Eine Brücke auf dem neuen Jachenauer Radweg
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Sehr gut angenommen wird das bereits fertige Teilstück des Radwegs durchs Jachental. Doch über die nächsten Bauabschnitte gibt es Diskussionen.

Disput zwischen Gemeinde und Landratsamt

Zähes Ringen um den Jachenauer Radweg

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Beim Weiterbau des Jachenauer Radwegs geht es nicht so recht vorwärts. Die Gemeinde sieht die Schuld beim Landratsamt. Das weist die Vorwürfe nun aber zurück.

Jachenau – Deutliche Kritik hatte der Jachenauer Bürgermeister Klaus Rauchenberger kürzlich an der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) geübt: Ihre Forderungen würden die jahrelangen Planungen für den nächsten Bauabschnitt des Radwegs durchs Jachental „zurück auf Null“ werfen“ (wir berichteten). Auf Anfrage des Tölzer Kurier nimmt die Behörde nun Stellung. „Die Untere Naturschutzbehörde hat kein Interesse daran, das Verfahren zu bremsen“, erklärt Landratsamt-Sprecherin Marlis Peischer. Doch eine „genaue Prüfung“ sei eben nötig.

Landratsamt: „Naturschutz hat viele Facetten“

„Grundsätzlich ist es mit Blick auf den Naturschutz im Allgemeinen zu befürworten, wenn das Radfahren als Alternative beziehungsweise Ersatz für den motorisierten Individualverkehr gefördert wird“, so Peischer. „Aber Naturschutz besteht eben nicht nur aus der Minimierung von Abgasen, sondern auch aus vielen anderen Facetten. Zum Beispiel auch daraus, wie ein Eingriff in die Natur für einen Radweg zu bewerten ist.“ Dazu nennt sie die Stichworte „Versiegelung“ und „Veränderung eines Lebensraumes“.

Bei dem Streit geht es um das Teilstück zwischen Niggeln und der Schule. Hier hat die Gemeinde, die für die Planung zuständig ist, bereits mehrere Varianten geprüft und möchte für die RadwegTrasse nun am liebsten auf einem Stück das Bett der Jachen verlegen. Doch diese Maßnahme fiele in FFH-Gebiet. Rauchenberger hatte beklagt, dass die UNB dafür nun eine neue FFH-Verträglichkeitsprüfung verlange.

Gemeinde betont, in der Vergangenheit einige Varianten geprüft zu haben

Vom Grundsatz her könne der Jachen-Verlegung durchaus zugestimmt werden, sagt Peischer. Doch sei noch weitere Vorarbeit „in Zusammenarbeit mit der Gemeinde“ nötig. Eine FFH-Verträglichkeitsprüfung sei laut Gemeinde zwar vorhanden, liege der UNB aber nicht vor. „Diese ist vom Vorhabensträger zu aktualisieren und einzureichen.“ Dabei stellt Peischer ausdrücklich klar: „Es muss keine neue Kartierung von Arten und Lebensräumen durchgeführt werden.“

In jedem Fall müsse die FFH-Verträglichkeitsprüfung die Prüfung von Alternativen beinhalten. Komme eine Alternative aus Sicht eines Beteiligten nicht in Frage, dann müsse das gut begründet werden.

Rauchenberger verweist darauf, dass die Gemeinde in den vergangenen Jahren bereits diverse Varianten überprüft habe. Eine sei an Grundstücksverhandlungen gescheitert. Eine weitere Trasse führt über eine vorhandene Gemeindeverbindungsstraße und eine Hofstelle. Dies lehne der betroffene Landwirt ab, so Rauchenberger. Und auch der Bürgermeister hält nichts von dieser Variante. Denn diese Verbindung werde auch von der Müllabfuhr und für land- und für forstwirtschaftlichen Verkehr genutzt und auch Vieh sei dort unterwegs. „Außerdem verläuft das so weit abseits, dass die Nutzer vermutlich nicht den Umweg in Kauf nehmen und dann doch wieder auf der Staatsstraße fahren“, meint Rauchenberger. „Wir können das alles noch zehnmal prüfen, aber wir werden zu keinem anderen Ergebnis kommen.“

Es gäbe noch eine Notlösung - „die ist aber nicht unser Favorit“, sagt der Bürgermeister

Als „Notlösung“ könnte er sich allenfalls vorstellen zu akzeptieren, dass der Radweg auf 200 bis 300 Metern auf einer Auskragung über dem Bach gebaut wird. „Das ist aber nicht unser Favorit.“ Denn die Auskragung sei nicht schön, könne Kinder zu gefährlichen Kletterübungen verleiten und sei auch unter Gesichtspunkten des Winterdienstes bedenklich. Davon abgesehen hatte der Freistatt – er würde den Bau bezahlen – signalisiert, dass ihm diese Variante zu teuer wäre.

Das Wasserwirtschaftsamt übrigens hätte weder gegen die Auskragung noch gegen die Bachbett-Verlegung prinzipiell etwas einzuwenden, wie Abteilungsleiterin Dora Schulze gegenüber dem Tölzer Kurier erklärt. „Es passiert öfters aus verschiedenen Gründen, dass ein Gewässer verlegt wird“, sagt sie. „Das ist ein großer Eingriff, aber nicht unmöglich.“ Voraussetzung sei, dass sich nichts an den Überschwemmungsgebieten sowie an Durchfluss-Menge und -Geschwindigkeit ändere. „Es dürfen keine Nachteile für Dritte entstehen.“ Das könne die Fachebörde erst beurteilen, wenn eine konkrete Planung vorliege. „Aber es gibt keinen Grund, es im Vorfeld abzulehnen.“

Wie geht es nun weiter? Landratsamt-Sprecherin Peischer erläutert: „Wenn dann die aktualisierte FFH-Verträglichkeitsprüfung vorliegt, wäre der weitere Vorgang, dass diese durch die Gemeinde der höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberbayern vorgelegt wird.“ Dort werde entschieden, ob es zu einem „Natura-2000-Ausnahmeverfahren“ komme.

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