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Jugendaustausch: Zwischen Krieg und Frieden

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Gemeinsam für den Frieden: Palästinensische und deutsche Jugendliche bei der Begegnung in Benediktbeuern mit einigen Betreuern, vorne links Dekanats-Jugendreferent Volker Napiletzki.  Foto: fn
Gemeinsam für den Frieden: Palästinensische und deutsche Jugendliche bei der Begegnung in Benediktbeuern mit einigen Betreuern, vorne links Dekanats-Jugendreferent Volker Napiletzki. Foto: fn

Benediktbeuern - Der Krieg zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen beherrscht die Nachrichten. Auch beim Treffen zwischen palästinensischen Jugendlichen und jungen Menschen aus dem evangelisch-lutherischen Dekanat Bad Tölz war er gegenwärtig.

Frieden - dieses Thema hatten die Verantwortlichen der evangelischen Jugend im Dekanat für die diesjährige Jugendbegegnung gewählt. „Und das schon zu einer Zeit, als wir noch gar nicht abschätzen konnten, dass es zu diesem Krieg kommen würde“, sagt Volker Napiletzki. Der Dekanats-Jugendreferent war einer der hauptamtlichen Leiter der elftägigen Begegnung, die jetzt im Aktionszentrum Benediktbeuern stattfand.

13 palästinensische Jugendliche aus Jordanien, Jerusalem und dem Westjordanland waren dazu angereist, um sich mit 16 protestantischen Jugendlichen aus den Landkreisen Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und München-Land auszutauschen; alle im Alter zwischen 13 und 18 Jahren. Neben Ausflügen und einem Streetart-Projekt über die politische Überzeugungskraft von Kunst erzählten vor allem die palästinensischen Jugendlichen aus dem Westjordanland - unter anderem aus den Städten Bethlehem und Ramallah - von ihrem Alltag, der beherrscht wird vom derzeitigen Krieg: Von ihrer Angst vor Anschlägen, Entführungen und radikalen Siedlern. Und von fehlgeleiteten Raketen. So musste eine Teilnehmerin während des Treffens erfahren, dass in das Haus ihrer Freundin eine Rakete eingeschlagen hatte. „Es gibt Verhaftungen in den Orten, in denen sie leben und eine massive Militärpräsenz. Sie leiden sehr unter dem Stigma Terroristen zu sein“, so Napiletzki.

Nach Einbruch der Dämmerung ausgehen? Undenkbar. Umso mehr genossen die palästinensischen Protestanten die Zeit im Loisachtal. Mit den deutschen Jugendlichen diskutierten sie auf Englisch über gewaltfreien Widerstand und besuchten die KZ-Gedenkstätte Dachau, wo sie mit einem Holocaust-Überlebenden sprachen. „Dass sie dorthin mitgekommen sind und sich so für die Geschichte der Juden interessieren, hat mich sehr beeindruckt“, erzählt Jonas (14) aus Wolfratshausen. Viel hätten die Jugendlichen bei dem Gespräch gelernt über die Parallelen zwischen der Geschichte der Juden im Dritten Reich und der aktuellen Lage der Palästinenser. „Aber sie geben den Israelis noch nicht einmal die Schuld an dem, was jetzt dort passiert“, erzählt die 15-jährige Nathalie aus Benediktbeuern, die die jungen Palästinenser als sehr „nett und hilfsbereit“ erlebt hat. „Wie sie mit der Situation umgehen“ - das hat Anna (14) aus Dietramszell vor allem beeindruckt.

Am Sonntag sind die Palästinenser zurück nach Hause geflogen. Viele davon zurück in die Angst. In den Krieg. „Aber sie wollten unbedingt zurück“, sagt Napiletzki. „Das ist für sie dort ja Lebensalltag.“ Für ihn war die Begegnung ein voller Erfolg. „Die Gruppe ist unheimlich gut zusammengewachsen. Es gab keinen Hauch von Antisemitismus.“ Wenn es die politische Lage erlaubt, ist in einem Jahr ein Gegenbesuch geplant. (fn)

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