym bleiben. Das Tier hätte zum Tierarzt gebracht werden sollen und nicht dem „abschussgeilen Jäger“ gezeigt werden dürfen, lautet einer der netteren Kommentare bei Facebook. Ein anderer Nutzer spricht sogar von „Doppel-Mord“.

Dass sich die Wut vieler nun gegen den Jäger und nicht gegen den Hundehalter richtet, ärgert Plochmann. „Es war die richtige Entscheidung das Tier von seinem Leid zu erlösen.“ Die Verletzungen seien erheblich gewesen, habe ihm der Jäger berichtet. Die Rehgeiß hätte den Hundeangriff vermutlich nicht überlebt. Zumal sich ihr Gesamtzustand zusehends verschlechtert habe.

Das bestätigt auch Sonja Waldherr. „Das Reh kam aus dem Zittern gar nicht mehr raus.“ Plochmann spricht von Schnappatmung und einer regelrechten Schockstarre. Menschliche Hilfsversuche – auch durch einen Tierarzt – stressen laut Plochmann das Tier nur zusätzlich. „Das ist wahre Tierquälerei.“ Die Viecher verstünden nicht, dass man ihnen helfen wolle und litten Todesqualen. Das Beste sei es deshalb in solchen Fällen, gebührenden Abstand zu dem Wildtier zu halten und die Polizei anzurufen. So hatte es auch das Ehepaar Waldherr am späten Mittwochnachmittag gemacht. Die Beamten verständigten daraufhin den zuständigen Jäger.

Keine Anzeige gegen Unbekannt

Für den bedeutete die „hässliche Situation“ ebenfalls puren Stress, betont Plochmann. Es sei nicht leicht, ein Tier mit einem Messer zu töten. „Es war aber der schnellste Weg.“ Ein gezielter Stich zwischen den Atlas- und den ersten Wirbel führe extrem rasch zum Tod. Außerdem handelte es sich um die sicherste Lösung für die Schaulustigen am Walchensee-Südufer. „Eine Kugel stellt immer ein unkalkulierbares Risiko dar.“

Von einer Anzeige sieht der Forstbetrieb ab. „Das wäre eine Schaufenster-Aktion“, sagt Plochmann. Denn von dem Halter, der seinen Hund unangeleint laufen ließ, fehlt jede Spur. Sonja Waldherr hofft, dass sich durch ihren Facebook-Post und den Zeitungsartikel noch Zeugen finden, um den Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Und sie hofft, dass der eine oder andere Halter seinen Vierbeiner in Zukunft in der freien Natur an die Leine nimmt. Den Hunden, sagt sie, könne man keinen Vorwurf machen, sie handelten instinktiv. Der Rehgeiß hilft das nicht. Sie tut Waldherr unendlich leid. „Ihr Tod war so sinnlos.“

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