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Yaks vor dem „Fleckhauser Hof“: Andrea und Sepp Meßmer mit zwei Rindern ihrer exotischen Herde. 

Exotische Zucht

Yaks in der Jachenau: Tibetische Hochlandrinder gedeihen prächtig im „Sonnental“ 

Am „Fleckhauser Hof“ in der Jachenau lebt seit Kurzem eine Yak-Herde. Und die Gruppe wächst: Sechs der zotteligen Exoten sind trächtig.

JachenauFriedlich grasen Emma, Elsa, Heidi, Lieselotte, Greta, Ronja und Ziani auf den hügeligen Wiesen am „Fleckhauser Hof“ in der Jachenau. Stier Valentin wacht über seine Damenschar, schließlich tragen sie wertvollen Nachwuchs: Sechs von ihnen sind trächtig. Drei kleine Yak-Babys sind schon auf der Welt. Andrea und Sepp Meßmer sind aufgeregt deswegen. Denn abgesehen davon, dass sie ihre Tiere inzwischen lieb gewonnen haben, ist es auch der Beginn ihrer Yak-Zucht, die sie auf ihrem Nebenerwerbshof etablieren wollen. Seit etwa zwei Jahren leben die tibetischen Hochlandrinder im „Sonnental“, und sie haben dort ein kleines Paradies vorgefunden.

Früher standen bei den Meßmers Pinzgauer Rinder im Stall und auf der Weide. Aber es stellte sich heraus, dass sie einfach zu viel Arbeit machten. Sepp Meßmer (56) trauert seinen Tieren noch ein bisschen nach, denn sie waren „wie Kuscheltiere“ für ihn. Doch er sagt auch, dass das Ehepaar das Los aller Nebenerwerbslandwirte teile und immer versuchen müsse, alles unter einen Hut zu bringen: Hof, Tiere, hauptberufliche Tätigkeit, Familie.

Meßmer ist als Inhaber einer eigenen Firma viel unterwegs und wollte es seiner Frau nicht mehr zumuten, sich täglich um die Kühe und den Stall zu kümmern. Andrea Meßmer ist außerdem auch anderweitig gefragt: Sie ist Malerin, unter anderem bekannt aus der Künstlerinnengruppe „Females“ um die Galeristin Patrizia Zewe, die regelmäßig Ausstellungen in München für sie organisiert (wir berichteten). Sie hat zwei Söhne und macht derzeit außerdem eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin. Dennoch, ganz auf Tiere verzichten wollten die Meßmeers nicht, und so brachte ein Zeitungsartikel über einen Yak-Hof in Taufkirchen den Anstoß. „Wir sind dorthin gefahren und haben sie uns angeschaut“, erzählt Andrea Meßmer. „Wir waren gleich fasziniert von der Ruhe, die sie ausstrahlen. Man kommt wirklich runter, wenn man mit ihnen umgeht – aber man muss auch Zeit mitbringen. Sie lassen sich nicht zur Eile treiben.“

Landschaftspflege der anderen Art

Weitere Recherchen ergaben, dass eine Yak-Haltung auf dem „Fleckhauser Hof“ geradezu eine Win-Win-Situation für Mensch und Tier sein würde. Die Böden der Auenlandschaft, aus denen die 50 Hektar Land der Meßmers bestehen, sind ideal für Yaks. Sie sind magere Kost gewöhnt und mit den Gräsern, Wildkräutern und Wiesenblumen bestens bedient. Sie übernehmen damit außerdem die Landschaftspflege in einem Umfang, der mit anderen Nutztieren nicht möglich ist.

Im Winter gibt es Heu aus der eigenen Ernte. Sie sind 24 Stunden am Tag draußen, brauchen keinen Stall und kommen mit den Jahreszeiten gut zurecht. „Kalt mögen sie besonders. Im Winter fahren sie absolut in den Ruhemodus und lassen sich auch einfach mal einschneien“, berichtet Andrea Meßmer. Man könne sie auch mal ein paar Tage allein lassen mit einer Extraportion Heu als Vorrat, und sogar die Klauenpflege der robusten Wildrinder sei kein Thema, weil sie sich die Klauen selbst abwetzen. Die Fellpflege ihrer Tiere allerdings betreibt die 48-Jährige regelmäßig. Denn aus den ausgekämmten Haaren lässt sich außerdem noch Wolle spinnen. Für diese Fertigkeit hat sie extra einen Spinnkurs bei Salzburg belegt.

Yak-Fleisch in Bio-Qualität

Die Yak-Zucht betreibt das Ehepaar unter den strengen Auflagen der Demeter-Zertifizierung eines „gesamtökologischen Biobetriebs“, denn die Meßmers möchten ihre Yak-Produkte und das Fleisch in 100-prozentiger Bioqualität anbieten. Inzwischen hat sich die Herde auch an Hof und Familie gewöhnt. Die Yaks seien nun ein bisschen wie Haustiere, sagt Andrea Meßmer lachend. Trotzdem sollten gerade Fremde auf der Hut sein; Yaks haben mächtige Hörner, und es ist nicht mit ihnen zu spaßen, wenn sie sich bedroht fühlen.

Die Meßmers sind die ersten und bislang einzigen Züchter der zotteligen Exoten im Tölzer Land. Deshalb haben sie sich dem Verein der Yakrinderzüchter angeschlossen. Er firmiert unter „Bavaria Bio Yak“ und sind im Internet unter www.bio-yak.de zu finden.

Kürzlich war das Bayerische Fernsehen zu Besuch: In der Reihe „Zwischen Spessart und Karwendel“ wird es demnächst einen Beitrag über die Meßmers und ihre Yaks geben. Allerdings wollte das Filmteam nochmals kommen, wenn der Nachwuchs da ist. Der genaue Sendetermin wird dann noch bekannt gegeben.

Spitzname: „Grunzochsen“

Inzwischen hat die kleine Herde einen Spaziergang gemacht und sich zwischendurch im Bachbett erfrischt. Jetzt stehen die Tiere hinter dem Zaun, der an den Garten des Wohnhauses grenzt, und es ist nicht zu überhören, woher ihr Spitzname kommt: Sie werden auch „Grunzochsen“ genannt. Ines Gokus

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