Finger weg von Süßigkeiten, Alkohol oder Zigaretten: Jeder zehnte Deutsche will in der Fastenzeit auf etwas verzichten. Andere schreiten zu medizinischen Fastenkuren. Foto: MM-Archiv

Jeder lässt etwas anderes weg

Bad Tölz - Für die einen geht es ums Abnehmen, für andere eher um den Verzicht auf Genussreiches: Fasten liegt im Trend.

Die Zeit bis Ostern steht für viele Menschen im Zeichen des Verzichts. Dabei gibt es viele Arten des Fastens. Für die einen geht es um religiöse Besinnung, andere wollen ein paar Pfunde verlieren oder etwas für die Gesundheit tun.

Als „Initialzündung zur Veränderung der Lebensführung“ bezeichnet der Tölzer Heilpraktiker Markus Merklinger das Fasten. Das können wohl viele Anhänger des freiwilligen Verzichts in den Wochen vor Ostern unterschreiben - auch wenn diese Veränderung sich auf ganz verschiedene Aspekte beziehen kann.

Aus Sicht der evangelischen Pfarrerin Antonia Janßen aus Kochel geht es beim Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel vor allem um die Besinnung aufs Wesentliche. „Die Frage, auf was ich verzichten kann, ist beim Fasten von zentraler Bedeutung“, sagt sie. Diesen Zweck erfülle zum Beispiel auch das Konsum- oder Fernsehfasten.

Für Leo Sobik, katholischer Pfarrer in Wackersberg, führt die Entsagung zu einer engeren Bindung an Gott. „Damit kann ich in die Tiefe des Glaubens vordringen“, sagt er und betont den möglichen wohltätigen Aspekt des Fastens. „Man kann zum Beispiel keinen Alkohol mehr kaufen und das gesparte Geld den Armen zukommen lassen.“

Heilpraktiker Merklinger hat beim Fasten eher die Vorteile für die körperliche Gesundheit im Sinn. „Durch ein vernünftiges Fasten brauchen die Organe weniger Energie, um zum Beispiel Umweltbelastungen abzubauen“, erklärt er. Generell würden zwei Zielsetzungen unterschieden: „Fasten, um sich zu reinigen, oder zur Gewichtsabnahme.“ Bei Ersterem sei es wichtig, viel zu trinken, um Giftstoffe aus dem Körper zu spülen.

Viele Fasten-Methoden kennt der Tölzer Fastenarzt Dr. Heiner Bauer. Beim Basenfasten werde „auf alle tierischen Lebensmittel, Zucker und Alkohol verzichtet“, erklärt er. Damit werde einer Übersäuerung des Körpers entgegengewirkt. Eine Extremform sei das Wasserfasten - etwas für Menschen mit Erfahrung im Verzicht. Hierbei nehme man bis zu 14 Tage lediglich Wasser zu sich. Immerhin Gemüsebrühe sowie Obst- und Gemüsesäfte stehen beim Buchinger-Fasten auf dem Speiseplan. Und dann nennt Bauer noch die F.-X.-Mayr-Kur. Hier werden nur in Milch aufgeweichte altbackene Semmeln gegessen. Wichtig: gründlich kauen. Das verbessere die Verdauung, so Bauer.

Die medizinischen Effekte des Fastens seien vielfältig: Entgiftung, Gewichtsabnahme, Verbesserung des Immunsystems, ein Rückgang chronischer Entzündungen, Linderung der Symptome von Diabetes Typ 2, hohem Blutdruck und Übergewicht. Bauer rät jedem zum Fasten. „Denn alle Menschen der Hochzivilisation sind in irgendeiner Form belastet.“ Fasten sei „das älteste Naturheilverfahren der Menschheit“. Hunger komme bei richtigem Vorgehen übrigens keiner auf. „Der Körper fährt den Basisstoffwechsel herunter.“

Nicht zu vernachlässigen ist laut Bauer die seelische Komponente der inneren Läuterung: „Wenn jemand in einer schwierigen Lebenssituation ist, bekommt er durch das Fasten eine klarere Sicht auf seine Probleme.“

Diesen Aspekt betont auch die Lenggrieserin Ute Merk. Sie ist ärztlich geprüfte Fastenleiterin und sagt über das Fasten: „Zur Gewichtsreduktion kommt eine ganzheitliche seelische Reinigung, um beispielsweise Stress abzubauen.“ Für jeden ist die Entsagung aber nicht geeignet. Merk warnt etwa Schwangere vor dem Basenfasten. „Die ausgespülten Giftstoffe könnten auf den Fötus übergehen.“ Dr. Bauer ergänzt, dass auch Menschen, die unter Psychosen oder Depressionen leiden, aufs Fasten verzichten sollten.

(cum)

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