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Gruppenbild im „Jägerwirt“ (v. li.): Vizelandrat Thomas Holz, Bürgermeister Stefan Fadinger, die Gemeinderäte Josef Bauer und Franz Rest, Zweiter Bürgermeister Franz Hartl und Gemeinderätin Susanne Merk. 

Bürgerversammlung

Ein junges Dorf, wo es sich gut leben lässt

Gaißach – Jahresrückblick bei der Gaißacher Bürgerversammlung: Mangel an Fachkräften und Wohnungen.

 „2015 ist die Welt aus den Fugen geraten: Griechenlandkrise, Syrienkrieg, Flüchtlingswelle, IS-Terror in Paris“ – mit einem Blick auf die weltpolitischen Großereignisse des Jahres wählte Bürgermeister Stefan Fadinger für seinen Rechenschaftsbericht bei der gestrigen gut besuchten Bürgerversammlung einen etwas ungewöhnlichen Einstieg. Denn „Gaißach selbst steht sehr gut da und hat ein vorbildliches Gemeinwesen“, wie es später der stellvertretende Landrat Thomas Holz ausdrücklich hervorhob.

Und doch schlagen die Krisen dieser Welt auch in Gaißach auf. Man merkt es an den vielen neuen Gesichtern im Dorf: „36 Asylbewerber haben hier Unterkunft und bis Ende 2016 könnte sich deren Zahl vervielfachen“, stellte Fadinger fest und versicherte, dass sich Gaißach „dieser Aufgabe stellt und viele Freiwillige helfen, damit sie sich hier wohlfühlen“. Man bemühe sich um eine dezentrale Unterbringung und wolle eine Belegung der Schulturnhalle unbedingt vermeiden.

Kritik kam später von Flüchtlingshelferin Inka Müller-Lengel: Sie monierte, dass in einer Unterkunft bei der Fachklinik „die Heizung nicht geht und die Buben keinen Deutschunterricht bekommen“. „Dafür ist nicht die Gemeinde zuständig, sondern der Landkreis“, stellte Stellvertretender Landrat Thomas Holz klar. Er versicherte: „Dem werde ich persönlich nachgehen.“

Holz bezeichnete allerdings auch das „Wir schaffen das“ der Bundeskanzlerin als „blanken Hohn“. Wenn es um das „Wie“ gehe, also nicht nur um die Unterbringung, sondern auch um die Integration, dann gebe es „keine Unterstützung von oben“. Ohne Obergrenzen und ohne Solidarität der europäischen Staaten werde man das nicht schaffen.

Drei weitere Wortmeldungen kritisierten den durch Abfälle verunstalteten „Schandfleck Bahnhof“ und die fehlende Straßenbeleuchtung am Gehweg zwischen Dorf und Mühl (Joachim Vieregge), die marode Wasserleitung in der Ötz (Kaspar Rest) und vermeintliche „Raserei“ in einer Seitenstraße in Untergries (Konrad Bauer). Dem widersprach Anlieger Gemeinderat Franz Rest allerdings vehement.

Zuvor hatte Bürgermeister Stefan Fadinger in seinem Rechenschaftsbericht die Situation der Gemeinde ausgeleuchtet: „Gewiss, wir stehen sehr gut da, aber so einfach ist es nicht.“ Es herrsche Fachkräftemangel und Wohnungsmangel durch Zuzüge und Flüchtlinge. „Der Druck auf uns wird immer größer, doch wir wollen uns nicht zubetonieren lassen, sondern moderat wachsen und unseren dörflichen Charakter bewahren.“

Fadinger stellte auch klar, dass die Unterbringung von Flüchtlingen nicht zu Lasten wohnungssuchender Einheimischer gehe: „Die Gemeinde hat selbst neue Wohnungen geschaffen und Bauland für Einheimische ausgewiesen.“

Gaißach hat aktuell 3100 Einwohner (plus 30 gegenüber dem Vorjahr) bei einem Ausländeranteil von fünf Prozent. 31 Geburten standen zuletzt 26 Todesfälle gegenüber. „Das macht deutlich, dass Gaißach ein junges Dorf ist, wo sich gut leben lässt“, betonte der Bürgermeister. Man habe bereits darauf reagiert und im Kindergarten eine zusätzliche Betreuungsgruppe eingerichtet. Rainer Bannier

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