Der Kirchsee zog zuletzt viele Spaziergänger und Schlittschuhfahrer an. Mittlerweile liegt das Eis aber unter einer dicken Schneeschicht, und mit den erwarteten steigenden Temperaturen dürfte die Gefahr steigen.
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Der Kirchsee zog zuletzt viele Spaziergänger und Schlittschuhfahrer an. Mittlerweile liegt das Eis aber unter einer dicken Schneeschicht, und mit den erwarteten steigenden Temperaturen dürfte die Gefahr steigen.

Viel los, aber keine Probleme mit Abstandsregeln

Wintersportler zieht es ins Tölzer Land: „Die Leute sind sehr diszipliniert“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Langlaufen, Schlittschuh fahren oder rodeln: Viele Menschen zog es am Wochenende im Tölzer Land in die Natur. Das wird viel diskutiert - vor Ort aber nicht zwangsläufig als problematisch empfunden.

  • Anders als die Nachbarn in Miesbach hat der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen kein Ausflugsverbot erlassen.
  • Am Wochenende waren viele Langlauf-Pisten gespurt, auf dem zugefrorenen Kirchsee konnte man spazieren gehen oder Schlittschuh laufen.
  • Obwohl es viele Menschen in die Natur zog, wird kaum von Problemen mit Abstandsregeln berichtet - eher schon mit Wildparkern.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Natur genießen im Winter-Wunderland: Dieser Verlockung folgten am Wochenende bei reichlich Schnee viele Ausflügler und Wintersportler und kamen ins Tölzer Land. Das sorgt in Corona-Zeiten zwar für Diskussionen – wird vor Ort aber nicht unbedingt problematisch gesehen. Denn die Gäste verhalten sich offenbar überwiegend vernünftig.

In der Jachenau waren die Loipen gespurt. Und prompt war der Andrang am Samstag „gewaltig“, wie Bürgermeister Klaus Rauchenberger berichtet. „Die Parkplätze in Tannern und Leger waren am Samstag voll belegt.“ Auch im Dorf hätten viele Langläufer ihr Auto abgestellt. Etwas ruhiger ging es am Sonntag zu. Laut Rauchenberger war aber „für das schlechte Wetter noch relativ viel los“.

Auf der Loipe in der Jachenau wird automatisch Abstand gehalten

Die Wintersportler hätten sich allgemein „sehr diszipliniert verhalten“, sagt der Bürgermeister. Auf der Loipe seien die Menschen ja automatisch gezwungen, Abstand zu halten. „Für mich war es wichtiger, das Verhalten an den Einstiegspunkten zu beobachten.“ Aber auch da sei es zu keinerlei Gedränge gekommen. Spezielles Augenmerk galt dem schmalen Weg zur Außentoilette des Café Dannerer. Aufgrund des vernünftigen Verhaltens der Menschen sei es jedoch nicht eng geworden, stellt Rauchenberger fest. „Wäre es anders gewesen, hätten wir noch ein extra Dixi-Klo für die Herren aufgestellt.“ Im Dorf hat die Gemeinde für die Besucher zwei Dixi-Klos zur Verfügung gestellt, ein weiteres steht am Parkplatz in Niggeln.

Vereinzelt bekam der Bürgermeister Kritik zu hören, warum die Gemeinde überhaupt die Loipen spure. Doch die Besucher kämen so oder so, entgegnet Rauchenberger. Als noch kein Schnee lag, seien die Ausflügler scharenweise auf Jochberg und Hirschhörnlkopf gegangen. „Und auf einem schmalen Steig ist der Abstand schwieriger einzuhalten als auf der Loipe.“ Als wenig Schnee lag, seien die ersten Langläufer „kreuz und quer“ durch die Landschaft gefahren – „mit den entsprechenden Auswirkungen aufs Wild“. Wenn aber die Loipe präpariert sei, dann laufe im wahrsten Sinn alles in geregelten Bahnen.

Auf dem zugefrorenen Kirchsee ist genug Platz für alle

„Man merkt schon, dass es die Leute ins Freie zieht, ihnen fällt die Decke auf den Kopf“, hat auch der Sachsenkamer Bürgermeister Andreas Rammler in seinem Gemeindegebiet beobachtet. Dementsprechend tummelten sich an den beiden vergangenen Wochenenden viele Menschen am Kirchsee, zum Spazierengehen oder Schlittschuhlaufen. „Der Vorteil ist, dass auf dem zugefrorenen See genug Fläche für alle da ist“, sagt Rammler. In Sachen Abstände sei somit „alles okay“. Diesbezügliche Beschwerden seien ihm nicht zu Ohren gekommen.

Ein größeres Problem sei es, dass einige Ausflügler an der Straße vom Reutberg Richtung Kirchsee, dort, wo die Loipe verläuft, ihr Auto neben der Straße im Naturschutzgebiet abstellten. „Das war auch nicht die Masse, vielleicht 15 bis 25 Fahrzeuge – aber sie standen eben in Bereichen, wo Autos nicht zu stehen haben.“ Sie seien an die untere Naturschutzbehörde gemeldet worden, die nun Bußgelder erlasse.

„Wer sich normal aufführt, ist hier herzlich willkommen“

Josef Wohlmuth, Liftbetreiber am Streidlhang am Brauneck, ärgert sich allein über die Frage, ob es am Wochenende einen „Andrang“ gegeben habe. „Überhaupt nicht“, sagt er. „Bei uns am Hang waren schon Leute da, aber nur vielleicht die Hälfte von dem, was wir diesen Winter schon hatten.“ Für ihn gilt die Devise: „Wer sich normal aufführt, der ist hier herzlich willkommen.“ Und die Leute verhielten sich auch vernünftig. Man könne die Münchner nicht jetzt aussperren, und später in normalen Zeiten sagen: „Jetzt kommt bitte wieder her.“ Für Wohlmuth ist es auch widersinnig, dass man zwar langlaufen und Schlitten fahren darf, die Skilifte aber geschlossen bleiben müssen.

Jörg Findeisen registrierte unterdessen mit Befremden die Scharen an Ausflüglern, die am Samstag den Herzogstand und Heimgarten aufsuchten – und das trotz Lawinenwarnstufe 4. „Manche haben eine Ausstattung, mit der es sogar schwer wäre, über die Kaufinger Straße zu kommen“, wundert er sich. Weil wegen des vielen Schnees öffentlichen Parkplätze nur begrenzt nutzbar waren, hätten viele kreuz und quer geparkt. „Es war halt das übliche Chaos.“

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