„Jedes missbrauchte Kind ist eines zuviel“

Benediktbeuern - Der sexuelle Missbrauch in Einrichtungen der katholischen Kirche ist auch im Kloster Benediktbeuern Thema. Prof. Günther Schatz von der Stiftungsfachhochschule ist Chefaufklärer der Salesianer Don Boscos in Deutschland.

Benediktbeuern - „Zum Glück gibt es bei uns keinen aktuellen Fall“, sagt Professor Schatz, Professor für Pädagogik an der Katholischen Stiftungsfachhochschule Benediktbeuern. Allerdings gibt es möglicherweise gleich mehrere historische Fälle: Nach Berichten des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ sollen in zwei Einrichtungen der Salesianer in den 60er- und 70er-Jahren drei Geistliche und ein Mitarbeiter Minderjährige missbraucht haben, und zwar in ehemaligen Heimen der Salesianer Don Boscos in Augsburg und Berlin. „Ob da etwas dran ist, ist noch unklar“, sagt Professor Schatz.

Über die Vorwürfe ist der Professor sofort informiert worden - und jetzt auch bei ihrer Aufklärung mitbeteiligt, berichtete er gestern unserer Zeitung. Er spielt bei Missbrauchsvorwürfen gegenüber Salesianern in Deutschland eine herausragende Rolle: Und zwar als externer Beauftragter zur Aufklärung von Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs in der deutschen Salesianer-Provinz. Als Außenstehender soll er den Orden und die Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung begleiten und überwachen.

„In den 60-er und 70-er Jahren war das Thema sehr stark tabuisiert“, sagt Schatz. Mit dem in Benediktbeuern ins Leben gerufenen Projekt „Fenestra“ setzt er sich durch Beratung und Forschung seit den 90er-Jahren für die Verhinderung des Missbrauchs von Mädchen und Buben ein. Sein Interesse dafür entdeckte Schatz bei der Arbeit mit Tätern: „Da habe ich gemerkt, wie wichtig Prävention ist.“ Denn sexuellen Missbrauch werde es immer geben, sagt er. Doch könnten die Einrichtungen, die Kinder oder Jugendliche betreuen, vieles verhindern: „Das Thema Sex gehört regelmäßig auf die Tagesordnung, dann werden alle sensibler. Reden allein verhindert vieles.“ Insbesondere „Bündnisse von Tätern mit potenziellen Opfern“. „Wenn ein offenes Umfeld geheime Beziehungen verhindert, geht der Täter“, sagt Schatz.

Es sei schmerzlich, wenn es Missbrauch auch bei Salesianern gegeben habe, sagt der Benediktbeurer Klosterdirektor Pater Claudius Amann: „Jedes missbrauchte Kind ist eines zuviel.“ Neben der Aufklärung der Vorwürfe sei es wichtig, den pädagogischen Nachwuchs schon während der Ausbildung so aufmerksam zu begleiten, dass Menschen, die Probleme mit ihrer Sexualität haben, im Vorfeld erkannt und ausgesiebt werden. Damit sie gar nicht erst mit Kinder oder Jugendlichen arbeiten können.

Susanne Sasse

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